Zeittafel zum Abschnitt "Reformation und Landesherrschaft 1485-1648"

26.08.1486

Der sächsische Kurfürst Ernst stirbt in Colditz (geb. 1441 in Meißen). Ernst regierte seit 1464 zusammen mit seinem jüngeren Bruder Albrecht und wurde nach der Teilung der wettinischen Lande 1485 Begründer der ernestinischen Linie der Wettiner.

1491

Reiche Silbererzfunde am Schreckenberg führen zur Gründung der Bergstadt Annaberg.

1493

Vertreibung der Juden aus dem Erzbistum Magdeburg.

20.04.1494

Johann Agricola, ein Schüler und Freund Luthers, wird in Eisleben geboren. Ab 1540 wirkt er als Hofprediger in Berlin. Agricola besorgt als Herausgeber die erste hochdeutsche Sprichwort-Sammlung (13 Teile, 1528-1548) und erarbeitet die erste evangelische Schulordnung.

1495

Der Abt des Klosters Georgenthal schließt einen Vertrag mit den Fuggern, der den Bau einer Saigerhütte unterhalb des Ortes Hohenkirchen bei Gotha erlaubt. Hier werden bis 1533 große Mengen Rohkupfer versaigert, das aus den Fuggerschen Kupfergruben in Ungarn stammt. Das Saigern von Kupfererz (Trennen von Silber und Kupfer aus Rohkupfer durch Ausschmelzen) wird an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert in mehreren thüringischen Hütten betrieben, die sich zumeist um den Thüringer Wald gruppieren (großer Holzbedarf). In der Saigerindustrie, in der zu Beginn des 16. Jahrhunderts große Kapitalien angelegt sind, tritt der Frühkapitalismus als neue Wirtschaftsform besonders augenfällig hervor. Die Hütte Hohenkirchen, die bedeutendste in Thüringen, erlebt um 1533 nach dem Rückzug der Fugger aus dem Kupfergeschäft einen Produktionseinbruch, 1543 brennt sie nieder.

1495

Das Handelshaus der Fugger errichtet in Leipzig eine Faktorei. Wenig später folgt das zweite bedeutende oberdeutsche Handelshaus der Welser. Damit findet Leipzig Anschluss an das oberdeutsche Finanzkapital.

16.02.1497

Philipp Melanchthon erblickt in Bretten bei Karlsruhe das Licht der Welt. Ab 1518 lehrt Melanchthon an der Universität Wittenberg als Professor für alte Sprachen und Theologie. Auf Grund seiner herausragenden Griechischkenntnisse wird er zum engsten Mitarbeiter Luthers bei der Bibelübersetzung. Nach Luthers Tod 1546 übernimmt Melanchthon die Leitung der protestantischen Bewegung. Große Verdienste erwirbt sich der Gelehrte als Reformator des Schul- und Bildungswesens, weshalb er anerkennend "Praeceptor Germaniae" (Lehrer Deutschlands) genannt wird. Er reformiert Universitäten und gründet protestantische Hochschulen, schreibt Lehrbücher, pädagogische Schriften und Kirchenlieder.

07.07.1497

Kaiser Maximilian I. verleiht der Stadt Leipzig das Messeprivileg. Damit dürfen in den fünf Bistümern um Leipzig (Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Merseburg, Naumburg) keine neuen Jahrmärkte mehr eingerichtet werden.

29.01.1499

Geburt der Katharina von Bora, der späteren Ehefrau Luthers. Katharina von Bora lebt vor ihrer Heirat mit dem Reformator als Nonne im Kloster Nimbschen bei Grimma. Hier wird sie mit Luthers Schriften vertraut und entschließt sich zur Flucht aus dem Kloster. Sie flieht zu Ostern 1523 mit elf anderen Nonnen in Heringsfässern versteckt nach Wittenberg und heiratet 1525 Luther. Sie haben zusammen sechs Kinder und versorgen darüber hinaus bis zu neun Pflegekinder. Katharina stirbt 1552 während einer Pestepidemie in Torgau.

1500

In den Harzer Hüttenwerken werden in 32 Werkstätten mit 34 Rennfeuern etwa 800 Tonnen schmiedbares Eisen hergestellt.

1502

Kurfürst Friedrich der Weise gründet die Universität Wittenberg. Friedrich bemüht sich besonders um die Verwaltung seines Landes. Da die Universität Leipzig 1485 an die albertinische Linie gefallen war, benötigt Friedrich zur Ausbildung seiner Beamten und Lehrer eine neue Hochschule. Als Wirkungsstätte von Luther und Melanchthon erwirbt die Wittenberger Universität in der Folgezeit eine Schlüsselstellung für die Reformation, die über Deutschland hinaus auch auf Skandinavien und das Baltikum ausstrahlt.

1504

In Schneeberg im Erzgebirge wird der Pferdegöpel erfunden. Damit wird der Bergbau bis in Tiefen von etwa 250 Metern möglich. Mit der Handhaspel war nur eine Förderung aus Tiefen bis zu etwa 40 Metern realisierbar.

1505

Martin Luther legt, nachdem er ein schweres Unwetter überlebt hat, das Gelöbnis ab, Mönch werden zu wollen und tritt, völlig überraschend für seine Familie und Freunde, in das wegen seiner strengen Regeln bekannte Augustinerkloster in Erfurt ein. Im April 1507 wird er im Erfurter Dom zum Priester geweiht.

1505

Lucas Cranach der Ältere kommt als kurfürstlicher Hofmaler an die Residenz nach Wittenberg. Sein Jahresgehalt von 100 Gulden entspricht etwa dem eines Universitätsprofessors.

25.07.1507

Kaiser Maximilian dehnt den Messebann um Leipzig auf 15 deutsche Meilen aus (ca. 125 Kilometer). Damit erreicht der Messebann die Stadt Erfurt, die keine neuen Jahrmärkte mehr einrichten darf. Leipzig überflügelt Erfurt in der Folgezeit als bedeutendste Handelsmetropole des mitteldeutschen Raumes.

1508

Die Bergstadt Annaberg im Erzgebirge zählt 8.000 Einwohner und damit doppelt soviel wie Dresden und ebenso viel wie die Universitätsstadt und Handelsmetropole Leipzig. Mit der imposanten, die gesamte Stadt überragenden Annenkirche schaffen sich die Annaberger Bergleute ein selbstbewusstes Denkmal ihrer bergmännischen Tüchtigkeit.

Oktober 1515

Der erste Band der "Dunkelmännerbriefe" erscheint, eine beißende Satire auf die scholastische Scheingelehrsamkeit und die Unmoral von Mönchtum und Klerus. Obwohl die Verfasser bewusst anonym bleiben und ihre Spur verwischen, steht die Urheberschaft des Erfurter/Gothaer Humanistenkreises außer Frage.

31.10.1517

Luther schlägt seine 95 Thesen an die Holztür der Schlosskirche zu Wittenberg (die Historizität dieses Thesenanschlags ist umstritten). Die Thesen richten sich gegen den Ablasshandel, mit dem sich Gläubige durch ausreichend hohe Geldbeträge von ihren Sünden freikaufen können (traurige Berühmtheit als Ablasshändler erlangt der Dominikaner Johannes Tetzel). Der Thesenanschlag markiert den Beginn der Reformation, einer umfassenden religiösen, geistigen und gesellschaftlichen Erneuerungsbewegung.

23.01.1521

Der Merseburger Bischof Adolph von Anhalt lässt die Schriften Martin Luthers zusammenkarren und auf dem Merseburger Domplatz verbrennen.

April/Mai 1521

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise lässt Martin Luther nach einem fingierten Überfall auf die Wartburg "entführen", um ihn vor dem Zugriff durch den Kaiser zu schützen. Kurz zuvor hatte sich Luther auf dem Reichstag zu Worms geweigert, seiner Kritik an der Kirche abzuschwören ("Hier stehe ich und kann nicht anders! Gott helfe mir! Amen!") und war daraufhin mit dem Kirchenbann belegt worden. Auf der Wartburg lebt er unerkannt als "Junker Jörg" und übersetzt hier das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Im März 1522 kehrt Luther trotz Acht und Bann nach Wittenberg zurück.

29.09.1521

Erstes evangelisches Abendmahl. In Wittenberg feiern die Anhänger Luthers in dessen Abwesenheit zum ersten Mal das Abendmahl nach der neuen Weise. Luther versteckt sich zu diesem Zeitpunkt noch auf der Wartburg.

08.02.1523

Der aus dem Kloster Reifenstein entflohene Mönch Heinrich Pfeiffer hält vor der Marienkirche in Mühlhausen eine Predigt. Seine radikalen Ansichten fallen vor allem bei Handwerkern und Kaufleuten auf fruchtbaren Boden. Diese nutzen die Situation zur Formulierung ihrer politischen und kirchlichen Forderungen gegenüber dem Rat, der darauf jedoch nicht eingeht. Bei den nachfolgenden Unruhen werden Klöster und Pfarrhäuser gestürmt, sodass der Rat gezwungen ist, die Bürgerforderungen anzunehmen.

1524

Auf Betreiben Graf Albrechts von Mansfeld wird bei Leutenberg eine Saigerhütte gegründet. Das dafür nötige Kapital stammt hauptsächlich von Nürnberger und Leipziger Kaufleuten. Die technisch modern ausgestattete Hütte entwickelt sich zu einer der bedeutendsten in Thüringen. 1533 bildet sie mit den Hütten von Arnstadt, Gräfenthal, Schwarza, Eisfeld und Ludwigstadt ein Verkaufssyndikat.

13.07.1524

Der protestantische Theologe und Sozialrevolutionär Thomas Müntzer hält in Allstedt (Sachsen-Anhalt) die legendäre "Fürstenpredigt". Er fordert in dieser vor Herzog Johann und Kurprinz Johann Friedrich gehaltenen Predigt die Erlangung des Reichs Gottes auf Erden und die Gütergemeinschaft der Menschen. Der radikale Theologe wird daraufhin aus Allstedt ausgewiesen.

19.08.1524

Thomas Müntzer trifft in Mühlhausen ein, nachdem er aus Zwickau und Allstedt hatte fliehen müssen. Schon bald muss er auch Mühlhausen verlassen, kehrt jedoch im Februar 1525 zurück und erringt die Herrschaft über die Stadt. Von hier aus leitet er den Bauernaufstand in Thüringen.

05.05.1525

Kurfürst Friedrich der Weise stirbt auf Schloss Lochau bei Torgau. 1519 hatte Friedrich die Kaiserkrone abgelehnt und setzte sich stattdessen für die Wahl Karls V. ein. 1502 gründete er die Universität Wittenberg. Ohne sich öffentlich zu Luther zu bekennen, gewährte er diesem Schutz, verweigerte 1518 seine Auslieferung nach Rom, erwirkte 1521 freies Geleit für ihn nach Worms und hielt ihn auf der Wartburg versteckt. Friedrichs Toleranz förderte die Ausbreitung der Reformation.

15.05.1525

Schlacht bei Frankenhausen, mit der die Entscheidung im Bauernkrieg fällt. Der bei Frankenhausen stehende letzte große Bauernhaufe Nordthüringens wuchs seit Anfang Mai durch den Zulauf von Aufständischen aus anderen Gebieten auf etwa 8.000 Mann an. Die durch anfängliche Erfolge sowie durch die Prophezeiungen Müntzers sorglos gewordenen Bauern werden am 15. Mai durch einen Überraschungsangriff der Truppen Herzog Georgs von Sachsen und Landgraf Philipps von Hessen völlig überrannt, wobei etwa 5.000 von ihnen erschlagen werden. Müntzer wird an seinem Büchersack erkannt, gefangen genommen und am 27. Mai in Mühlhausen hingerichtet.

06.09.1528

Unter Kurfürst Johann dem Beständigen beginnen in Kursachsen die systematischen Kirchenvisitationen. Unter der Anleitung der Reformatoren Melanchthon und Spalatin werden die Pfarrer auf ihre Eignung für die Verkündigung der evangelischen Lehre überprüft. Die Pfarrer werden einheitlich auf die Wittenberger Lehre festgelegt und der gesamte Kirchenbesitz wird verzeichnet, um in den Wirren der letzten Jahre geraubtes Kirchengut zurückzuführen.

25.06.1530

Auf einem Reichstag in Augsburg wird das von Philipp Melanchthon verfasste Glaubensbekenntnis der Lutheraner, die sog. Augsburger Konfession (lat. Confessio Augustana), vorgetragen. Diese grundlegende Bekenntnisschrift der protestantischen Kirche beschreibt in mehr als 20 Artikeln Glauben und Lehre der Lutheraner.

27.02.1531

Nachdem sich die Glaubenskämpfe zwischen Protestanten und Katholiken wieder zugespitzt haben, wird in Schmalkalden ein Bund zur Verteidigung des evangelischen Glaubens gegründet - der Schmalkaldische Bund. Führende Kräfte des Bundes sind der sächsische Kurfürst Johann der Beständige (ernestinische Linie) und Landgraf Philipp von Hessen.

17.04.1539

Tod von Georg dem Bärtigen in Dresden, ab 1500 Herzog von Sachsen (albertinische Linie). Nach seiner Einsetzung als Herzog bemühte sich Georg um die Reform der Verwaltung seines Landes (1506 Gerichts-, 1508 Hofordnung). Als treuer Anhänger der römisch-katholischen Kirche war er ein entschiedener Gegner Luthers. Mit großer Härte ging Georg 1525 gegen den auch im Vogtland und im Raum Zwickau ausgebrochenen Bauernkrieg vor.

Juni 1539

Heinrich der Fromme, der Georg dem Bärtigen auf dem sächsischen Herzogsthron folgt, führt im albertinischen Sachsen die Reformation ein und verbietet katholische Gottesdienste.

06.07.1539

In Anwesenheit des sächsischen Herzogs (Heinrich der Fromme, Albertiner) und des sächsischen Kurfürsten (Johann Friedrich, Ernestiner) findet in der Dresdner Kreuzkirche die erste feierliche "Evangelische Hohe Messe" mit Spendung des Abendmahls statt.

18.08.1541

Bei einem Ausritt stürzt der sächsische Herzog Heinrich der Fromme vom Pferd und wird vom Huf des scheuenden Pferdes tödlich getroffen. Er findet als erster Wettiner seine letzte Ruhe im Dom zu Freiberg. Seine Nachfolge tritt sein Sohn Moritz an, der als "Wechselherzog" in die Geschichte eingehen wird, da er vom protestantischen ins katholische Lager wechselt.

12.09.1541

Tod des Bildschnitzers Peter Breuer in Zwickau. Breuer war ein Schüler Tilman Riemenschneiders und unterhielt ab 1502 eine eigene Werkstatt in Zwickau. Seine Hauptwerke schuf er für den dortigen Dom.

1543

Das ehemalige Zisterzienserkloster Pforta bei Naumburg wird auf Veranlassung von Herzog Moritz von Sachsen in eine Fürstenschule, eine höhere Schule zur Ausbildung des Pfarrer- und Beamtennachwuchses, umgewandelt und mit reichen Einkünften versehen.

05.10.1544

Der erste evangelische Kirchenbau, die Schlosskirche in Torgau, wird durch Martin Luther geweiht.

16.01.1545

Der Reformator und Theologe Georg Spalatin stirbt in Altenburg. Als Hofkaplan und Rat des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen wirkte Spalatin als Mittelsmann zwischen diesem und Luther. Spalatin war wesentlich dafür verantwortlich, dass Luther die Unterstützung Friedrichs für die Reformation erhielt. Nach dem Tod Friedrichs hatte Spalatin als Pfarrer und Kirchenvisitator maßgeblichen Anteil an der Ausgestaltung der sächsischen Landeskirche.

19.02.1546

Einen Tag nach dem Tod Martin Luthers in Eisleben werden Wachsabgüsse von seinem Gesicht und seinen Händen angefertigt. Sie sind heute in der Marktkirche "Unserer lieben Frauen" in Halle zu besichtigen.

April/Mai 1547

Schlacht bei Mühlberg an der Elbe: Der protestantische Schmalkaldische Bund unter der Führung des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich (Ernestiner) wird von den katholischen kaiserlichen Truppen, die unter der Führung des sächsischen Herzogs Moritz (Albertiner) stehen, vernichtend geschlagen. In der Wittenberger Kapitulation muss Johann Friedrich die Kurfürstenwürde und die Kurlande (Wittenberg) an Moritz abtreten, sodass fortan die sächsische Herzogs- und Kurfürstenwürde wieder in einer Person vereint sind (mit der "Leipziger Teilung" von 1485 wurden Herzog- und Kurfürstentum getrennt). Damit verlagern sich die politischen, wirtschaftlichen und territorialen Gewichte innerhalb des wettinischen Gesamthauses eindeutig auf die albertinische Seite. Die Ernestiner bleiben fürderhin auf ihre thüringischen Besitzungen beschränkt, die durch Erbteilung eine extreme Zersplitterung erfahren.

22.09.1548

Gründung der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Seit seiner Gründung besteht das Orchester ohne Unterbrechung bis heute und ist somit weltweit der älteste Klangkörper dieser Art.

01.02.1549

Der Buchdrucker und Verleger Melchior Lotter stirbt in Leipzig. Lotter druckte 1517 Martin Luthers 95 Thesen und gründete 1519 in Wittenberg eine Druckerei, die bis 1524 für Luther und Melanchthon tätig war.

1552

Sebastian Boetius, Pfarrer an der Marktkirche in Halle, beginnt mit dem Kauf der deutschen und lateinischen Werke Martin Luthers. Damit legt er den Grundstock für die Marienbibliothek, die größte historische Kirchenbibliothek Deutschlands.

11.07.1553

In einem Reitergefecht bei Sievershausen, just als er hoch zu Ross in schwarzer Rüstung fliehenden Feinden nachsetzen will, findet Kurfürst Moritz von Sachsen, der Wechselherzog, den Tod durch einen Rückenschuss. Sein Leichnam wird nach Freiberg überführt und im Dom unter Marmor und Alabaster bestattet.

25.09.1555

Abschluss des Augsburger Religionsfriedens. Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen zwischen den Territorialfürsten im Zusammenhang mit der Reformation wird durch König Ferdinand I. per Reichsgesetz den Protestanten ihr Besitz und der Frieden garantiert. Den weltlichen Fürsten wird Religionsfreiheit zugesichert, sie entscheiden mit ihrer eigenen Wahl auch über die Konfession ihrer Untertanen ("cuius regio, eius religio"). Mitteldeutschland, das Kerngebiet der Reformation, ist zu dieser Zeit mit Ausnahme der kurmainzischen Gebiete Erfurt und Eichsfeld bereits rein protestantischer Konfession.

09.10.1555

Tod des Reformators Justus Jonas. Er war Professor in Wittenberg und Mitarbeiter Luthers. Er übersetzte lateinische Schriften Luthers und Melanchthons und führte 1541 die Reformation in Halle/Saale ein.

21.11.1555

Der Arzt und Mineraloge Georgius Agricola, eigentlich Georg Bauer, stirbt in Chemnitz. Agricola befasste sich neben seinen Aufgaben als Lehrer, Arzt und Bürgermeister von Chemnitz mit mineralogischen Heilmitteln und schuf wesentliche Grundlagen für die Bergbaukunde, Geologie und Mineralogie, als deren Begründer er heute angesehen wird. Ein Jahr nach seinem Tod, 1556, erscheint in Basel sein berühmtes Buch über den Bergbau "De re metallica", die erste wissenschaftlich fundierte Darstellung des gesamten Bergbaus und Hüttenwesens jener Zeit.

02.02.1558

In Jena wird die Universität feierlich eröffnet, nachdem am 15. August 1557 die Stiftungsurkunde durch Kaiser Ferdinand ausgestellt worden war. Erster Rektor wird der Mediziner Johannes Schröter, der frühere Leibarzt Karls V. und Ferdinands I.

30.03.1559

Der Rechenmeister Adam Ries stirbt in Annaberg/Erzgebirge. Ries lebte zunächst als Leiter einer Rechenschule in Erfurt, ab 1522 dann in Annaberg, wo seine mathematischen Kenntnisse zu Zeiten des Silberbergbaus sehr gefragt waren. 1539 erhielt er den Titel eines "Churfürstlich Sächsischen Hofarithmeticus". Ries verfasste mehrere Rechenbücher, darunter das 1522 veröffentlichte "Rechenungen auff den Linihen und Federn", eine Anleitung zum Rechnen mit Abakus und auf Papier mit Hilfe der arabischen Ziffern.
Er wurde zum sprichwörtlichen Rechenmeister der Deutschen ("Das macht nach Adam Ries ... ")

1560

Gründung der Dresdner Kunstkammer, aus der sich die berühmten Dresdner Kunstsammlungen entwickeln. Das Inventarverzeichnis von 1587 umfasst bereits 317 Doppelseiten mit etwa 100.000 Positionen.

19.04.1560

Tod des Humanisten und Reformators Philipp Melanchthon in Wittenberg.

14.05.1565

Der lutherische Theologe und erste evangelische Bischof Nikolaus von Amsdorf stirbt in Eisenach. Von Amsdorf war Professor und Domherr in Wittenberg und schloss sich 1517 Luther an. Er gehörte zu dessen engsten Mitarbeitern und wirkte an der Bibelübersetzung mit. 1524 wurde von Amsdorf Superintendent in Magdeburg und begann hier mit der Einführung der Reformation. 1542 wurde er von Martin Luther als erster evangelischer Bischof in Naumburg ordiniert.

07.10.1565

Der erste Luther-Biograf, Johannes Mathesius, stirbt in St. Joachimsthal. 1529/30 ging Mathesius für theologische Studien nach Wittenberg und war hier Tischgenosse Luthers. Er zeichnete die Tischreden Luthers auf und verarbeitete diese zu Predigten über Luther ("Luther-Historien", 1566 veröffentlicht). Sie dienten den späteren Lutherbiografen als wichtigste Quelle.

15.02.1571

Der Komponist und Musikschriftsteller Michael Praetorius wird in Creuzburg/Thüringen geboren. Ab 1604 wirkt Praetorius als Hofkapellmeister in Wolfenbüttel. Er ist maßgebend für die evangelische Kirchenmusik zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst besonders Lieder, Motetten und Konzerte in den verschiedensten Besetzungen. Sein theoretisches Hauptwerk "Syntagma musicum" ist eine der wertvollsten Quellen zu Musik und Musikinstrumenten des Frühbarock.

17.05.1574

Der Erzbischof von Mainz begibt sich mit 300 Mann Begleitung in das reformierte Eichsfeld und leitet den Prozess der Rekatholisierung ein. In dessen Verlauf wird der lutherisch geprägte Adel des Eichsfelds durch gezielte Lehenspolitik entmachtet. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ist das Eichsfeld wieder fast vollständig katholisch.

15.01.1575

Barbara Uthmann, die Großverlegerin von Borten und Spitzen, stirbt in Annaberg. Als Händlerin und Verlegerin von Klöppelspitzen beschäftigte Uthmann hunderte von Heimarbeiterinnen und schuf damit nach dem Rückgang der Erzvorkommen neue Erwerbsmöglichkeiten im Erzgebirge.

1578

Chemnitz erhält eine neue Bleichordnung (erstes Bleichmonopol 1537). Die Leinen-, Zwillich- und Damastwebereien können ihre Betriebe vergrößern. Die Textilherstellung ist neben dem Bergbau der zweitwichtigste Erwerbszweig in Kursachsen.

1580

Für Jessen (Sachsen-Anhalt) wird eine Winzerbruderschaft bezeugt, die einen blühenden Weinbau betreibt.

1588

Der sächsische Kurfürst Christian erlässt die "Churfürstlich Sächsische Weinbergsordnung". Sie regelt die Art und die Reihenfolge der Tätigkeiten, die im Jahreslauf in den Weinbergen durchzuführen sind.

10.01.1597

Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg erteilt den Glasmachern Hans Greiner und Christoph Müller die Konzession zum Betreiben einer Glashütte am Lauschabach (der Ort Lauscha entsteht).

1600

Die Harzer Hüttenindustrie stellt in 33 Werkstätten mit 6 Hochöfen und 40 Frischfeuern etwa 1.500 Tonnen schmiedbares Eisen und 150 Tonnen Gusswaren her. Damit hat sich die Leistung der Werke in den letzten hundert Jahren verdoppelt.

25.12.1601

Ernst der Fromme, Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg, wird in Altenburg geboren. Mit Hilfe seines Kanzlers von Seckendorff baut er eine für die deutschen Kleinstaaten vorbildliche Staatsverwaltung auf und reformiert das Unterrichtswesen. Durch die Einführung der Schulpflicht 1642 und eine gute materielle Ausstattung der Schulen (Druck von Schulbüchern) erlangt Sachsen-Gotha Vorbildwirkung für ganz Europa. Darüber hinaus ist Ernst bemüht, mit zahlreichen herzoglichen Verordnungen die Moral und Sitten seiner Landeskinder zu heben, die durch den Dreißigjährigen Krieg verroht und entchristlicht sind.

30.11.1602

Geburt von Otto von Guericke in Magdeburg. Guericke ist der Erfinder der Luftpumpe (1650). Berühmt werden seine Versuche mit den Magdeburger Halbkugeln. Unabhängig von den italienischen Physikern erkennt er das Wesen des Luftdrucks und benutzt barometrische Beobachtungen zur Voraussage von Stürmen. Neben seinen physikalischen Forschungen ist Guericke auch politisch aktiv und wird 1646 einer der vier Bürgermeister von Magdeburg.

12.03.1607

Der Dichter und Kirchenliedautor Paul Gerhardt wird in Gräfenhainichen geboren. Gerhardts Schaffen ist von tiefem Gottvertrauen und großer Frömmigkeit geprägt. Seine 134 teils neu geschaffenen, teils nach Psalmen gedichteten Lieder gründen sich auf die Theologie Martin Luthers (unter anderem "Befiehl Du Deine Wege", "Geh aus mein Herz" oder "Ich steh an Deiner Krippen hier").

26.02.161426.02.1614

Kurfürst Johann Sigismund erlässt das "Läster- oder Toleranzedikt", das Kanzelhetze gegen Andersgläubige unter strenge Strafe stellt.

1617

Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen gründet in Weimar die "Fruchtbringende Gesellschaft". Sie widmet sich der Pflege und Hebung der deutschen Sprache und Literatur und führt zu diesem Zweck Adlige mit bürgerlichen Gelehrten und Dichtern zusammen. Die Gesellschaft besteht bis 1680 und hat ihren Sitz in Köthen.

1618

Der Fenstersturz zu Prag bildet den Beginn des Dreißigjährigen Krieges.

28.07.1623

Das älteste Klosterdorf der Mark Meißen, Riesa, im Jahre 1119 gegründet, erhält Stadtrecht.

24.12.1625

Geburt des Komponisten Johann Rudolf Ahle in Mühlhausen. Ahle wirkt als Kantor von 1646 bis 1649 in Erfurt und ab 1654 als Organist in Mühlhausen. Neben seiner musikalischen Tätigkeit engagiert sich Ahle auch in der Politik. 1656 wird er zum Ratsmitglied und kurz vor seinem Tode noch zum Bürgermeister ernannt. Ahle komponiert vor allem geistliche Konzerte und Arien. Daneben komponiert er als einer der ersten in Deutschland Kammersonaten.

19.11.1630

Tod des Komponisten Johann Hermann Schein in Leipzig. Schein wurde 1615 Hofkapellmeister in Weimar. Seit 1616 wirkte er als Thomaskantor in Leipzig. Er gilt neben Heinrich Schütz und Samuel Scheidt als einer der größten Komponisten des 17. Jahrhunderts.

1631

Während des Dreißigjährigen Krieges erlebt Magdeburg seinen schwärzesten Tag: General Tilly stürmt am 20. Mai 1631 mit seinem kaiserlichen Heer die Stadt, erobert und vernichtet sie. Die Magdeburger wehren sich in einem erbitterten Häuserkampf. Brände zerstören die Stadt fast vollständig. Die Soldaten wüten grausam unter der Bevölkerung. 20.000 Menschen kommen um. Frauen und Kinder, ganze Familien, werden gefangen genommen, um Lösegeld zu erpressen. Tilly hat seinen Söldnern, die seit Monaten keinen Sold mehr gesehen haben, eine dreitägige Plünderung versprochen. Der Feldherr opfert Magdeburg, und die Stadt ist fortan nur noch eine Provinzstadt in Brandenburg.

02.08.1632

Der Schriftsteller und Sprachforscher Kaspar Stieler erblickt in Erfurt das Licht der Welt. Schon früh veröffentlicht er unter dem Namen "Filidor der Dorfferer" eine Sammlung von Liebesliedern mit dem Titel "Die Geharnschte Venus". Später arbeitet er als Hof- und Universitätssekretär an verschiedenen thüringischen Fürstenhöfen und an der Universität Jena und ist (unter dem Pseudonym "Der Spate") Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft". Für diesen Kreis entstehen auch seine Hauptwerke "Die Dichtkunst des Spaten" (1685) und "Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz" (1691).

17.12.1640

Der Schauspieler und Theaterleiter Johann Velten wird in Halle geboren. Velten reist zunächst mit einer Wanderschauspieltruppe durch Mitteldeutschland, ehe er 1685 eine feste Anstellung am kursächsischen Hof erhält. Er hebt das Ansehen seiner Wandergruppe und verbessert den Spielplan des kurfürstlichen Hoftheaters Dresden durch eigene Übersetzungen von Molière und Calderón de La Barca aus dem Französischen bzw. Spanischen.

1646

Die ersten organisierten Führungen durch die Baumannshöhle in Rübeland im Harz werden durchgeführt.

01.07.1646

Der Mathematiker und Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, einer der letzten Universalgelehrten, wird in Leipzig geboren. Er studiert in Leipzig und Jena die Rechte, ab 1667 arbeitet er für verschiedene fürstliche Verwaltungen. Während ausgedehnter Auslandsaufenthalte und Reisen (u.a. Paris, London, Italien und Niederlande) schließt er Bekanntschaft mit wissenschaftlichen Größen seiner Zeit. 1676 tritt er in hannoversche Dienste. Leibniz bemüht sich um die Gründung wissenschaftlicher Akademien und veröffentlicht vielbeachtete mathematische und philosophische Studien. Er begründet die mathematische Logik und konstruiert eine Rechenmaschine.

1648

Mit dem Westfälischen Frieden endet der Dreißigjährige Krieg. Mitteldeutschland, vor allem der historische Raum an Mittelelbe, unterer Saale und Harzvorland gehört bei Kriegsende zu den am meisten zerstörten Regionen. Dörfer sind verwüstet oder von den Überlebenden verlassen worden und werden nicht wieder besiedelt. Besonders hart triff es die Dörfer rund um Magdeburg und an der großen Durchmarschstraße von Magdeburg nach Halle und Aschersleben. Ebenso diejenigen rund um Saalfeld, wo sich kaiserliche und schwedische Truppen 1640 monatelang gegenüber gestanden hatten. Im Kurfürstentum Sachsen zählen das Elbtal und vor allem ein Streifen von Leipzig über Wurzen, Chemnitz und Freiberg bis nach Dresden zu den am stärksten zerstörten Gebieten. In Thüringen triff es das Altenburger Land, das Durchzugsland für riesige Truppenmassen war, die hier Quartier bezogen, biwakierten oder das Land plünderten. Der Dreißigjährige Krieg ist eine der traumatischsten Epochen der deutschen Geschichte. Der anteilmäßige Bevölkerungsverlust (durch den Krieg selbst als auch durch seine Nachfolgeerscheinungen wie Pest und Hungersnöte) liegt höher als im Zweiten Weltkrieg, die Zahl der durch den Dreißigjährigen Krieg Entwurzelten und seine materiellen Zerstörungen sind ebenso groß, die von ihm ausgelöste kulturelle und wirtschaftliche Erschütterung hält sogar wesentlich länger an.

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2008, 12:40 Uhr