Bischofferode - Zeitzeugen erinnern sich Günter Henkel: Legte sich für eine effizientere Kaligrube ins Zeug

Der Bergmann wird 1990 Grubenbetriebsführer und ist sich bis heute sicher, dass die Grube auch in der Marktwirtschaft gute Chancen gehabt hätte. Dass sie trotzdem geschlossen wurde, ist für Günter Henkel immer noch schwer zu ertragen.

Portraitbilder von Günter Henkel - Bischofferode
Bischofferode war "seine" Grube" - Günter Henkel Bildrechte: MDR / Hoferichter & Jacobs

Günter Henkel ist 16 Jahre alt, als er in "seine" Grube, die Grube Bischofferode, kommt. Zu dieser Zeit, Ende der 1960er-Jahre, war der Kalibergbau in der Region im Eichsfeld von großer Bedeutung. Seit man in den frühen 1890er-Jahren die dortigen Kalivorkommen erschlossen hatte, entwickelte sich das Bergwerk zum wichtigsten Arbeitgeber der Region.

Günter Henkel ist Bergmann durch und durch. Nach der Ausbildung im Werk geht er zum Studium an die Fachhochschule in Senftenberg. 1990, zwei Monate nach dem Mauerfall, wird er in Bischofferode schließlich Grubenbetriebsführer. 56 Quadratkilometer Abbaugebiet muss er beaufsichtigen, er ist verantwortlich für die Planung der Schichten, die Technikplanung, die Instandhaltung der Anlagen und vieles mehr.

Keine Angst vor der Zukunft

Das Bischofferöder Kalisalz wird im weltweiten Handel für seine gleichbleibend hohe Güte geschätzt. Darauf ist Günter Henkel stolz – bis heute. Auch dieser Umstand macht es für ihn unverständlich, warum nach der deutschen Einheit der ostdeutsche Kalimarkt neu aufgeteilt und der Abbau von Kalisalz auch in Bischofferode gestoppt werden soll.

Das war ein arbeitsfähiges Bergwerk und wäre es auch weiterhin gewesen, keine Frage. Ansonsten hätten wir nicht den Aufwand betrieben, um hier konkurrenzfähig zu werden.

Günter Henkel ist sehr wohl bewusst, was die Zusammenlegung der Kalimärkte bedeutet: "Nachdem wir 1990 Zugang zu den Kennziffern der westdeutschen Werke in Niedersachsen und Hessen in den Händen hatten, die weitaus besser waren, effizienter waren als unsere, da war uns klar, was getan werden musste." Produktivität steigern, Qualität verbessern, wettbewerbsfähig werden wie die Player aus dem Westen – dafür legt sich Günter Henkel mit den übrigen Kali-Kumpeln ins Zeug.

Die Geschichte im Überblick


Immer noch schwer zu ertragen

Sogar ein Investor findet sich, der das Kaliwerk in Bischofferode 1993 eigenständig weiterführen will. Der niedersächsische Unternehmer Johannes Peine kämpft gemeinsam mit den Bergleuten dafür, dass das Werk nicht wie alle anderen Gruben von der Kali und Salz AG Kassel übernommen wird, sondern unabhängig arbeiten kann. Günter Henkel begleitet ihn im September 1993 nach Brüssel, um die Wettbewerbshüter der EU von der Tragfähigkeit der Idee zu überzeugen. Zu dieser Zeit ist jeder Tag ein Kampftag. Seit dem 7. April halten die Kumpel das Werk besetzt, seit dem 1. Juli befinden sich einige von ihnen im Hungerstreik.

Am Ende können die Bergleute die Übernahme ihrer Grube durch die Kali und Salz AG in Kassel und die anschließende Schließung der Grube nicht verhindern. Heute, 25 Jahre nach dem endgültigen Aus, hängt sein Herz noch immer an seiner ehemaligen Arbeitsstelle. "Jetzt liegt alles hier brach, wie nach einem Bombenangriff. Das ist schwer zu ertragen und sich daran zu gewöhnen. Die Fundamente hätten wahrscheinlich nochmal 100 Jahre gehalten."

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: Bischofferode - Das Treuhand-Trauma | Do, 05.07.2018 | 20:15 Uhr