Filmszene mit Matthias Freihof als Philipp
Bildrechte: rbb/Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche

Spielfilm DDR 1989 Coming out

Philipp verliebt sich Hals über Kopf in Matthias. Doch im DDR-Alltag der 80er-Jahre ist Homosexualität alles andere als normal. Ein Kampf gegen Vorurteile und die eigene Angst nimmt seinen Lauf. "Coming out" wurde 1989 von "Paul und Paula"-Regisseur Heiner Carow sensibel in Szene gesetzt.

Filmszene mit Matthias Freihof als Philipp
Bildrechte: rbb/Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche

Philipp ist Lehrer mit Leib und Seele. Bei seinen Schülern ist der gut aussehende und charmante Pädagoge sehr beliebt. Schafft er es doch, sie für seinen Unterricht zu begeistern und mit seinen kreativen Ideen die Langeweile aus dem Schulalltag zu vertreiben. Kaum vorstellbar für seine Umwelt, dass ihn etwas aus der Bahn werfen kann.

Wie ein Schlag trifft es dann aber Philipp, als er Matthias begegnet. Er fühlt sich sofort zu dem jungen Mann hingezogen. Aber da ist auch Kollegin Tanja, mit der er eine Liaison eingegangen ist und die ein Kind von ihm erwartet.

Offene Homosexualität: klarer Tabubruch im DDR-Fernsehen

Matthias Freihof als Philipp und Dirk Kummer als Matthias.
Philipp (Matthias Freihof) erwartet mit seiner Freundin Tanja (Dagmar Manzel) ein Kind. Doch als Philipp auf Matthias trifft, ist nichts mehr, wie es einmal war ... Bildrechte: MDR/Progress Film-Verleih/Wolfgang Fritsche

Als wäre das nicht genug, sieht sich Philipp auch den Vorurteilen der Gesellschaft gegenüber homosexuellen Partnerschaften ausgesetzt. So gerät er in eine tiefe Krise. Doch mit der Einsamkeit und der Verzweiflung wächst auch eine neue Klarheit. Philipp begreift, dass er keine andere Möglichkeit hat, als sich selbst und seine leidenschaftlichen Empfindungen anzunehmen.

Eine schmerzhafte, konfliktreiche Selbstfindung beginnt. Nicht nur für den Lehrer - auch für seine schwangere Freundin Tanja. Für Phillips Mutter bricht nach der Offenbarung des Sohnes eine Welt zusammen. Schließlich jagt ein Rettungswagen durch die Silvesternacht, in dem Matthias mit dem Tode ringt ...

"Coming out" war das erste und einzige filmische Werk der DDR-Filmgeschichte, dass das Thema Homosexualität thematisierte. Gedreht wurde an authentischen Orten der Ost-Berliner Schwulen-Szene in Friedrichshain. Für die Umsetzung des Projektes hat Regisseur Carow sieben Jahre lang kämpfen müssen.

Natürlich war es in der DDR absolutes Neuland. Den Film wollte keiner, der ist dann letzten Endes auf Anweisung von Kurt Hager, der den Regisseur Heiner Carow kannte, durchgesetzt worden.

Hauptdarsteller Matthias Freihof über die Filmgeschichte rbb-online, 23.05.2009

Ausgezeichnet mit dem Silbernen Bären

Mit "Coming out" knüpft Heiner Carow an seine legendären Filme der 70er-Jahre an ("Die Legende von Paul und Paula", "Bis daß der Tod euch scheidet", "Die Russen kommen"). Emotional, spannend und ehrlich plädiert der Film für Verständnis und Toleranz gegenüber jeglicher Art von Anderssein. Premiere feierte der Streifen kurz vor dem Fall der Mauer - am 9. November 1989 im Berliner Kino International. Das Publikumsinteresse war so groß, dass eine Doppelvorstellung angesetzt werden musste. Auch die Filmwelt honorierte den mutigen Vorstoß: "Coming out" wurde auf der "Berlinale 1990" mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.

Stab: Musik: Stefan Carow
Kamera: Martin Schlesinger
Buch: Wolfram Witt
Regie: Heiner Carow

Darsteller: Philipp Klarmann - Matthias Freihof
Tanja - Dagmar Manzel
Matthias Seiffert - Dirk Kummer
Achim, Kellner in der Bar - Michael Gwisdek
Walter, älterer Herr aus der Bar - Werner Dissel
Bedienung in der Gaststätte/Lehrerin - Gudrun Ritter
Philipps Mutter - Walfriede Schmitt
Jakob Schrader - Axel Wandtke
Gast in der Bar - Gudrun Okras
u.a.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Barbarossa - Geschichtsmagazin mit Gunter Schoß | 09.11.2010 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 06:37 Uhr