Biografie Hilde Benjamin

(1902-1989)

Sie wirkte mit an den berüchtigten Waldheimer Prozessen, setzte in der DDR aber auch Akzente im Familienrecht, trat für die Gleichberechtigung ein und bewirkte eine Liberalisierung des Paragrafen 218. Hier die ausführliche Biografie der Tochter aus gutbürgerlichem Hause, die man erst "roten Hilde" nannte und dann "Guillotine" schimpfte.

Bilder aus ihrem Leben
Hilde Benjamin war eine der ersten Juristinnen in Deutschland. Bildrechte: Marianne Brentzel

In Bernburg an der Saale kam Hilde Lange am 5. Februar 1902 zur Welt. Sie wuchs mit ihren beiden jüngeren Geschwistern in einem evangelischen, humanistisch-liberalen Elternhaus auf. Ihr Vater Walter war kaufmännischer Angestellter, der sich 1904 nach Berlin versetzen ließ.

Nach dem Besuch des Auguste-Viktoria-Lyzeums in Berlin-Steglitz und Kontakten zur eher unpolitischen Wandervogel-Bewegung seit 1916 sympathisierte Hilde schließlich mehr und mehr mit sozialistischen und kommunistischen Ideen.

Eine Tochter aus gutbürgerlichem Hause

Bilder aus ihrem Leben
Hilde Benjamin (m.) mit Mutter und Geschwistern um 1908 Bildrechte: Marianne Brentzel

Die Ermordung Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs im Januar 1919 wurde schließlich - zumindest ihrer eigenen Aussage nach - zum entscheidenden Ereignis für ihren Entschluss, sich immer aktiver für die Politik zu interessieren. Ihr fehlender "proletarischer Stallgeruch" und der Makel einer Herkunft aus einer bürgerlichen Schicht waren dabei offenbar ein wichtiger Grund für ihre spätere stramme politische Haltung.

Als junge Anwältin im Wedding

Während ihres selbstfinanzierten Studiums der Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg und Hamburg 1921 bis 1924 trat Hilde Benjamin dem Sozialistischen Studentenbund bei und gehörte seit 1927, nach kurzer Mitgliedschaft in der SPD, der KPD an. Während ihrer Studienzeit lernte sie Russisch, was sich später als großer Vorteil erweisen sollte. Um 1925 lernte sie in Berlin den sieben Jahre älteren, aus einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie stammenden Arzt Georg Benjamin kennen, den Bruder des Philosophen, Kunstkritikers und Essayisten Walter Benjamin. Die äußerliche Ähnlichkeit der Brüder ist frappierend. - Im Februar 1926 heirateten Georg und Hilde.

Gerade 27-jährig eröffnete Hilde Benjamin im April 1929 ihre eigene Rechtsanwaltskanzlei in Berlin-Wedding, die recht schnell anwuchs. Einen ersten großen Auftritt vor Gericht hatte sie 1930 als Verteidigerin im Horst-Wessel-Prozess. Für den Tod des SA-Mannes waren KPD-nahe Arbeiter verantwortlich gemacht worden. Auch danach übernahm sie, oft kostenlos, die Verteidigung entlassener Kommunisten, nahm in öffentlichen Versammlungen zu Fragen des Arbeitsrechts, des Strafvollzugs und des Paragraphen 218 (Schwangerschaftsabbruch) Stellung und hielt als Dozentin Vorträge an der "Marxistischen Arbeiterschule".

Machtübernahme durch die Nazis - Alles ändert sich

Georg Benjamin mit seinem Sohn Michael
Georg Benjamin mit Sohn Michael Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit ihrem Mann, der Anfang 1930 seinen Posten als Schularzt verlor, teilte sie das Interesse für Kunst, Kultur und Reisen, ordnete ihr persönliches Leben aber zunehmend den Anforderungen der Kommunistischen Partei unter.

Nachdem ihr erstes Kind 1931 wenige Tage nach der Geburt gestorben war, kam im Dezember 1932 Sohn Michael zur Welt.

Bilder aus ihrem Leben
Hilde Benjamin mit Mischa Bildrechte: Marianne Brentzel

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten wirkte sich unmittelbar auf das Leben der jungen Familie aus.

Hilde Benjamin erhielt Berufsverbot, ihr Mann Georg musste seine Arztpraxis schließen, wurde 1936 verhaftet und sechs Jahre später im KZ Mauthausen ermordet. Hilde Benjamin selbst lebte ab 1939 im Haus ihrer Eltern in Berlin-Steglitz und hielt sich mit verschiedenen Tätigkeiten über Wasser.