Andreas Müller über die Körperkulturistik in der DDR Nimm doch mal Terra di Siena!

Andreas Müller erzählt im von seinen Anfängen als Körperkulturist in der DDR und verrät, wie man damals auch ohne Selbstbräuner zum richtigen Teint für den großen Auftritt kam.

Erinnern Sie sich, wie ihre Karriere als Kraftsportler in der DDR begann?

Andreas Müller
Andreas Müller hat seine Erinnerungen aufgeschrieben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Irgendwann war ich soweit, dass ich mir mit einem Schulfreund zusammen gesagt habe: Wir brauchen Hanteln. Das führte dazu, dass wir uns über einen Verwandten im Betrieb ein paar Hanteln haben drehen lassen ...

Dann haben wir angefangen unser Krafttraining zu betreiben und haben uns einfach nur gefreut, dass wir immer stärker wurden.

Wie stand die Öffentlichkeit zur Körperkulturistik?

Es war weniger problematisch, in der DDR Körperkulturist zu sein als im Westen Bodybuilder. So fern es um die Anerkennung geht. Es hat in der DDR nie Schmähartikel gegeben. Im "Stern" oder "Spiegel" gab es ja richtig böse Artikel gegen das Bodybuilding, als die ersten Misterwahlen ausgetragen wurden. Da sind Häme und Spott ausgegossen worden, das gab es in der DDR nie. Man fand die Sportart ein bisschen exotisch, aber man hat niemanden deswegen diskriminiert.

Warum musste und muss der Körper auf der Bühne so braun sein und wie kam man zu DDR-Zeiten dazu?

Ja, Bräunung war notwendig. Bei den großen Scheinwerfern wäre von einem weißen Körper am Ende nur ein weißer Fleck übriggeblieben. Anfangs, in den 1970ern, haben sich die Kulturisten noch geholfen mit Make-Up, das reichte irgendwann nicht mehr aus. Im Westen gab es Bräunungs-Tinkturen. Die gab es in der DDR nicht, also musste improvisiert werden. Da gab es die Möglichkeit, Plakatfarbe zu mixen mit Florena-Creme. Manche waren auf der Bühne dann richtig fleckig. Irgendwann hat mir dann mal ein polnischer Kulturist den Trick verraten: Nimm doch mal Terra di Siena! Also Künstlerölfarbe. Das hab' ich dann auch gemacht. Das war spottbillig, war leicht aufzutragen. Es war halt nur schwer, das Zeug wieder runterzukriegen.

Wie war ihre Einstellung zum Doping in der Szene?

Anfangs wusste ich gar nicht, was der Unterschied zwischen Anabolika und Antibiotika ist. Irgendwann habe ich das dann mal nachgelesen und dann dachte ich mir: Na gut, das ist der Westen. Aber es war schon eine herbe Enttäuschung, denn wir haben ja alle Richtung Schwarzenegger geguckt. Aber mir haben dann die DDR-Kraftsportler so gut gefallen, dass ich mir sagte: Das soll nicht mein Maßstab sein. Was interessiert mich der Westen? Da komm' ich sowieso nicht hin. Ein Rückschlag war es für mich, als ich erfahren habe: In der DDR wird auch gedopt. Das hat mich schon beschäftigt.

Buchtipp Andreas Müller:

"Kulturistik - Bodybuilding und Kraftsport in der DDR. Eine sporthistorische Analyse"

361 Seiten,
Köln: Sportverlag Strauß 2011,
ISBN: 978-3-86884-072-8

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2013, 09:55 Uhr