Olsenbandenfanclub Deutschland Den Kult konservieren

Wer Paul Wenzel und Steffen Paatz zu Hause besucht, findet sich in einem Olsenbanden-Museum wieder: Überall an den Wänden hängen Filmplakate und Autogrammkarten der dänischen Schauspieler. In den Vitrinen stehen das Olsenbandentrio und Kjelds Frau Yvonne als Räuchermännchen und in den Blumentöpfen stecken kleine Dänemark-Fähnchen. Alles, was es je zur Olsenbande gab und geben wird, sammeln die beiden akribisch. Dieses "Hardcore"-Hobby teilen sie mit knapp 2.000 Fans, so viele Mitglieder hat ihr im August 2000 gegründeter Fanclub inzwischen. Wir haben Paul Wenzel und Steffen Paatz zu ihrem Club und ihrer Leidenschaft befragt.

Beschreiben Sie mal einen typischen Olsenbandenfan!

Steffen Paatz: Das Durchschnittsalter des klassischen Fans liegt – wie bei mir - bei 39 Jahren. Die Filme liefen ja in den 70er- und 80er-Jahren im DDR-Fernsehen, die 70er-Jahregänge sind damit groß geworden. Und der typische Fan kommt aus dem "Tal der Ahnungslosen". Der Raum Dresden ist eine richtige Fanhochburg, weil die Dresdner ja kein Westfernsehen sehen konnten.

Was fasziniert Sie an den Filmen dieses dänischen Gaunertrios?

Steffen Paatz: Das ist die Machart, das immer wiederkehrende Muster in den Filmen und die Parallelen zur DDR, wo auch immer improvisiert werden musste. Die Olsenbande ist für mich einfach untrennbar mit der DDR verbunden, obwohl sie aus Dänemark kommt. Und nicht zu vergessen natürlich die geniale DEFA-Synchronisation.

Und Sie können die Filme auch heute noch immer wieder anschauen?

Steffen Paatz: Ja, immer wieder. Je öfter man die Filme sieht, umso mehr entdeckt man. Und man stößt jedes Mal auf andere Details. Wir untersuchen die Filme ja ganz genau, beschreiben beispielsweise Filmfehler und suchen nach zensierten Szenen in der DDR. Und damit sind wir noch lange nicht fertig.

Über Ihre Internetseite www.olsenbandenfanclub.de betreuen Sie Ihre Mitglieder, beantworten Anfragen zu Filmen, Schauspielern und Drehorten und organisieren Fanclubtreffen. Was war Ihr bisher größter Coup?

Paul Wenzel: Das war das Olsenbanden-Jütland-Event im August 2006. Wir haben damals erreicht, dass am Kino in Thisted eine neue Olsenbanden-Silhouette angebracht und durch Schauspieler Morten Grunwald (Benny) eingeweiht wurde. In Jütland wurde ja der Lieblingsfilm der meisten Fans "Die Olsenbande fährt nach Jütland" gedreht. In Zusammenarbeit mit dem Kino und dem dortigen Tourismusverband wurde daraus ein Riesenevent, zu dem 3.000 Besucher kamen. Die ganze Region hat mitgefeiert. Die Brauerei hat sogar ein spezielles Olsenbanden-Bier verkauft. Und wenn nicht gerade Fußball-WM gewesen wäre, wären sicher noch mehr gekommen.

Ihr "Hardcore"-Hobby nimmt ja sehr viel Zeit in Anspruch? Was ist Ihre Motivation?

Paul Wenzel: Wir wollen einfach den Kult um die Olsenbande erhalten.

Ihre Begeisterung für die Olsenbande scheint inzwischen auch schon auf das Land übergegangen zu sein, wenn man die dänischen Fähnchen hier überall sieht.

Steffen Paatz: Ja, wir reisen regelmäßig nach Dänemark und besuchen die Originaldrehorte und dokumentieren sie, denn vieles verschwindet mit der Zeit. Wir haben auch zwei Semester Dänisch an der Volkshochschule besucht. Und über die Olsenbande haben wir auch den dänischen Film an sich entdeckt.

(zuerst veröffentlicht am 22.10.2010)