Chronologie Solidarność - die wichtigsten Daten

Die polnische Gewerkschaft Solidarność war Vorbote des Umbruchs in Polen. Am 17. September 1980 nach sozialen Unruhen offiziell gegründet, 1981 verboten, 1989 Gewinner der Parlamentswahl. Wir haben die wichtigsten Daten zusammengefasst.

Der Auslöser

Am 14. August 1980 wird die Kranführerin Anna Walentynowicz aus der Lenin-Werft in Danzig entlassen, weil sie sich für die Rechte von Arbeitern eingesetzt hat. Zu diesem Zeitpunkt sind unabhängige Organisationen und Gewerkschaften in Polen verboten. Ihre Entlassung war Mitauslöser jener Streiks, die zur Gründung der Gewerkschaft Solidarność führten.

Lech Walesa, Polnische Gewerkschaft Solidarität 1980
Das Foto zeigt Anna Walentynowicz (mitte, mit Brille) und Lech Walesa (auf den Schultern) am 18. Oktober 1980. Bildrechte: dpa

Die Streiks

1980 steckt Polen in einer Wirtschaftskrise. Die Lebensbedingungen vieler Polen werden immer schlechter. Als die Regierung im Sommer auch noch drastische Preissteigerungen für Lebensmittel ankündigt, gehen die Arbeiter auf die Straße. Am 15. August 1980 schließen sich die Arbeiter aus Danzig an und besetzen ihre Werft. Anführer wird der Elektriker Lech Walesa. Neben höheren Löhnen fordert die Werftarbeiter auch, dass Anna ihren Job wiederbekommt.

Das Abkommen

Nach 14 Tagen Streik in der Werft unterzeichnen Vize-Premier Mieczyslaw Jagielski und Lech Walesa am 31. August 1980 das "Danziger Abkommen". Dadurch wird erstmals in einem sozialistischen Land eine unabhängige Gewerkschaft zugelassen. Die Solidarność darf streiken und bekommt Zugang zu den Massenmedien. In den folgenden Jahren treten fast 10 Millionen Polen der unabhängigen Gewerkschaft bei, mehr als die Hälfte der polnischen Arbeitnehmer. Das Abkommen gilt in der Retrospektive als Anfang des Endes des Kommunismus.

Der erste Kongress

Am 5. September 1981 veranstaltet die Gewerkschaft Solidarność (dt.: Solidarität) ihren ersten Nationalkongress. Lech Walesa wird knapp in seinem Amt als Gewerkschaftsführer bestätigt, denn inzwischen gibt es in der Gewerkschaft zwei Lager. Ein gemäßigtes, an dessen Spitze Walesa steht und ein eher national-konservatives, das mehr in die Offensive gehen will.

Am 17. September 1980 wird die unabhängige Gewerkschaft Solidarność offiziell gegründet.

Das Verbot

In Moskau will man die reformatorischen Prozesse in Polen nicht hinnehmen. Die KPdSU fordert die Genossen in Warschau auf, resolut gegen die Solidarność vorzugehen. Am 13. Dezember 1981 wird das Kriegsrecht verhängt, die Solidarność verboten, ihre Anführer zeitweilig inhaftiert. Die Polen wollen das nicht einfach so hinnehmen, Demonstrationen und Auseinandersetzung sind die Folge.

Der Dialog

Die Regierung bekommt die Proteste nicht unter Kontrolle. Der Gewerkschaftsführer Walesa vermittelt, allerdings unter der Bedingung, dass ein "Runder Tisch" eingeführt wird. Die Gespräche zwischen der Regierung und der Gewerkschaft beginnen am 6. Februar 1989. Die Verhandlungen dauern bis zum 5. April 1989 und bringen den Systemwechsel entschieden voran. Unter anderem beschließt die Runde freie Wahlen im Sommer und die baldige Wiederzulassung der Gewerkschaft Solidarność. Zur Parlamentswahl im Sommer tritt sie dann sogar als eigene Partei an und erhält 99 Prozent der Stimmen.

Der Präsident

Lech Walesa, der die Solidarność seit 1980 geleitet und 1983 den Friedensnobelpreis bekommen hat, wird im Dezember 1990 für fünf Jahre zum Präsidenten Polens gewählt. Als Vorsitzender der Gewerkschaft dankt er ab. Während seiner Amtszeit entwickelt sich Polen immer mehr zu einem marktwirtschaftlichen Land. Allerdings verlieren Walesa und die Solidarność an politischer Bedeutung.