2011 Rückkehr in die Heimat Meine Geschichte: Die Rückkehrerin

Mit 60 Jahren wagte Monika Hülshoff einen Neuanfang. Aus Nordrhein-Westfalen zog sie in ein Bördedorf nach Sachsen-Anhalt, das sie vor mehr als 58 Jahren mit ihrer Familie verlassen hatte.

Monika Hülshoff ist heute 60 Jahre alt und wohnt in Beendorf in einem anhaltinischen Bördedorf unweit der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Vor zwei Jahren hat sie sich ihren Lebenstraum wahr gemacht: Sie zog von Nordrhein-Westfalen in die alte Heimat.

Die kannte sie nicht wirklich, denn als sie zwei Jahre alt war, sind ihre Eltern mit ihr und den Zwillingsbrüdern in den Westen gegangen. Damals wurden die ersten festen Grenzanlagen errichtet, mutmaßliche Staatsfeinde wurden aus dem Sperrgebiet gedrängt. Die Familie hatte Angst, ausgesiedelt zu werden und verließ deshalb fluchtartig die DDR. Das war 1952.

Die alten Geschichten aus der Heimat

Bis 1989 hat Monika Hülshoff die DDR und ihr altes Elternhaus nicht wieder gesehen. Doch beide Eltern litten sehr unter der Entwurzelung und erzählten immer wieder alte Geschichten aus der Heimat. So wusste das kleine Mädchen, wo der reichste Bauer wohnte, wie laut die Kirchglocken von Beendorf klangen, wo man am besten Holz und Zuckerrüben fürs Vieh klaute. Sie konnte sich gut vorstellen, wie es auf dem Tanzsaal von Beendorf zuging, welche Aussicht man vom Doktorberg hat, welche Witze der Dorfschullehrer erzählte und welche Tapete an der Wand des einstigen elterlichen Bauernhauses hing.

Endlich angekommen

Als sie nach der Wende das erste Mal mit den Eltern nach Beendorf fuhr, war es, als sei sie nie weg gewesen, sondern nun endlich angekommen.

Ich kannte die Geschichten der Menschen, wie sie lebten, wo sie wohnten, wer wen geheiratet hatte. Jetzt lernte ich die Gesichter dazu kennen und fühlte mich dazugehörig. – Angekommen ist das richtige Wort. Ein Kreis hat sich endlich geschlossen.

Monika Hülshoff

Endlich wurde der Familie auch das alte Bauernhaus des Vaters rückübertragen. Sie renovierte es und baute eine Ferienwohnung für Besuche in Beendorf ein. Doch das war Monika Hülshoff nicht genug. Sie wollte hier wohnen und vor allem auch arbeiten. Am besten als Verkäuferin. Da der alte HO und auch der Konsum geschlossen hatten, gründete sie einen Tante-Emma-Laden: den "Beendorf-Laden". Ihre Angst, hier als Fremde aus dem Westen behandelt zu werden, die alles besser weiß, erwies sich als völlig unbegründet. Sie wurde aufgenommen wie eine lang verlorene Tochter.