Kollektivierung der Landwirtschaft LPG-Mitbegründerin Frieda Sternberg erinnert sich

Frieda Sternberg - Mitbegründerin und ehemalige LPG-Vorsitzende der LPG "Ernst Thälmann" in Bennewitz bei Wurzen - trat 1946 in die SPD ein und war nach der Zwangsvereinigung mit der KPD Mitglied der SED. 1954 bis 1958 und 1963 bis 1989 war sie Kandidat des ZK der SED.

Sie gehörten 1952 zu den Mitbegründern der LPG "Ernst Thälmann" in Bennewitz und haben die LPG Bennewitz zu einer der leistungsstärksten und bekanntesten in der DDR gemacht. Wie haben die einzelnen Bauern der Genossenschaft gelebt, wie viel haben sie zum Beispiel verdient?

Die Genossenschaftsbauern wurden nach Leistung bezahlt, ihr Einkommen richtete sich nach den ökonomischen Ergebnissen der Genossenschaft. Von Seiten des Staates wurde ein Mindesteinkommen gesichert.

Als die Vollkollektivierung durchgesetzt wurde, fühlten sich viele Bauern brutal enteignet. Blieb das Gefühl des Verlustes, oder sahen die Bauern später in der Großraumlandwirtschaft auch Vorteile?

Mit diesem Plakat aus dem Jahr 1959 versuchte die SED-Kreisleitung Perleberg, Abteilung Agitation, Propaganda und Kultur, den Bauern die vermeintlichen Vorteile der genossenschaftlichen Produktion zu verdeutlichen.
DDR-Werbung für die Vorteile der LPG-Mitgliedschaft Bildrechte: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig

Mit der Vollkollektivierung wurde der Produktions- und Reproduktionsprozess einheitlicher gestaltet. Die landwirtschaftlichen Betriebe entwickelten sich zu großen, spezialisierten Einheiten. Im Laufe der Jahrzehnte wurden aus den ehemaligen Einzelbauern und ihren Kindern Spezialisten der Landwirtschaft, die ihren Beitrag zur Versorgung der Bevölkerung leisteten. Der Verlust ihres Kleinbetriebes wurde durch Anerkennung ihrer Leistungen, eine gesicherte Zukunftsperspektive und die soziale Sicherheit der Familie ersetzt.

Der Beruf des Genossenschaftsbauern wurde dem des Arbeiters angeglichen. Erstmals konnte regelmäßig Urlaub gemacht werden, die Arbeit nach den Interessen und Neigungen wahrgenommen werden. Ein regelmäßiges Einkommen war gesichert. Die Vorteile waren also eindeutig die der sozialen Sicherheit, der sicheren Zukunft, des 8-Stunden-Tags und des möglichen Urlaubs.

Und wo lagen die Schattenseiten?

Probleme gab es bei der Gewöhnung an die Arbeit im Kollektiv, auch war die Durchsetzung der genossenschaftlichen Demokratie nicht immer einfach. Es muss Pünktlichkeit und Disziplin herrschen, wenn alle gemeinsam an etwas arbeiten, und das fiel nicht allen leicht. Und prinzipiell bringt eine großflächige Tier- und Pflanzenproduktion auch ihre eigenen Probleme mit sich, über die ja viel geredet wird.

Private Viehhaltung war für viele Bauern eine Selbstverständlichkeit. Wie unterstützte die LPG dabei ihre Mitglieder?

Private Viehhaltung war in der Tat eine Selbstverständlichkeit und wurde von den Genossenschaften gefördert. Ferkel, Kälber und Hühner wurden jedem, der Aufzuchtsmöglichkeiten hatte, billig zur Verfügung gestellt. Ein halber Hektar Land oder die Ernte davon standen der Familie zu. Für Mastverträge wurde Futter vom Staat zur Verfügung gestellt. Denen, die über Nebengebäude zur Aufzucht verfügten, wurde so eine weitere Einnahmequelle eröffnet.

Frieda Sternberg - Die Vorzeigebäuerin aus Sachsen Die 1920 in Ostpreußen geborene Sternberg leitete als erste Frau in der DDR eine LPG, nämlich die LPG "Ernst Thälmann" im sächsischen Bennewitz. Schriftsteller Helmut Sakowski setzte ihr in "Wege übers Land" und "Daniel Druskat" ein literarisches Denkmal. Von 1954 bis 1958 und 1963 bis 1989 war Frieda Sternberg Kandidat des Zentralkommitees der SED. Am 31. Dezember 2009 starb sie.

(zuerst veröffentlicht am 02.08.2004)

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: MDR Aktuell | 11.07.2016 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Januar 2018, 13:04 Uhr