Geschichte und Legenden Das Buchenwald-Denkmal

Es ist eine der bekanntesten Plastiken der DDR: Das Buchenwald-Mahnmal von Fritz Cremer. 1958 wurde der Bronzeguss aus Lauchhammer feierlich in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte bei Weimar eingeweiht. Seitdem ist die Figurengruppe aus der weitläufigen Gedenkstätte nicht mehr wegzudenken. Funktionäre, Jugendweihe-Teilnehmer und ehemalige Häftlinge pilgerten über Jahrzehnte zu ihr, um den Antifaschismus als Gründungsdoktrin der DDR mit Massenaufmärschen zu beschwören.

Die Figurengruppe des Buchenwald-Denkmals, auf dem Ettersberg in Weimar (Thüringen).
Das Buchenwald-Denkmal von Fritz Cremer vor dem Glockenturm Bildrechte: dpa

Die Plastik

Die Plastik besteht aus einer Gruppe von elf Bronzefiguren, die KZ-Häftlinge darstellen: Kahle Schädel, zerlumpte Kleidung, ausgemergelte Körper. Sie schauen alle über den Betrachter hinweg - mit festem Blick in dieselbe Richtung. Am linken Rand der Gruppe steht ein Kind. Rechts daneben ein Fahnenträger. Neben ihm tritt ein mit einem Gewehr bewaffneter Häftling nach vorn. Daneben streckt ein Häftling seine rechte Hand in einer Siegerpose zum Schwur empor. Vor ihm bricht ein Häftling in einer Pose zusammen. Der Stürzende reißt beide Arme mit geballten Fäusten nach oben. Rechts von ihm stehen sechs weitere Häftlinge, bewaffnet und unbewaffnet, zweifelnd und diskutierend. Das Denkmal erinnert augenscheinlich nur an die politischen bzw. kommunistischen Häftlinge des Konzentrationslagers. In der Gruppe sind keine wehrlosen Opfer, sondern heroische Sieger dargestellt. Die von den Nationalsozialisten rassistisch verfolgten Juden, Roma oder Homosexuellen tauchen so nicht auf.

Die Buchenwald-Plastik ist in die weitläufige Gedenkstätte auf dem Ettersberg fest integriert. Sie steht am Ende einer langen Treppe, die von den Massengräbern hinauf zum Glockenturm mit der ewigen Flamme führt. Die Häftlinge blicken über die Treppe und die Massengräber weit nach Süden ins Weimarer Land. Die Anordnung ist ganz auf die Besucher zugeschnitten, die von den Massengräbern zum Glockenturm hinaufsteigen. Der Betrachter steigt von den Toten über die lange Treppe zu den Kämpfenden und Überlebenden hinauf. Dabei wird die Plastik im Idealfall von der Sonne angestrahlt. Hinter den Häftlingen ragt der Glockenturm steil in die Höhe. Das Bauwerk erinnert an die 56.000 KZ-Toten und an den Schwur der überlebenden Häftlinge, den Faschismus "mit seinen Wurzeln" auszurotten. Der Turm wurde aus Steinen errichtet, die für das von den Nationalsozialisten geplante Weimarer "Gauforum" gedacht waren. Das Forum in der Klassikerstadt sollte das politische Zentrum des Gaues Thüringen werden.

Die Legende

Das Buchenwald-Mahnmal thematisiert zwei Legenden: Dargestellt wird die Selbstbefreiung der Häftlinge. Tatsächlich war das Gros der SS-Wachmannschaften im April 1945 bereits vor den heranrückenden Amerikanern geflohen, so dass die Häftlinge das Lager den US-Streitkräften übergeben konnten. Die zweite Legende dreht sich um das Kind am linken Rand der Figuren-Gruppe. Die Geschichte des jüdischen Jungen, der von den Häftlingen gerettet wird, erzählt der Schriftsteller und ehemalige Buchenwald-Häftling Bruno Apitz in seinem Roman "Nackt unter Wölfen": Selbstlose Kommunisten organisieren die Rettung des Kindes und bereiten gleichzeitig den Aufstand im Lager vor. Der Roman erschien 1958 und gehörte seitdem zum Lehrplan an allen DDR-Schulen. Bereits vier Jahre nach der Veröffentlichung wurde "Nackt unter Wölfen" in der Regie von Frank Beyer verfilmt. Der antifaschistische Widerstand der Buchenwald-Häftlinge wird darin zum Gründungsmythos der DDR verklärt.

Die Entstehung

Bereits 1954 hatte Fritz Cremer den Auftrag bekommen, ein Denkmal für die Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald zu schaffen. Dass erst neun Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches über ein solches Denkmal nachgedacht wurde, hatte den Grund, dass auf dem Gelände des ehemaligen KZ das so genannte Speziallager 2 des NKWD eingerichtet worden war. Interniert werden sollten dort Nazifunktionäre, schließlich landeten aber auch Menschen dort, die denunziert wurden oder politisch missliebig waren.

Zwei Entwürfe des Künstlers hatten die SED-Oberen abgelehnt. Darin kamen weder Waffen- noch Fahnenträger vor. Als der dritte Entwurf 1956 gebilligt wurde, war das Projekt schon im Zeitverzug. Deshalb wurden zur Einweihung des Glockenturms im September 1958 provisorisch bronzierte Gipsfiguren auf den fertigen Sockel gestellt. Die Bronzefiguren - darunter der Junge, Fahnenträger, Kämpfender, Stürzender, Diskutierender und Zweifler - kamen erst im Sommer 1959 an ihren endgültigen Platz und sind seitdem Symbol für die Opfer und Toten das KZ Buchenwald. Es handelte sich um das erste deutsche Denkmal für die Opfer des Faschismus. 2005 wurde es nach drei Jahren der Restaurierung wieder übergeben.