Vor 70 Jahren gegründet Kaderschmiede DHfK: Spitzensportler, geheime Trainingsgeräte und Doping

Am 22. Oktober 1950 gründete sich die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig, die als Keimzelle des sogenannten DDR-Sportwunders galt. Mit der Sportschule, die weltweit zu den erfolgreichsten zählte, wollte der sozialistische Staat sein Ansehen stärken. Es gelang - nicht nur durch den Fleiß und Schweiß der Sportler, sondern auch dank modernen Trainingsgeräten, die unter höchster Geheimhaltung hier entwickelt wurden - und später auch mit Hilfe von verbotenem Doping.

Schwarzweiß-Aufnahme von Menschen mit der Aufschrift DHfK auf dem T-Shirt
Vor 70 Jahren wurde Deutsche Hochschule für Körperkultur gegründet. Bis heute ist der Sportclub DHfK der erfolgreichste Sportverein der Welt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Im Februar 1950 war der Aufbau der DHfK als "zentrale sportliche Ausbildungs- und Wissenschaftseinrichtung" durch das Jugendgesetz beschlossen worden. Bereits im Oktober bezogen die ersten 96 Sportstudenten die provisorisch hergerichteten Räume im riesigen Komplex an der Stalin-Allee. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) sollte Fachleute und Sportler ausbilden, die dazu beitrugen, dass sich die DDR zu einer der führenden Sportnationen der Welt entwickeln konnte. Neben dem Standort in Leipzig richtete die DHfK auch Außenstellen in Rostock, Magdeburg, Dresden, Erfurt, Berlin und Chemnitz ein.

Ein Trainer steht in einer Schwimmhalle am Beckenrand 45 min
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Die DHfK in Leipzig erzählt eine beeindruckende Sportgeschichte mit Erfolgen und Medaillen. Seit 40 Jahren gehört die Hochschule zu den weltweit erfolgreichsten Sporthochschulen.

Der Osten - Entdecke wo du lebst Di 20.10.2020 21:00Uhr 44:50 min

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Die DDR will Olympiasieger sein

Durch erfolgreiche Teilnahme an internationalen Wettkämpfen, insbesondere an den Olympischen Spielen, wollte die DDR im weltweiten Vergleich glänzen und die vermeintliche Überlegenheit des Sozialismus beweisen. Und so wurde 1954 der Sportclub der DHfK ins Leben gerufen. Das Ziel: "Leistungssportler und ihre Trainer sollen in diesem Sportclub konzentriert und zu sportlichen Höchstleistungen geführt werden". Die Investition in die Sporthochschule und in den SC DHfK zahlte sich aus - die DDR stieg allmählich zu einer führenden Sportnation auf. Bei den Olympischen Spielen 1972 erreichte sie schließlich den dritten Platz in der Medaillenwertung hinter den Supermächten Sowjetunion und USA - das glanzvolle Ergebnis einer Entwicklung, die planmäßig vorangetrieben wurde.

Wir haben trotz knurrendem Magen rechtzeitig erkannt, welche Wege beschritten werden müssen, um erfolgreich zu sein.

Horst Meurer DHfK-Professor

Bildergalerie Berühmte Sportler und Trainer der DHfK Leipzig

Vor 1989 war die Deutsche Hochschule für Körperkultur (DHfK) in Leipzig eine der weltweit erfolgreichsten Sporthochschulen. In unserer Bildergalerie finden Sie namhafte Sportler und Trainer der DHfK.

Olympia 1980: Finn Dinghi-Segler Jochen Schümann
Die Karriere des Jochen Schümann begann 1966 in einem selbstgebastelten Segelboot auf einem Gewässer, das nicht unbedingt als riskantes Segelrevier gilt – dem Berliner Müggelsee. "Es ist nicht entscheidend, wo man das Segeln lernt", sagte der 1954 geborene Schümann einmal, "sondern mit welcher Einstellung und mit welchem Ziel." Schümann jedenfalls wollte stets "der Beste" sein. 1976, 1988 und 1996 gewann er jeweils olympisches Gold, 2000 die Silbermedaille. Er war zwei Mal Welt- und neunmal Europameister und gewann 2003 und 2007 die älteste und renommierteste Segelregatta der Welt, den "Americas Cup". Jochen Schümann, der 1996 als erster Deutscher zum weltbesten Segler des Jahres gewählt wurde, absolvierte in den 1980er-Jahren ein Sportlehrerstudium an der DHfK. (Im Bild Jochen Schümann bei Olympia 1980.) Bildrechte: dpa
Olympia 1980: Finn Dinghi-Segler Jochen Schümann
Die Karriere des Jochen Schümann begann 1966 in einem selbstgebastelten Segelboot auf einem Gewässer, das nicht unbedingt als riskantes Segelrevier gilt – dem Berliner Müggelsee. "Es ist nicht entscheidend, wo man das Segeln lernt", sagte der 1954 geborene Schümann einmal, "sondern mit welcher Einstellung und mit welchem Ziel." Schümann jedenfalls wollte stets "der Beste" sein. 1976, 1988 und 1996 gewann er jeweils olympisches Gold, 2000 die Silbermedaille. Er war zwei Mal Welt- und neunmal Europameister und gewann 2003 und 2007 die älteste und renommierteste Segelregatta der Welt, den "Americas Cup". Jochen Schümann, der 1996 als erster Deutscher zum weltbesten Segler des Jahres gewählt wurde, absolvierte in den 1980er-Jahren ein Sportlehrerstudium an der DHfK. (Im Bild Jochen Schümann bei Olympia 1980.) Bildrechte: dpa
(l-r) Alejandro Casanas aus Kuba (Silber), Thomas Munkelt aus der DDR (Gold) und Alexander Putschkow aus der UdSSR (Bronze).
Thomas Munkelt galt in den 70er- und frühen 80er-Jahren als der dominierende europäische Hürdenläufer - er war mehrfach Europameister und errang 1980 mit dem Olympiasieg in Moskau seinen größten sportlichen Erfolg. 1984, nach dem Beschluss der DDR, die Olympischen Spiele in Los Angeles zu boykottieren, beendete Thomas Munkelt seine Karriere. (Im Bild (Mitte) Thomas Munkelt bekommt die Gold-Medaille für 110 Meter Hürden bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau.) Bildrechte: dpa
Leichtathletik: Margitta Gummel 1968
Die großen Erfolge der Kugelstoßerin Margitta Gummel vom SC DHfK sind durch Dopingvorwürfe in ein zweifelhaftes Licht gerückt. Die Olympiasiegerin von 1968 und mehrfache Weltrekordlerin, die die Kugel als erste Frau über 18 und schließlich auch über 19 Meter bugsiert hatte, soll seit 1967 systematisch gedopt haben. Ihre einstige Mannschaftskameradin Brigitte Berendonk bezeichnet Gummel gar als die "First Lady des DDR-Dopings". Margitta Gummel blieb nach dem Ende ihrer Karriere 1972 der DHfK treu: Sie studierte und promovierte an der Leipziger Sporthochschule und war später dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum tätig. (Im Bild Margitta Gummel bei den Olympischen Sommerspielen in Mexiko 1968.) Bildrechte: dpa
Kanu: Birgit Fischer
"Mein Ziel war immer Gold", sagte die 1962 in Brandenburg geborene Kanurennsportlerin Birgit Fischer einmal. "Ich wollte immer ganz oben stehen." Und das ist ihr auch durchaus eindrucksvoll gelungen. Mit acht Olympiasiegen ist Birgit Fischer die erfolgreichste deutsche Olympionikin aller Zeiten. Und weil sie in ihrer über 25-jährigen Laufbahn auch noch 27 Weltmeistertitel einfuhr, fand sie sogar Eingang ins "Guinessbuch der Rekorde". 1984, noch während ihrer Sportkarriere, hatte Birgit Fischer ein Studium an der DHfK begonnen, dass sie 1991 als Diplomsportlehrerin beendete. (Im Bild Birgit Fischer 1983 beim Training auf dem Beetzsee.) Bildrechte: dpa
Klaus Köste
Mit 34 DDR-Meistertiteln sowie elf internationalen Medaillen bei Olympischen Spielen (darunter der Olympiasieg 1972 in München), Welt- und Europameisterschaften gehört Klaus Köste zu den erfolgreichsten Sportlern der deutschen Turngeschichte. 1974 hatte der 1943 in Frankfurt/Oder geborene Köste, der bereits als Neunjähriger zum SC DHfK Leipzig kam, aufgrund einer Achillessehnenverletzung seine sportliche Laufbahn beenden müssen. Er absolvierte ein Trainerstudium an der DHfK und arbeitete dort anschließend zunächst als Turn-Trainer und später als Hochschullehrer. (Im Bild Klaus Köste bei der ersten Ost-West-Ausscheidung der Turner in Essen im Juli 1964.) Bildrechte: dpa
Bärbel Eckert
Die 1955 in Leipzig geborene 100- und 200-Meter-Sprinterin Bärbel Eckert gewann bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal und 1980 in Moskau insgesamt vier Goldmedaillen und ist damit die erfolgreichste deutsche Leichtathletin aller Zeiten. Heute leitet Bärbel Wöckel (geb. Eckert) das Referat Jugend im Deutschen Leichtathletik-Verband. (Im Bild Bärbel Eckert bei den Leichtathletik-Europameisterschaften 1982 in Athen.) Bildrechte: dpa
Radsportlegende "Täve" Schur
Gustav-Adolf Schur, den alle nur "Täve" nannten, war der Prototyp des proletarischen Vorzeigesportlers – vom einfachen Arbeiterkind zum Weltmeister. Zweimal gewann der für den SC DHfK Leipzig radelnde Schur die "Friedenfahrt", zweimal war er Straßenweltmeister und bei den Olympischen Spielen von 1956 und 1960 fuhr er eine Bronze- und Silbermedaille ein. 1990 wurde "Täve" Schur mit der Hälfte der abgegebenen Stimmen zum "größten Sportler der DDR" gewählt. (Im Bild "Täve" bei einer Siegerehrung während der Friedensfahrt 1956.) Bildrechte: dpa
Hans-Jürgen Dörner 1984
"Beckenbauer des Ostens" wurde er genannt – der legendäre Libero von Dynamo Dresden und der DDR-Nationalmannschaft Hans-Jürgen Dörner. Fünfmal war er mit seinen "Schwarz-gelben" Meister, viermal FDGB-Pokalsieger und mit der Nationalelf, für die er 100 Spiele bestritt, 1976 in Montreal sensationell Olympiasieger. Dörner, den alle nur "Dixie" riefen, absolvierte noch während seiner aktiven Zeit als Fußballer ein Sportlehrerstudium an der DHfK, das er 1981 mit einem Diplom abschloss. (Im Bild Hans-Jürgen Dörner 1984 als Kapitän der DDR-Fußball-Nationalmannschaft.) Bildrechte: dpa
Ruth Fuchs
Die 1946 geborene Ruth Fuchs gewann bei den Olympischen Spielen 1972 in München und 1976 in Montreal jeweils die Goldmedaille im Speerwerfen. Nach dem Ende ihrer Karriere 1980 absolvierte sie ein Sportlehrerstudium an der DHfK und schrieb anschließend eine Dissertation über Sportpädagogik. 2006 wurde bekannt, dass Ruth Fuchs Anfang der 1970er-Jahre und vor allem während der Olympischen Spiele 1972 in München mit der Staatssicherheit kooperiert hatte. Sie räumte die Kontakte sofort ein und rechtfertigte sich mit dem Argument, als "Diplomat im Trainingsanzug" habe sie "westdeutsche Sportler" naturgemäß "als Hauptgegner" angesehen. (Im Bild Ruth Fuchs bei den Olympischen Sommerspielen 1972 in München.) Bildrechte: dpa
Radsport: Uwe Ampler wird DDR-Meister
Der 1964 in Zerbst geborene Uwe Ampler stammt aus einer Radsport-Familie - sein Vater Klaus war 1963 Sieger der "Friedensfahrt". Seit der 5. Klasse besuchte Uwe Ampler die Sportschule des SC DHfK Leipzig, zunächst als hoffnungsvolles Schwimmtalent. Mit 15 wechselte er dann aber zur Sektion Radsport. Ab Mitte der 80er-Jahre galt Ampler als einer der besten Radfahrer der Welt: 1986 war er Weltmeister, 1988 Olympiasieger und zwischen 1987 und 1989 gewann er dreimal in Folge die "Friedensfahrt". 1991 nahm ihn das "Team Telekom" unter Vertrag, doch Ampler konnte die in ihn gesetzten hohen Erwartungen nicht erfüllen und wurde 1993 entlassen. 1998 gewann Uwe Ampler überraschend im Dress des zweitklassigen polnischen Teams "Mroz" zum vierten Mal die "Friedensfahrt". (Im Bild Uwe Ampler wird 1984 DDR-Meister im Straßenradsport.) Bildrechte: dpa
Henry Maske und Manfred Wolke.
Der Boxer Manfred Wolke, 1968 in Tokio Olympiasieger, absolvierte nach dem Ende seiner Karriere ein Studium an der DHfK und arbeitete fortan als Trainer. Einer seiner Schützlinge war ab 1978 Henry Maske, 1988 Olympiasieger und ein Jahr später Amateur-Weltmeister. Auch Maske machte in diesen Jahren sein Trainerdiplom an der Leipziger Sporthochschule. Nach dem Ende der DDR wechselte Maske gemeinsam mit seinem Trainer ins Profilager. 1993 wurde er "IBF-Weltmeister" und verteidigte seinen Titel bis 1996 insgesamt zehnmal. (Im Bild Schützling und Trainer: Henry Maske und Manfred Wolke 1993 bei der Box-WM in Düsseldorf.) Bildrechte: dpa
Schwimmen: Kristin Otto holt fünfmal EM-Gold 1987
Die für den SC DHfK Leipzig startende Kristin Otto gilt als erfolgreichste deutsche Schwimmerin aller Zeiten: Insgesamt 22 Medaillen errang sie zwischen 1981 und 1989 bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften. Nach dem Ende ihrer Karriere absolvierte sie ein Journalistikstudium in Leipzig und ist seither Sportmoderatorin beim ZDF. Im Jahr 2000 wurden Dopingvorwürfe gegen Kristin Otto erhoben. Sie verwahrte sich jedoch gegen die Anschuldigungen und gab an, nie "wissentlich gedopt" gewesen zu sein. (Im Bild Kristin Otto mit ihren fünf Gold-Medaillen bei den Schwimm-Europameisterschaften 1987 in Straßburg.) Bildrechte: dpa
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DHfK-Studium: Der Ritterschlag für Sporttalente

Mit den großzügigen finanziellen Mitteln, die der Staat zu Verfügung stellte, baute die DHfK eigene Sportstätten und kaufte Trainingsgeräte. Dank den kostspieligen und modernen Einrichtungen, wie einem Bootshaus, Werferhaus oder Ruderkasten, konnten sich die Sportler auch im Winter auf Wettkämpfe vorbereiten. Aktiven und erfolgreichen Sportlern stellte die DDR auch andere Entlohnungen in Aussicht: Für Medaillen konnten sie Geldprämien, Reisen nach Kuba oder Unterstützung beim Hausbau und dem Erwerb eines Autos bekommen. An der berühmten Sporthochschule angenommen zu werden, galt für viele Sportler als Hauptgewinn.

Die DHfK war mir bekannt. Dass ich angesprochen wurde, dort zu studieren, war ein Höhepunkt in meinem Leben. Jeder, der Sport getrieben hatte, wusste: Die DHfK war das Aushängeschild des DDR-Sports.

Siegwart Karbe Kanurennsport-Europameister

Siegwart Karbe
Siegwart Karbe gewann als Kanute Medaillen für die DDR bei Europa- und Weltmeisterschaften. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Moderne Sportgeräte unter Geheimhaltung entwickelt

Im April 1969 wurde ein weitreichender Beschluss gefasst, der dafür sorgte, dass sich die staatliche Förderung künftig auf medaillenträchtige Sportarten beschränkte. Weniger erfolgreiche Sportarten, wie zum Beispiel Basketball, wurden aus dem Förderkatalog gestrichen, damit man alle Kräfte auf die aussichtsreichen Disziplinen konzentrieren kann.

Wir müssen die Orientierung geben, in den Sommersportarten immer zu den vier, fünf führenden Ländern zu gehören. Im Winter, wo unsere Möglichkeiten aufgrund der natürlichen Bedingungen geringer sind, müssen wir sehen, dass wir immer zu den acht, neun Besten gehören.

Bundesvorstand des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB) Beschluss, April 1969

Mit dem Beschluss wurde auch die Arbeit der Entwicklungsabteilung für Sportgeräte an der DHfK intensiviert. 180 Wissenschaftler versuchten, neue Erfolgsstrategien zu entwickeln. Aus Angst, die ausländische Konkurrenz könnte entdecken, was in Leipzig entwickelt wird, wurden die Erkenntnisse der Material- und Trainingsforschung zur Geheimsache erklärt.

Neu entwickelte Anlagen, wie zum Beispiel der erste Strömungskanal, waren nur für einen kleinen Personenkreis zugänglich. Die Gegenströmung des Kanals sollte das Schwimmen erschweren und somit die Ausdauer beziehungsweise Kraft der Sportler verbessern.

Man wollte sich nicht in die Karten gucken lassen. Keiner hatte ein Bild von diesem Schwimmkanal. Das war verboten. Nur die Topschwimmer und Toptrainer durften in den Schwimmkanal und mit ihm arbeiten.

Frank Embacher DDR-Leistungssportler und Schwimmtrainer

Ein Schwimmer springt in ein Becken
Der Gegenstromkanal der DHfK war streng geheim. Nur wenige Sportler und Trainer durften von der modernen Einrichtung wissen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch für andere Sportarten hatte die DHfK moderne Trainingsgeräte entwickelt. Für Skiläufer wurde ein spezielles kippbares Laufband gebaut, das ihre Schnelligkeit trainieren sollte. Zu dieser Zeit waren höhenverstellbare Laufbänder eine Weltneuheit. Durch die innovativen Trainingsmethoden ging der Plan des Sportbundes, "zu den vier, fünf führenden Ländern zu gehören" und jedenfalls stets "eine Platzierung vor der Bundesrepublik zu erreichen", schon nach drei Jahren auf. Die DDR bestimmte seit den Olympischen Spielen von München 1972 bis 1990 in etlichen Sportarten das Weltniveau und lag im Medaillenspiegel tatsächlich immer vor der Bundesrepublik.

Internationale Trainerkurse an der DHfK

Durch die zahlreichen Medaillengewinne der Leipziger Sportler wurde die DHfK auch für ausländische Studierende immer attraktiver. Das erkannte auch der Staat.

Frank Embacher, Trainer von Paul Biedermann (nicht im Bild).
Frank Embacher ist einer der erfolgreichsten Schwimmtrainer Deutschlands. Bildrechte: IMAGO

Es war schon immer mein Wunsch, Schwimmtrainer zu werden. Und als man dann angenommen wurde, da war man schon stolz. Man hat ja über die Jahre gemerkt, was da für sportliche Erfolge rauskommen, und da wollte man vielleicht ein Teil davon werden.

Frank Embacher DDR-Leistungssportler und Schwimmtrainer

Die Einladungen zu internationalen Trainerkursen in Leipzig wurden bald zu einem bedeutenden Instrument der Außenpolitik der DDR. In den Jahren bis zum Mauerfall absolvierten insgesamt 4.000 Trainer aus aller Welt Kurse an der DHfK, darunter auch heute noch einflussreiche Sportfunktionäre und Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees.

Doping und das Ende

Die Bemühungen, die Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit der Sportler durch bessere Sportgeräte und medizinische Betreuung zu verbessern, stießen bald an natürliche Grenzen. Von 1968 bis 1972 versuchte man deshalb, im Geheimen einen neuen Weg zur Leistungssteigerung zu testen: Mit den Leistungssportlern des SC DHfK wurden erste Versuche zur Wirkung von Anabolika unternommen. Die "Wundermittel" schlugen bei einigen Athleten tatsächlich an und setzten sich als Dopingmittel in der Sportmedizin der DDR durch.

Die Einnahme solcher Substanzen wurde sowohl von der Regierung als auch von den Sportfunktionären geheim gehalten. Selbst die Athleten in Leipzig wussten nicht immer, welche Pillen ihnen Sportärzte und Trainer verabreichten. Der Einsatz von Dopingmitteln führte über die Jahre bei vielen Sportlern jedoch zu schweren Nebenwirkungen und gesundheitlichen Schädigungen. Reden durfte darüber niemand.

Erst nach dem Mauerfall begannen Nachforschungen über die Doping-Praktiken der DDR. Immer neue Vorwürfe kamen ans Licht. Die DHfK wurde von manchen sogar als "Hochburg der Anabolika" bezeichnet. Die Dopingvorwürfe führten letztlich am 11. Dezember 1990 auch zur Schließung der Hochschule. Mehr als 1.000 Mitarbeiter verloren ihren Job, darunter auch jene 20 Wissenschaftler, die sich ausschließlich mit dem Thema Doping befasst hatten.

Oral Turinabol, Tablettenpackung der VEB Jenapharm 8 min
Bildrechte: IMAGO

In der DDR wurden Höchstleistungen am laufenden Band produziert. Zum Erfolgsrezept gehörte auch systematisches Doping. Das DDR-Fernsehen klärt auf.

MDR FERNSEHEN So 29.09.1991 23:01Uhr 07:46 min

https://www.mdr.de/zeitreise/stoebern/damals/videowand/doping-ddr-100.html

Rechte: Deutsches Rundfunkarchiv

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Der Neuanfang 1993

Am 8. Dezember 1993 wurde nach langen Diskussionen die sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig gegründet, die auch einige ehemalige Angestellte und die Infrastruktur der DHfK übernahm. Was aus DHfK-Tagen ebenfalls überlebt hat, sind die internationalen Trainingskurse. Das Bundesaußenministerium finanziert jährlich für etwa 100 ausländische Studenten die Teilnahme an Trainingskursen. Heute ist das Lehrangebot wesentlich breiter gefächert als zu DDR-Zeiten. Neben traditionellen Sportarten wie Rudern, Schwimmen oder Leichtathletik sind auch Cheerleading oder Floorball beim SC DHfK zu finden. Seit 1950 ist er der erfolgreichste Sportverein der Welt. Gemessen an gewonnenen Goldmedaillen zu Olympischen Spielen, ist der SC DHfK Leipzig einer der erfolgreichsten Sportvereine der Welt.

Mehr zur DHfK und Leistungssport in der DDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - Entdecke wo du lebst | 20. Oktober 2020 | 21:00 Uhr