Rituale und Bräuche Warum wir feiern, wie wir feiern

Hand aufs Herz, wie besinnlich war Ihre Adventszeit? Seit Wochen glitzert und blinkt es in den Städten, an Fassaden und Fenstern. Die angezündeten Kerzen des Adventskranzes zeigen, wie die Wochen verfliegen. Woher stammen eigentlich diese Bräuche und Rituale?

Geschmückter Weihnachtsbaum mit Geschenken
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Weihnachtsgeschenke - immer schon zu Heilig Abend?

Martin Luther propagierte 1535 den Brauch, sich am Weihnachtstag im Kreise der Familie zu versammeln, die Geburt des Herrn zu feiern und sich gegenseitig zu beschenken. Die Geschenke wurden dabei seiner Aussage nach "offiziell" vom Christkind höchstselbst gebracht. Damit wollte Luther die Aufmerksamkeit weg von der Heiligenverehrung lenken. Denn bis dato bekamen die Kinder bereits am Nikolaustag, dem 6. Dezember, ihre Geschenke, wie es bis heute zum Beispiel noch in den Niederlanden Brauch ist.

Oh Tannenbaum - warum eigentlich?

Weihnachtlich geschmückter Wihnachtsbaum
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Bereits aus der Antike gibt es Überlieferungen von grünen Bäumen oder Baumteilen als Hausschmuck. Im 16. Jahrhundert tauchen in Europa schriftliche Belege für das vereinzelte Aufstellen geschmückter Bäume zur Weihnachtszeit auf. Aber das allgemeine Brauchtum des Weihnachtsbaums beginnt erst mit dem 18. Jahrhundert. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren Nadelbäume nämlich in mitteleuropäischen Wäldern eher selten und deshalb viel zu teuer für die meisten Leute.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt...

Weihnachtsschmuck
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Das erste Exemplar eines Adventskranzes stammt aus Hamburg, von Johann Hinrich Wichern 1839. Aus einem Wagenrad baute er für die Kinder des "Rauhen Hauses", einem Waisenhaus, einen Adventskranz - mit 24 Kerzen, 20 kleinen weißen und vier roten Kerzen für die Adventssonntage. So konnten die Kinder sehen, wie viele Tage es noch bis Heilig Abend dauerte.

Der erste Adventskalender 1851 stammt aus Süddeutschland. Bei beiden Bräuchen ging es vor allem darum, den Kindern zu verdeutlichen, wie lange es noch bis Weihnachten dauert.

Der Weihnachtsmann mit dem langen weißen Bart...

Ein Weihnachtsmann mit einem Buch
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Der Weihnachtsmann in rot-weiß, mit Bart, Mütze und Geschenkesack kommt vor allem in protestantisch geprägten Gegenden vorbei. Dabei ist er paradoxerweise eine moderne Adaption des Heiligen Nikolaus von Myra, dessen Verehrung Luther gerade abschaffen wollte.

Das geheimnisvolle Christkind

Weihnachtsschmuck
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Bei den Katholiken ist es eher das goldgelockte Christkind, das die Geschenke verteilt. Es soll zwar das Christkind darstellen, wird jedoch meist als Frau und/oder Engel gezeigt - obwohl es immer ungesehen vorbeikommt.

Das Bescherkind in der Lausitz

Bescherkind zu Weihnachten im sorbischen Kindergarten von Rohne/Rowno 2005.
Bescherkind zu Weihnachten im sorbischen Kindergarten. Bildrechte: Jürgen Matschie

In vielen Dörfern der Lausitz in Ostsachsen geht in der Vorweihnachtszeit das Bescherkind um. Im Gegensatz zum Christkind lässt es sich dabei auch sehen: Nach altem Brauch verbirgt sich hinter dem mit einem Schleier oder einer kunstvoll gestickten Gesichtsmaske verborgenen Gesicht das Mädchen des Dorfes, das als erstes im folgenden Jahr heiraten wird. Zusammen mit zwei Begleiterinnen zieht das Bescherkind schweigend von Haus zu Haus und segnet die Menschen, die es dort antrifft, mit einem Rutenschlag. Die Begleiterinnen verteilen Äpfel und Nüsse.

Über dieses Thema berichtete der MDR im: TV | 16.12.2018 | 19.00 Uhr