Industriealltag in Bitterfeld

Jugendbrigade in Aluminiumwerk von Chemiekombinat Bitterfeld
Ein Bild von 1988: Arbeiter beim Frühstück in der Werkshalle vom Aluminiumwerk, das zum Chemiekombinat Bitterfeld gehörte. Bildrechte: dpa
Ein Trabant 601 rollt am Ortseingangsschild von Bitterfeld vorbei
Bitterfeld war für die DDR ein wichtiger Chemiestandort. Schon um 1890 hatten sich in der Region erste kleinere Chemiefabriken angesiedelt. Die Branche wurde mit den beiden Weltkriegen immer größer, ihre Erzeugnisse immer vielfältiger. Bildrechte: IMAGO
Blick auf VEB Chemiekombinat Bitterfeld, 1990.
Wichigstes Kombinat in Bitterfeld in der DDR-Zeit: das Chemiekombinat Bitterfeld, kurz CKB. In den 1980er-Jahren gab es hier 18.500 Beschäftigte. In den Teilbetrieben des Kombinats, die über die gesamte DDR verstreut waren, kamen noch einmal ungefähr 12.000 Beschäftigte dazu. Bildrechte: IMAGO
DDR-Plakat in Industriestandort Bitterfeld
In Bitterfeld wurde vor allem Chlor und PVC produziert, aber auch Aluminium, Farbstoffe und Gipschwefel. "Bedeutender Produzent" stand auf einer der DDR-Werbetafeln. In der Tat: Etwa 80 Prozent aller Industriegüter der DDR waren auf die chemischen Erzeugnisse aus Bitterfeld angewiesen. Bildrechte: IMAGO
Jugendbrigade in Aluminiumwerk von Chemiekombinat Bitterfeld
Ein Bild von 1988: Arbeiter beim Frühstück in der Werkshalle vom Aluminiumwerk, das zum Chemiekombinat Bitterfeld gehörte. Bildrechte: dpa
Waggons mit Kohle - Bitterfeld
Bitterfeld war zugleich ein wichtiger Braunkohle-Lieferant - nicht erst in der DDR. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts war der Rohstoff in der Region abgebaut worden. Die Braunkohle war ausschlaggebend dafür, dass sich chemische Industrie in der Gegend angesiedelt hatte. Bildrechte: IMAGO
Schild Tagebau Goitzsche 1990
"Goitzsche" - das ehemalige Abbaugebiet der Braunkohle in Bitterfeld. Der Name bedeutet so viel wie "Gottes Auge". In den Anfangsjahren der DDR wurde mit der großflächigen Erschließung des Tagebaus begonnen. 1990 waren nahezu 60 Quadratkilometer Landschaft zerstört. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Filmfabrik Wolfen ORWO
Zur Industrieregion zählte auch die Filmfabrik Agfa in Wolfen, die ab den 1960er-Jahren größter Rohfilmproduzent im sozialistischen Wirtschaftsblock war. In dieser Zeit legte man auch den Namen Agfa ab, um sich vom gleichnamigen Unternehmen am westdeutschen Standort Leverkusen zu distanzieren. Stattdessen bekam die Fabrik den Namen ORWO, was für Orginal Wolfen stand. Bildrechte: dpa
Eröffnung einer Schule mit Turnhalle und Gymnastikraum in der Anhalt-Siedlung in Bitterfeld für rund 750 Schüler im Jahr 1964
Noch 1890 zählte Bitterfeld knapp 9.000 Einwohner. Knapp 70 Jahre später waren es mehr als dreimal so viel: knapp 32.000 Einwohner. Die Stadt wuchs, benötigte neue Schulen: Das Bild zeigt eine Schuleröffnung in Bitterfeld 1964, dahinter ist das Chemiekombinat zu sehen. Bildrechte: dpa
Der Bitterfelder Kulturpalast, aufgenommen am 13.10.2004
Ein Kulturpalast im neoklassizistischem Stil für die Werktätigen des Chemiekombinats. Das Bild wurde 2004 aufgenommen - zum 50. Jubuläum. Der Bau entstand in Gemeinschaftsarbeit: Tausende Chemie-Arbeiter bauten in ihrer Freizeit mit, so konnten Baukosten gespart werden. Namhafte DDR-Künstler traten hier auf, darunter Schlagersänger Frank Schöbel, der Komiker Hans-Joachim Preil oder Entertainer Heinz Quermann. Bildrechte: dpa
Die DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann
Im Palast fanden auch die beiden Bitterfelder Konferenzen statt, auf der der sogenannte Bitterfelder Weg beschlossen wurde. Der sah vor, die Kunst unters werktätige Volk zu bringen. Schriftsteller sollten in Fabriken arbeiten, um dort Arbeiter künstlerisch zu fördern. Eine der Verfechterinnen des Bitterfelder Wegs war die Autorin Brigitte Reimann, sie leitete u.a. einen "Zirkel schreibender Arbeiter". Bildrechte: dpa
Arbeiter vor einem völlig verrosteten Anlagenteil in einem Chemiewerk in Wolfen bei Bitterfeld. Dort herrschen verheerende Zustände: Die Anlagen sind verrottet und verrostet, Tanks lecken und Gase strömen unkontrolliert aus (1990)
Die DDR-Wirtschaftsplaner hatten Großes mit dem Chemiekombinat vor: In Bitterfeld sollte eine vielfältige und hochwertige Produktpalette entstehen, um auf Importe aus dem Westen verzichten zu können. In Windeseile wurde der Anlagenpark ausgebaut, auf dem Werksgelände standen bald neben verschlissenen auch hochmoderne Anlagen, die rund um die Uhr in Betrieb waren. Oft aber fehlte die Zeit zur Wartung des Industriekomplexes. Bildrechte: dpa
Ruinen der PVC-Anlage in Bitterfeld nach der Explosion vom 11. Juli 1968.
Es war einer der schwärzesten Tage in der Bitterfelder Geschichte und einer der größten Katastrophen der DDR-Industriegeschichte: Am 11. Juli 1968 kam es im Chemiekombinat zu einer Explosion, weil die veralteten Anlagen nur notdürftig gepflegt und überprüft worden waren. 42 Menschen starben durch die Explosion, rund 200 wurden verletzt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Chemieabfälle auf dem Gelände des VEB Chemiekombinats Bitterfeld
Berichte über den ruinösen Zustand des Kombinats fanden sich nach 1990 auch in den Akten der DDR-Staatssicherheit: Eine Vielzahl von Anlagen war technisch verschlissen, Behälter für brennbare Flüssigkeiten defekt, Rohre hatten längst ihre Lebensdauer überschritten, Abwasser flossen direkt in den Boden. Bildrechte: IMAGO
Eine rauchender Schlot des Braunkohle-Kombinats Bitterfeld (Sachsen-Angalt). Aufnahme vom April 1990
Doch Bitterfeld war Ende der 1980er-Jahre nicht nur das Synonym für eine marode sozialistische Planwirtschaft, sondern auch für starke Umweltverschmutzung. "B.(itterfeld) ist die schmutzigste Stadt Europas", schrieb die Ostberliner Autorin Monika Maron in ihrem Debütroman "Flugasche", der in der DDR nicht veröffentlicht werden durfte. Jährlich wurden durch die Schornsteine der Fabriken rund 52.000 Tonnen Staub und 120.000 Tonnen Schwefeldioxid in die Atmosphäre entlassen. Bildrechte: dpa
Qualm über Industrieanlage von Bitterfeld
Der "Spiegel" schrieb am 8. Januar 1990 über Bitterfeld: "Der Ruß hat die Dächer schwarz gemacht, auf einige Wohnquartiere rieselt jeden Monat ein ganzes Pfund Staub pro Quadratmeter herab. Rostige Rohrleitungen der Chemieindustrie, die das Gebiet kreuz und quer durchziehen, gasen immer mal wieder undefinierbare Dämpfe aus." Bildrechte: IMAGO
Eine Wohnsiedlung in Bitterfeld
Im Grauschleier der Stadt hingen die Bitterfelder ihre frisch gewaschene Wäsche auf. Bildrechte: IMAGO
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