Porträt Felix Mendelssohn Bartholdy

(1809-1847)

Felix Mendelssohn Bartholdy entstammt einem politisch liberalen, geistig und künstlerisch aufgeschlossenen Elternhaus, in dem wichtige Personen des Berliner kulturellen Lebens wie Heinrich Heine, Bettina von Arnim, Hegel, Wilhelm von Humboldt und Ludwig Tieck ein und aus gingen.

Er wurde am 03. Februar 1809 in Hamburg geboren. Schon in früher Jugend zeigte sich die musikalische Begabung des Jungen: Mit gerade sieben Jahren erhielt er von dem Pianisten Ludwig Berger seinen ersten Klavierunterricht.

Mit neun Jahren trat er als Pianist erstmals öffentlich auf und als Elfjähriger wurde er Mitglied in Carl Friedrich Zelters Singakademie in Berlin. Erste eigene Kompositionen präsentierte Felix bei den Sonntagskonzerten, die seit 1822 regelmäßig unter Mitwirkung eines kleinen Orchesters in seinem Elternhaus stattfanden. Heinrich Heine lobte derzeit seine Fähigkeiten und sprach von ihm als einem "musikalischen Wunder". Mit siebzehn komponierte Felix die Ouvertüre zu Shakespeares "Sommernachtstraum", die 1827 in Stettin uraufgeführt wurde.

Der Abraham hatte mit Lea gezeugt ein Bübchen, Felix heißt er, der brachte es weit im Christentum, ist schon Kapellenmeister."

Heinrich Heine über Mendelssohn in "Deutschland ein Wintermärchen"

Dabei geht seine Entwicklung weniger auf eine ehrgeizig-disziplinierte väterliche musikalische Förderung zurück wie etwa beim "Wunderkind" Mozart. Felix' Vater Abraham Mendelssohn versuchte eher, das klassisch humanistische Bildungsideal seiner Zeit als Maßstab anzusetzen - Felix also eine musikalische Ausbildung im Einklang mit einem breiten wissenschaftlichen Wissen angedeihen zu lassen.

Zu Besuch bei Maestro Cherubini in Paris

Trotz eindeutiger Begeisterungsbekundungen von Goethe, Zelter und dem Pianisten und Komponisten Ignaz Moscheles, hatte Vater Abraham Mendelssohn Zweifel, ob Felix auf seine Begabung bauen kann. Das endgültige Urteil sprach der italienische Maestro Luigi Cherubini 1825 in Paris: Nach der Aufführung von Felix "Klavierquintett h-moll" bescheinigte er ihm ein außergewöhnliches Talent.

Mendelssohn als Begründer der Bach-Pflege

Felix Mendelssohn war der erste, der auf die Idee kam, Werke alter Meister wieder aufzuführen. Gegen den Widerstand seines Lehrers Zelter setzte er eine Wiederaufführung der "Matthäus-Passion" von Johann Sebastian Bach durch. Sie wurde ein triumphaler Erfolg und begründete im März 1829 die moderne Bach-Pflege. Seit Bachs Tod 1750 war das Werk bis dahin nicht wieder aufgeführt worden.

Erkundung der Fremde

Im April 1829 verließ Felix Berlin und die Geborgenheit des Elternhauses. Sein Reiseziel war England. Alte Freunde nahmen ihn in London zunächst unter die Fittiche, doch schon nach wenigen Wochen berichtete er, dass vielmehr seine eigene Musik als damals übliche Empfehlungsschreiben für neue Bekanntschaften sorgte. Er sammelte Eindrücke in Schottland und Wales, lernte die Licht- und Schattenseiten der industriellen Revolution kennen.

Die große Erfahrung der Fremde erfuhr Mendelssohn auf seiner dreijährigen Weltreise von Mai 1830 bis Juni 1832. In Italien traf er Hector Berlioz, den Maler Horace Vernet und den polnischen Dichter Adam Mickiewicz. Von der einst blühenden Musikkultur des Landes zeigte er sich enttäuscht. Auf seinen Streifzügen durch den Süden des Landes folgte er beispielhaft den Spuren Goethes und seiner "Italienischen Reise". Seine weiteren Reiseziele waren München, Paris, London.

Das "Berlin-Trauma" und die Zwischenstation Düsseldorf

Nach dem Tod Zelters wurde ein neuer Leiter der Berliner Singakademie gesucht. Mendelssohn hatte sich von seiner Familie zu einer Kandidatur drängen lassen, seine Chancen schätzte er als gering ein. So kam es auch: Bei der Wahl im Januar 1833 unterlag der erst 23-jährige "Judenjunge" dem Kirchenmusiker Carl Friedrich Rungenhagen. Aus Briefen ist zu erfahren, dass er über diese Unterlegenheit lange Bitterkeit verspürte.

In Düsseldorf warteten neue Herausforderungen: Er folgte der ehrvollen Einladung in die Rheinstadt, das Niederrheinische Musikfest zu dirigieren. Noch vor dem Musikfest nahm er den Vertrag als Städtischer Musikdirektor an. In seinen Aufgabenbereich fiel auch die Leitung der Kirchenmusik. Oper, Konzert und Kirchenmusik nahmen unter der Federführung des jungen Direktors Aufschwung. Doch das Theaterwesen mit seinen Intrigen und Klatsch sowie der Streit mit dem Theaterintendanten Carl Immermann wurden ihm auf Dauer leid und er zog sich von der Bühnenarbeit zurück. Im Frühjahr 1835 hatte sich Mendelssohn entschlossen, als Musikdirektor zurückzutreten.

Ruf nach Leipzig

1835 verlagerte sich das Zentrum seines Wirkens nach Mitteldeutschland. Er folgte dem Ruf ans Leipziger Gewandhaus, wo er bis zu seinem frühen Tod im Jahre 1847 als Musikdirektor tätig war. Dank seiner umfassenden Bildung, seiner Dirigierbegabung und seines kompositorischen Werkes wurde Mendelssohn schnell zum Mittelpunkt des kulturellen Lebens in Leipzig, das sich durch sein Bemühen wiederum in wenigen Jahren zu einem Musikzentrum von internationalem Rang entwickelte.

Die rund 45.000 Einwohner zählende Messestadt zeigte sich aufklärerisch-aufstrebend und räumte der Musik einen hohen Stellenwert ein. Die Konzerte erfreuten sich so großer Beliebtheit, das Publikum zeigte sich begeisterungsfreudig. So sollen bei großem Andrang sogar die Seitentüren zu den Vorsälen geöffnet worden seien.

Am meisten Zeit kostete ihn eigentlich seine Korrespondenz.

Mendelssohns Freund Ferdinand Hiller (Mendelssohn schrieb in seinem Leben ca. 7.000 Briefe)

Das Konzertangebot im Gewandhaus streute Mendelssohn breit, allerdings lehnte er die zeitgenössische italienische Oper strikt ab und bevorzugte Werke der Wiener Klassik. Dem Leipziger Publikum versuchte er zeitgenössische Musik von Robert Schumann, Ignaz Moscheles oder Ferdinand David oder Niels V. Gade näher zu bringen. Aber auch Liszt und Berlioz setzte er losgelöst von seinen persönlichen Vorbehalten auf das Programm.

Sein besonderer Verdienst liegt jedoch in der Wiederbelebung von unbekannten Werken Bachs, Händels, Glucks, Haydns und Mozarts - in den "Historischen Konzerten", angeregt durch die Londoner "Ancient Concerts". Ihm gelang es, namhafte Sänger und Musiker seiner Zeit zu verpflichten, darunter

Auch persönlich trat er als virtuoser Pianist und Organist auf. Bekannte Kompositionen aus seinem bis heute noch nicht voll überschaubaren Gesamtwerk sind die "Lieder ohne Worte", die "Schottische Sinfonie", die "Reformationssinfonie" und das Oratorium "Paulus".

Gründung des ersten deutschen Konservatoriums

Aber Mendelssohn sonnte sich nicht in seinem gegenwärtigen Ruhm, sondern dachte auch an die Zukunft. Mit viel Energie betrieb er seit 1839 die Gründung eines Leipziger Konservatoriums, um systematisch Nachwuchs fördern zu können. Sein Einsatz hatte Erfolg: Am 2. April 1843 wurde das erste Institut dieser Art auf deutschem Boden in Leipzig eröffnet. Für die Musikausbildung verantwortlich waren u.a. Thomaskantor Moritz Hauptmann und Robert Schumann. Die Bemühungen, den Bereich der musikalischen Ausbildung neu zu strukturieren, strahlten auch auf später gegründete Konservatorien aus.

Jahre in Berlin

Im Sommer 1841 ließ sich Mendelssohn für den kunstinteressierten König Friedrich Wilhelm IV. verpflichten. Er zog mit Zweifeln nach Berlin: Seine Leipziger Wohnung wie auch das Amt des Gewandhauskapellmeisters behielt er. Wie befürchtet scheiterten einige Vorhaben an der staatlichen Bürokratie und auch seine Aufführungen fanden nicht die erhoffte Resonanz. Im August 1845 kehrte Mendelssohn endgültig nach Leipzig zurück.

Früher Tod

Im Mai 1847 starb Fanny, Mendelssohns ältere Schwester. Ihr Tod traf ihn hart. Sie war seine Vertraute und Beraterin in kompositorischen Belangen. Mendelssohn, voller Trauer und gesundheitlich angeschlagen, verrichtete nur noch "mechanische" Arbeiten. Er stellte sich Sinnfragen und wirkte bis auf das Requiem für seine Schwester (Streichquartett f-moll op.80) in seinem Schaffensdrang erschöpft.

Nach einem schweren Hirnschlag starb Felix Mendelssohn Bartholdy am 4. November 1847 in Leipzig. Als Pianist und Dirigent galt er als eine der glänzendsten Erscheinungen seiner Zeit. Sein Grab befindet sich auf dem Dreifaltigkeits-Friedhof in Berlin.

Er ist der Mozart des 19. Jahrhunderts, der hellste Musiker, der die Widersprüche der Zeit am klarsten durchschaut und zuerst versöhnt.

Robert Schumann

Zuletzt aktualisiert: 22. September 2010, 14:06 Uhr