Geschichte

Olympia 1968: Wie Deutschland auch im Sport geteilt wurde

Die 3000-m-Hindernisläufer Günther Hesselmann (r) aus Deutschland und Wladimir Kasanzew aus der UdSSR gratulieren sich im Ziel.
In Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen. Vier Jahre später durften die deutschen Athleten wieder teilnehmen. Freilich stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Bedingung: eine gesamtdeutsche Mannschaft musste antreten. Die BRD und DDR konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Team einigen. So nahmen letztendlich nur Sportler der jungen Bundesrepublik teil, wie Günther Hesselmann (re.). Allerdings nicht eben erfolgreich: Nicht nur der 3000-Meter-Hindernisläufer konnte seinen Auftritt nicht vergolden, auch das gesamte deutsche Team blieb ohne Goldmedaille. Bildrechte: dpa
Die 3000-m-Hindernisläufer Günther Hesselmann (r) aus Deutschland und Wladimir Kasanzew aus der UdSSR gratulieren sich im Ziel.
In Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen. Vier Jahre später durften die deutschen Athleten wieder teilnehmen. Freilich stellte das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine Bedingung: eine gesamtdeutsche Mannschaft musste antreten. Die BRD und DDR konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Team einigen. So nahmen letztendlich nur Sportler der jungen Bundesrepublik teil, wie Günther Hesselmann (re.). Allerdings nicht eben erfolgreich: Nicht nur der 3000-Meter-Hindernisläufer konnte seinen Auftritt nicht vergolden, auch das gesamte deutsche Team blieb ohne Goldmedaille. Bildrechte: dpa
  Das Archivbild stammt von den XVI. Olympischen Spielen im australischen Melbourne im Jahre 1956, bei denen eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR ins Stadion einmarschierte.   Ost- und Westdeutschland schickten auf IOC-Beschluss eine gemeinsame Mannschaft nach Melbourne, nachdem die Bundesrepublik vier Jahre zuvor in Helsinki als alleiniger Vertreter Deutschlands am Start war.
Dennoch wollte die junge DDR nicht dauerhaft auf olympische Medaillen verzichten, also kam man nicht um Verhandlungen herum: Bei den Spielen von Melbourne 1956 trat zum ersten Mal seit der Teilung Deutschlands eine gesamtdeutsche Mannschaft an. Da die Bundesrepublik und die DDR verschiedene Nationalhymnen hatten, wurde für Sieger beider Staaten Beethovens "Freude, schöner Götterfunke" gespielt. Bildrechte: dpa
Outfits für Athleten, 1960
1960: Die Olympia-Outfits für das gesamtdeutsche Team wurden teilweise in Ost- und Westdeutschland hergestellt. Bei den Trainingsanzügen setzten die Designer bei den Frauen auf hell-, bei den Männern auf dunkelblau. Beim Einmarsch ins Stadion erschienen die Frauen in einem türkisfarbenem Kostüm, die Männer in einem beigefarbenen Anzug. Doch der schöne Schein trügt… Bildrechte: IMAGO
Die olympischen Medaillengewinner (v.l) Wolfgang Behrendt, Klaus Richtzenhain, Eva-Maria ten Elsen machen mit ihren 46 DDR-Teamgefährten bei der Rückkehr von den Olympischen Spielen in Melbourne am 13.12.1956 auf dem Flughafen in München Zwischenstadion.
... denn von Anfang an gab es Spannungen und die DDR-Athleten blieben unter sich. Die olympischen Medaillengewinner (v.l.) Wolfgang Behrendt, Klaus Richtzenhain, Eva-Maria ten Elsen machten mit ihren 46 DDR-Teamgefährten bei der Rückkehr von den Spielen in Melbourne auf dem Flughafen in München Zwischenstation. Während es hier gesellig zuging, gab es kaum Kontakte zu westdeutschen Athleten: Während der Spiele wohnten und trainierten die Athleten getrennt. Wenn überhaupt, dann sahen sie sich zu den Mahlzeiten. Bildrechte: dpa
Die gesamtdeutsche Turner-Mannschaft für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rom am 17.07.1960 in München (l-r): Philipp Fürst (DTB), Günter Nachtigall (DTV), Siegfried Fülle (DTV), Günter Lyhs (DTB), Erwin Koppe (DTV), Karlheinz Friedrich (DTV), Günter Jakoby (DTB) und Helmut Bantz (DTB).
Trotz einer gemeinsamen Mannschaft konkurrierten die beiden deutschen Staaten hart miteinander. Das machte sich schon bei den Qualifikationswettkämpfen bemerkbar. Dort prallten die Machtinteressen der politischen Systeme aufeinander. Der Turner Siegfried Fülle (3.v.li.), der 1960 für die DDR an den Olympischen Sommerspielen in Rom teilnahm, erinnert sich: "Damals haben die west- und ostdeutschen Kampfrichter bewusst falsche Wertungen abgegeben, um ihre jeweiligen Athleten zu bevorzugen." Bildrechte: dpa
Der Segler Willy Kuhweide
Auch vor den Sommerspielen 1964 traten Konkurrenzkämpfe innerhalb der "gemeinsamen" deutschen Mannschaft scharf zutage. Für den Segler Willy Kuhweide sollte die Qualifikation für Tokio zum richtigen Krimi werden. Bei den Ausscheidungsrennen verbündeten sich die DDR-Segler verbotenerweise gegen ihn. Kuhweide gab auf und legte beim Internationalen Segler-Verband Protest ein. Nach einem endlosen Intrigenspiel kam er doch noch nach Tokio – und gewann als erster Deutscher Gold im Segeln. Bildrechte: dpa
Erstmals marschieren bei den X. Olympischen Winterspielen am 6.2.1968 zwei deutsche Mannschaften in das Stadion von Grenoble (Frankreich) ein: Vorn die Sportler der Bundesrepublik Deutschland, dahinter das 58köpfige Team der DDR.
In den 1960er Jahren spitzte sich die Lage weiter zu. Eine gemeinsame Mannschaft aufzustellen, war nahezu unmöglich geworden. So entschied das IOC, zwei deutsche Mannschaften zuzulassen. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble marschierten deshalb erstmals zwei deutsche Teams ins Stadion ein. Vorn sind die Athleten der Bundesrepublik zu sehen, dahinter folgen die DDR-Sportler. Die sozialistische Führung bejubelte die IOC-Entscheidung. Denn so hatte das international isolierte Land die Möglichkeit, sich auf sportlicher Ebene zu etablieren. Bildrechte: dpa
Guido Kratschmer auf der Tribüne des Lenin-Stadions, 1980
Der Sport war in Zeiten des Kalten Krieges Spielball der Machtinteressen. Das hatte teilweise fatale Konsequenzen: 1980 musste Leichtathlet Guido Kratschmer die Spiele in Moskau von der Tribüne aus verfolgen. Denn wegen des Einmarschs der Sowjetunion in Afghanistan 1979 boykottierten 64 Länder die Spiele, darunter auch die BRD. Vier Jahre später drehte die DDR den Spieß um: Aus Revanche blieben DDR-Sportler den Spielen von Los Angeles fern. Bildrechte: dpa
Die Spieler der deutschen Hockey-Nationalmannschaft bejubeln den Triumph mit ihrem Trainer Paul Lissek (r).
1992 trat dann erstmals seit den Olympischen Spielen 1964 wieder eine deutsche Mannschaft aus dem wiedervereinigten Deutschland zu den Wettbewerben an. Für die deutsche Hockey-Mannschaft machte sich das gleich bezahlt: sie gewann Gold.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03.02.2018 | 19:00 Uhr)
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