Damals und heute - Die Arena des 1. FC Magdeburg Das "Ernst-Grube-Stadion"

Das Ernst-Grube-Stadion war die Spielstätte des FC Magdeburg, einer der erfolgreichsten Mannschaften der DDR. 2004 wurde es abgerissen und eine neue, länderspieltaugliche Arena errichtet.

Das Ernst-Grube-Stadion in Magdeburg 1999 und der Neubau in einer Augnahme von 2006
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Zum Richtfest des neuen Magdeburger Fußballstadions im Frühjahr 2006 war auch Trainerlegende Heinz Krügel gekommen. "Das ist heute wie ein Feiertag", sagte der damals 85-Jährige gerührt. "Allerdings müssen wir auch eine Mannschaft besitzen, die in der Perspektive Erfolge hat wie die 74er-Mannschaft."

Europapokalsieger aus Ostdeutschland

Erst-Grube-Stadion, 1990
Das Ernst-Grube-Stadion in Magdeburg, 1990 Bildrechte: IMAGO

Die Mannschaft des Jahres 1974: Im Endspiel des Europapokals hatte der 1. FC Magdeburg den hoch favorisierten AC Mailand mit 2:0 besiegt. "Ostdeutsche Ballzauberer knacken den Mailänder Catenaccio", hieß es in der internationalen Presse. Die Namen der neuen Superstars: Sparwasser, Hoffmann, Pommerenke, Seguin ... Zwei Jahre später wurde Heinz Krügel entlassen, nachdem er sich geweigert hatte, die Kabinen der Spieler von Bayern München bei einem Europapokalspiel im Ernst-Grube-Stadion verwanzen zu lassen. Offizielle Begründung des DDR-Fußballverbands: Seine Trainingsmethoden seien veraltet.

Absturz in die Regionalliga

Dreimal war Magdeburg unter Krügel DDR-Meister geworden, dreimal Pokalsieger und als einzige Mannschaft der DDR überhaupt Europapokalsieger. Mit Krügels Abberufung ging eine Ära zu Ende. 1990 verschwand der Verein in der NOFV-Oberliga. Nur noch die treuesten Fans besuchten die Spiele im heimischen Ernst-Grube-Stadion. Trotz der wenig überzeugenden Leistungen der Magdeburger Kicker wurde 2004 damit begonnen, das altehrwürdige Ernst-Grube-Stadion abzureißen, das 1955 aus den Trümmern der Magdeburger Innenstadt erbaut worden war.

Ein länderspieltaugliches Stadion

"Mit dem abgerissenen Ernst-Grube-Stadion verbinde ich gute Erinnerungen an viele Europacupspiele", sagte Dirk Heyne, einst Torwart des 1. FC Magdeburg und später einer der Trainer des Clubs. "Aber ich freue mich unheimlich auf das neue Stadion und wir werden uns nach und nach daran gewöhnen."

Luftaufnahme der MDCC Arena in Magdeburg
Die MDCC-Arena in Magdeburg, 2016 Bildrechte: IMAGO

2006 war das neue "Stadion Magdeburg" schließlich fertiggestellt – die einzige länderspieltaugliche Spielstätte in Sachsen-Anhalt. Das Stadion ist überdacht und hat eine Rasenheizung, zwei Videowände sowie einen VIP-Bereich mit Bar und 15 Logen. Über den Logen befindet sich die Galerie für die Reporter mit 36 voll digitalisierten Arbeitsplätzen mit Telefonen und Internetzugang. Die Hoffnung der Betreiber, dass Magdeburg als Spielort für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland ausgewählt würde, erfüllte sich allerdings nicht. Bislang spielte hier lediglich die Frauenfußball-Nationalmannschaft, und bei der U 17-EM 2009 wurde unter anderem das Finale ausgetragen.

"Rechtswidrige" Finanzierung

Das neue Stadion kostete stolze 31 Millionen Euro, die sich die Stadt Magdeburg als Eigentümer und der Baukonzern Hochtief teilten. Die Stadt verpflichtete sich ferner, die laufenden Betriebskosten zu tragen und eine Bürgschaft für den Baukostenanteil von Hochtief zu übernehmen. Der Landesrechnungshof übte damals scharfe Kritik: Angesichts der hohen Verschuldung der Stadt sei die Finanzierung eines Stadionneubaus geradezu "rechtswidrig". Auch in der Bevölkerung gab es nur wenig Verständnis dafür, Millionen an Steuergeldern für ein Stadion auszugeben, in dem eine Regionalligatruppe ihre Punktspiele austragen würde. Allerdings gab es auch eine Unterschriftensammlung von 36.000 Befürwortern des Stadionbaus. "Die Proteste waren heftig, schließlich gibt es nicht nur Fußballfans", erinnert sich der Oberbürgermeister der Elbestadt, Lutz Trümper. Seinen Kritikern entgegnete Trümper, dass der 1. FC Magdeburg in ein paar Jahren hoffentlich in der 2. Bundesliga spielen wird. Und dann würde sich der Stadionneubau auch rentieren.

Keine Garantie für "besseren Fußball"

"Mittelfristig muss natürlich der Profifußball her. Da brauchen wir nicht drum herum zu reden", wusste auch Bernd Hoffmann, damals Manager des 1. FC Magdeburg. Aber dort ist der Traditionsclub noch nicht angekommen. Er spielt nach wie vor in der Regionalliga und zu den Heimspielen kommen nach wie vor immerhin bis zu 8.000 Zuschauer - dennoch, eine trostlose Kulisse in der für knapp 30.000 Zuschauer ausgelegten Arena. "Das neue Stadion ist die Voraussetzung für die Rückkehr in den bezahlten Fußball und tut der gesamten Region gut", sagte Joachim Streich, Mittelstürmer der legendären Magdeburger Elf der 1970er-Jahre, bei der Einweihung des neuen Stadions. "Eine Garantie für besseren Fußball ist es allerdings nicht."

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2014, 14:10 Uhr