Kathleen Köhler mit Mitbewohnerinnen im Wohnheim
Bildrechte: Kathleen Köhler

Bildungsaustausch Zum Studium nach Kuba

Der Austausch zwischen Kuba und der DDR vollzog sich auch im Bildungsbereich. Kubaner kamen zum Studium in die DDR, DDR Bürger studierten an den Universitäten der Karibikinsel. Eine von ihnen war Kathleen Köhler aus Berlin. Hier berichtet sie von ihren Erinnerungen.

von Kathleen Köhler

Kathleen Köhler mit Mitbewohnerinnen im Wohnheim
Bildrechte: Kathleen Köhler

Ich war 1987 als Doktorandin an der Universität Havanna, gemeinsam mit anderen DDR-Forschungsstudenten. Ein Jahr sollte mein Aufenthalt dauern. Als wir nach aufregendem Flug über Kanada und Neufundland auf dem Jose Marti-Flughafen in Havanna ankamen, waren wir erstmal platt: vom langen Flug, von der auch am Abend noch drückenden Schwüle und der Musik, die überall in der Luft lag. Das Internat, in dem wir untergebracht wurden, befand sich außerhalb des Zentrums – und Busse fuhren schon damals äußerst unplanmäßig.

Zimmer ohne Türen

Das ganze Wohnheim-Ambiente war ernüchternd, obwohl man uns Ausländern schon das Beste vom Besten bot. Es gab statt Glasfenster nur Holzlamellen, die Luft ins Zimmer ließen, es aber auch entsprechend dunkel machten. An Klimaanlagen war nicht zu denken. Dazu hatte man gleich noch an den Türen gespart. Offene Räume sorgten für Zugluft und wenig Privatsphäre. Auch unsere Toilette hatte schon lange keine Tür mehr. Die Kubanerinnen schien das wenig zu stören, aber ich konnte mich daran nicht gewöhnen und versuchte, irgendwo ein Stück Stoff für einen Vorhang aufzutreiben. Ich schrieb sogar nach Hause und bat, mir einen Vorhang zu schicken. Das dort sofort aufgegebene Päckchen kam ein halbes Jahr nach meiner Rückkehr wieder in Berlin an mit der Bemerkung: Adressat verzogen.

Ich teilte das "Apartment" mit einer Kolumbianerin und einer Mosambikanerin. Die Kubaner waren zu zwölft in einer Unterkunft derselben Größe. Auch sonst hatten wir Ausländer im Vergleich zu den Kubanern viele Vorteile. Wir konnten von unserem Stipendium in den sogenannten Diplomatenläden einkaufen. Dort gab es keinen Luxus, aber wenigstens etwas mehr als in den kubanischen Geschäften. In diesen Momenten bemerkten wir, wie geradezu luxuriös die Versorgungslage in der DDR im Vergleich zu Kuba war.