Biographie Fritz Sauckel

(1894-1946)

Als einziges Kind einer Näherin und eines Postbeamten kam Fritz Sauckel am 27. Oktober 1894 im unterfränkischen Haßfurt auf die Welt. Ohne Abschluss verließ er 15jährig die Schule, um als Matrose und Kajütenjunge um die Welt zu fahren. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges, Sauckel war gerade mit einem deutschen Schiff nach Australien unterwegs, setzten ihn die Franzosen in einem Zivilinternierungslager gefangen. In der fünfjährigen Gefangenschaft begann sich der junge Sauckel für Politik zu interessieren und trat nach seiner Rückkehr dem antisemitischen "Schutz- und Trutzbund" bei.

Er arbeitete als Hilfsarbeiter in einer Fabrik und lebte in sehr ärmlichen Verhältnissen. Sein Weltbild verfestigte sich zusehends. Die gesellschaftliche Reaktion auf die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der als Schmach empfundene Versailler Vertrag verwuchsen bei Sauckel mit einem Gefühl der persönlichen Niederlage und Demütigung. Das ebnete seinen Weg zum deutschvölkischen Rassismus und Antisemitismus. Sauckel brachte zudem weitere Voraussetzungen für seine spätere Laufbahn mit: Stets bereit, sich einer Autorität bedenkenlos unterzuordnen war er gewöhnt Befehlen zu folgen.

1922 kam Sauckel nach Thüringen und trat der SA bei. Ein Auftritt Hitlers, den er im folgenden Jahr erlebte, beeindruckte ihn derart, dass er sich der NSDAP anschloss. Wenig später heiratete er seine Jugendliebe Elisabeth Wetzel. Noch im gleichen Jahr kam das erste ihrer zehn Kinder zur Welt.

In den zwanziger Jahren stieg Sauckel in der Parteihierarchie stetig nach oben und avancierte 1925 zum Gaugeschäftsführer Thüringens. Seit 1927 war Sauckel schließlich Gauleiter. Weniger seine intellektuelle Fähigkeiten, die eher unzureichend waren, als sein Pragmatismus, seine Entscheidungsfreudigkeit und nicht zuletzt seine unterwürfige und absolut ergebene Haltung gegenüber Hitler hatten diesen Aufstieg möglich gemacht.

1929 zog Sauckel mit seiner Partei ins thüringische Parlament ein. Seit 1932 fungierte er als Ministerpräsident und Innenminister Thüringens. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler belohnte dieser Sauckel im Mai mit der Ernennung zum Reichsstatthalter und im November mit einem Reichstagsmandat. Sauckels Wirken in der Mitte der dreißiger Jahre war untrennbar mit der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar verbunden. Deportierte man anfangs hauptsächlich politische Gegner des nationalsozialistischen Regimes in das Lager auf dem Ettersberg, kamen später immer mehr Juden, Sinti und Roma sowie behinderte Menschen hier her. Mehr als 56.000 Menschen brachten die Nazis bis zum Kriegsende in diesem Lager ums Leben.

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges stieg Sauckel zum "Reichsverteidigungskommissar" auf. Wenig später ernannte man ihn zum "Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz". Im Rahmen seiner Tätigkeit ließ Sauckel über fünf Millionen Menschen aus den besetzten Gebieten, vor allem aus Polen und Russland, nach Deutschland deportieren. Häufig unter Gewaltandrohung und unter unwürdigen Umständen nach Deutschland gebracht, wurden diese Menschen dort systematisch für die Kriegs- und Zivilproduktion ausgebeutet.

Für die Deportation von über 5 Millionen Menschen nach Deutschland zeichnete Sauckel demnach verantwortlich. Dabei organisierte er den menschlichen Nachschub für die deutsche Wirtschaft mit brutalem Eifer und im Bewusstsein, "minderwertige Rassen" für den Sieg des Vaterlandes rechtmäßig zu benutzen. Der Einsatz der zahlreichen ausländischen Arbeiter konnte zwar den Krieg verlängern, verhinderte letztlich aber die Niederlage Deutschlands nicht.

Nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands versteckte sich Sauckel zunächst, stellt sich aber bald den amerikanischen Behörden. Während dieser Zeit entdeckte Sauckel seinen Glauben wieder und stellte später bei seinem Prozess fest, dass der größte Fehler des Nationalsozialismus die "Entfremdung" vom Christentum gewesen sei. Nach längerem Gefängnisaufenthalt kam er schließlich gemeinsam mit weiteren Nazigrößen 1945 in Nürnberg vor das Kriegsverbrechertribunal, wo man ihn wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit anklagte. Im Prozess wurden das Ausmaß der Zwangsarbeit und das Leid der Opfer deutlich. So als man beispielsweise einem Film über die Gräuel in den Konzentrations- und Vernichtungslagern zeigte.

Sauckel selbst wies allerdings sämtliche Schuld von sich und gab vor, von den zahlreichen Todesopfern und der bestialischen Behandlung der Zwangsarbeiter nichts gewusst zu haben. In seiner Verteidigungsrede beteuerte er, immer nach christlichen Prinzipien gehandelt zu haben, verteidigte seinen "Führer" und bezeichnete Goebbels und Eichmann als die Schuldigen an den blutigen "Entgleisungen" des Nationalsozialismus. Das Gericht verurteilte ihn aufgrund der eindeutigen Beweislage und der Schwere der Schuld zum Tode durch den Strang. R. Jackson, der amerikanischer Hauptankläger hatte ihn als den
"größten und grausamsten Sklavenhalter seit den ägyptischen Pharaonen" bezeichnet.

Am 16. Oktober 1946 trat Fritz Sauckel mit den Worten "Gott helfe Deutschland und mache es wieder groß! Gott möge meine Familie schützen!" in Nürnberg von der Bühne der Geschichte ab.

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2005, 16:14 Uhr