MDR FERNSEHEN | 01.11.2016 | 00:15 Uhr Die Kinder von Golzow: In den Kinderschuhen

(Folge 1-3)

Kinder stehen in der Schule auf
Bildrechte: DEFA-Stiftung

"Wenn ich erst zur Schule gehe…"

"Wenn ich erst zur Schule gehe…" - Mit diesem Kinderlied zum Schulanfang beginnt und endet die Langzeitdokumentation "Kinder von Golzow" auch Jahrzehnte später.

Es sind vergnügliche Bilder von singenden Kindern im Sandkasten eines Kindergartens, gefolgt von Kindern, die große Zuckertüten aus einem Baum pflücken, während der Erzähler feststellt: "An so einem Tag bewegen uns große Gedanken", während die Kinder lärmend und unter Beifall ins Schulgebäude stürmen. Golzow 1961, ein kleines Dorf mit damals etwas mehr 1.000 Einwohnern, im Oderbruch, gelegen im heutigen Brandenburg.

Der mühsame Schulalltag

Schulalltag lernen - die Kamera zeigt, wie die Kinder den Schulalltag kennenlernen, aus der Bank treten, vor der Stunde aufstehen, die Lehrerin mit einem gemeinsamen "Guten Morgen" grüßen und ein Schüler sich dabei spontan verbeugt.

Nahaufnahmen von Kindergesichtern, wenn die Lehrerin erklärt, dass wir in der Schule und nicht mehr im Kindergarten sind, neugierig die einen, verträumt die anderen, manche schüchtern - wer traut sich eine Schultüte an die Tafel zu zeichnen? Prompt folgt auf die vergnügliche Aufgabe die Arbeit - die umgekehrte Schultüte wird zum A, dem ersten Buchstaben, der erst in der Luft, dann ins Heft gemalt wird.

Wer vergessen hat, was für eine Mühe das Schreiben am Anfang macht, erinnert sich hier unweigerlich an genau dieses Gefühl, wie mühevoll sich die ersten Buchstaben aus dem Stift quälen. Und dann tut Abwechslung gut und die Kamera hält das ganz leise fest: Da stromert eine Katze übers Fensterbrett, die ein Schüler verträumt beobachtet, ein anderer bemalt sich den Arm oder linst ins Heft des Nachbarn, oder verdrückt eine Träne, wenn es so gar nicht klappt, wie es soll.

13 verblüffend eindringliche Minuten

Der erste und kürzeste Film der Golzowreihe verlässt die Schule, die Kamera schweift mit ihrem Blick auf Augenhöhe der Erstklässler durch den verlassenen Schulflur: Ein langer Flur, die Türen, die Garderoben vor den Klassen und schließlich die ordentlich aufgereihten Gummistiefel-Paare, die auf ihre Träger warten, um wieder mit ihnen durch Pfützen und Matsch zu laufen, wie noch vor kurzem als Kindergartenkind.