Die Flaggen der beiden deutschen Staten im Fahnenwald vor dem UN-Gebäude in New York. Links die Flagge der ebenfalls neu aufgenommenen Bahamas.
Die Flaggen der beiden deutschen Staaten vor dem UN-Gebäude in New York. Bildrechte: dpa

In der Weltgemeinschaft angekommen Als DDR und Bundesrepublik Mitglieder der UNO wurden

Es hatte Jahrzehnte gedauert, bis am 18. September 1973 die beiden deutschen Staaten endlich in die Vereinten Nationen aufgenommen werden konnten. Vor allem für die DDR war damit ein ungeheurer Prestigegewinn verbunden, denn sie war an diesem Tag tatsächlich in der Weltgemeinschaft angekommen.

Die Flaggen der beiden deutschen Staten im Fahnenwald vor dem UN-Gebäude in New York. Links die Flagge der ebenfalls neu aufgenommenen Bahamas.
Die Flaggen der beiden deutschen Staaten vor dem UN-Gebäude in New York. Bildrechte: dpa

Vor dem Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York fand am 18. September 1973 eine kleine, aber historische Zeremonie statt: Die Bundesrepublik und die DDR wurden an diesem Tag UN-Mitglieder Nummer 133 und 134. "Exzellenzen, meine Damen und Herren", begrüßte UN-Generalsekretär Kurt Waldheim führende Repräsentanten der Weltorganisation sowie die Außenminister der beiden deutschen Staaten, Otto Winzer und Walter Scheel. "Mit großer Freude gebe ich hiermit die Anweisung, die Flaggen der beiden UNO-Mitgliedsstaaten, der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland, aufzuziehen."

Eklat

Nur wenige Stunden vor der Flaggenzeremonie hatte die UN-Vollversammlung über die Aufnahme der beiden deutschen Staaten zu befinden. Eine feierliche Veranstaltung ohne Abstimmung war geplant - das Plenum sollte lediglich um seine freundliche Zustimmung gebeten werden. Doch dann der Eklat: Israels UN-Botschafter meldete sich zu Wort und protestierte vehement gegen den Beitritt der DDR, weil sich die sozialistische Republik ihrer historischen Verantwortung für den Holocaust entziehen würde. Anschließend sprach sich die Botschafterin Guinea-Bissaus gegen eine Aufnahme der Bundesrepublik aus - das afrikanische Land fühlte sich beim Prozess der Entkolonialisierung von der Bundesrepublik im Stich gelassen.

Moderater Beifall

Dennoch wurden die beiden deutschen Staaten in die Vereinten Nationen aufgenommen. Der Beifall fiel aber eher moderat aus, wie die "Süddeutsche Zeitung" damals berichtete: "Er klingt bestimmt nicht so, als sei man über den Zuwachs begeistert." Dennoch: Es war ein epochales Ereignis in Zeiten des Kalten Krieges. Und Kurt Waldheim beschwor denn auch in seinem Willkommensgruß für die beiden neuen Mitglieder den "Geist der Entspannung".

"Feindstaat"

70. Generaldebatte der Vereinten Nationen (UNO). Den Auftakt am UNO-Sitz in New York macht Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff.
Plenum der UNO in New York (2014). Bildrechte: dpa

Lange hatten DDR und Bundesrepublik auf diesen Tag warten müssen. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt das in Besatzungszonen aufgeteilte Deutschland für die im Dezember 1945 gegründete UNO als "Feindstaat". Eine Aufnahme in die Weltorganisation war zunächst auch für die 1949 gegründeten beiden deutschen Staaten nicht vorgesehen. In den frühen 1960er-Jahren änderte die UNO jedoch vorsichtig ihre Haltung. An einen UNO-Beitritt war damals aber wegen des Bonner Alleinvertretungsanspruchs noch gar nicht zu denken: Die Bundesrepublik nahm für sich nämlich in Anspruch, für alle Deutschen zu sprechen. Bei dieser Gemengelage verspürten die westlichen Allliierten selbstredend keinerlei Neigung, die beiden deutschen Staaten in die UNO aufzunehmen. Die sowjetische Parteiführung ließ ihrerseits wissen, dass sie gegen eine alleinige Aufnahme der Bundesrepublik in die UNO stimmen würde.

Walter Ulbricht stellte einen Aufnahmeantrag

Walter Ulbricht in Berlin am 6.10.1969 zum 20. Jahrestag der DDR
Walter Ulbricht (1969). Bildrechte: IMAGO

Sowohl die DDR als auch die Bundesrepublik bemühten sich in diesen Jahren aber durchaus um eine Aufnahme in die Weltorganisation. 1966 stellte SED-Chef Walter Ulbricht sogar einen offiziellen Aufnahmeantrag, der natürlich ohne Erfolg blieb. Immerhin war es der Bundesrepublik gelungen, bereits in den späten 1950er-Jahren Mitglied der WHO und der UNESCO zu werden. Das schaffte die DDR erst 1972, als sie in die UNESCO aufgenommen wurde.

Entspannungspolitik

Egon Bahr und Willy Brandt
Bildrechte: dpa

Als der sozialdemokratische Bundeskanzler Willy Brandt 1969 den Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik aufgab und eine Politik der Entspannung mit den sozialistischen Staaten begründete, eröffneten sich realistische Perspektiven für eine UNO-Mitgliedschaft der beiden deutschen Staaten. 1972 unterzeichneten Bundesrepublik und DDR den "Grundlagenvertrag". Beide deutsche Staaten erkannten sich darin gegenseitig als eigenständige Nationen an. Erst jetzt war eine Mitgliedschaft der DDR und der Bundesrepublik in der UNO möglich geworden.

Teilnahme am "internationalen Leben"

Händedruck zwischen dem Auߟenminister der DDR Otto Winzer (l) und dem Auߟenminister der Bundesrepublik Deutschland Walter Scheel.
Händedruck zwischen den Auߟenministern Otto Winzer (l) und Walter Scheel in New York. Bildrechte: dpa

Nur ein Jahr später war es dann so weit: Die beiden deutschen Staaten wurden Mitglieder der Vereinten Nationen. Vor allem für die DDR war damit ein ungeheurer Prestigegewinn verbunden. Und dementsprechend sprach Außenminister Otto Winzer bei seiner Antrittsrede vor der UN-Vollversammlung auch von einem "Höhepunkt in dem Prozess des gleichberechtigten Teilnehmens der DDR am internationalen Leben". Die DDR war am 18. September 1973 tatsächlich in der Weltgemeinschaft angekommen.

Keine "Klagemauer für deutsche Probleme"

Im Plenum der UNO saßen die Verteter der beiden deutschen Staaten, getrennt nur durch einen schmalen Gang, quasi nebeneinander. Zwistigkeiten im deutsch-deutschen Alltag wurden in all den Jahren niemals vor dem UN-Plenum ausgetragen. "Wir sind nicht hierher gekommen, um die Vereinten Nationen als Klagemauer für die deutschen Probleme zu betrachten", hatte Willy Brandt im September 1973 vor der UNO-Vollversammlung erklärt. Das war auch ganz im Sinne der DDR, die ihr wichtigstes Anliegen - die internationale Anerkennnung - allein schon durch den UNO-Beitritt als erfüllt ansah.

DDR tritt aus der UNO aus

Nach der im September 1990 erfolgten Unterzeichnung des "Zwei-plus-Vier-Vertrages", der dem vereinten Deutschland die volle Souveränität übertrug, informierte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière in einem Schreiben die UNO darüber, dass die DDR bald in der Bundesrepublik aufgehen werde. Damit würden die "völkerrechtlichen Voraussetzungen für ein Fortbestehen der Mitgliedschaft" entfallen. Seit dem 3. Oktober 1990 ist die um die DDR erweiterte Bundesrepublik als "Germany" Mitglied der Vereinten Nationen.

Quellen: Deutschlands UNO-Geschichte, Deutsche Welle 2003; Der neue Geist der Entspannung, Deutschlandfunk 2013; Ulrich Eisele, Die DDR in den Vereinten Nationen; Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V., 24.09.2013.

(SL)

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "MDR um 4" 12.02.2014 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. September 2018, 14:00 Uhr