UdSSR-Präsident Michael Gorbatschow auf dem 5. Kongress der Volksdeputierten September 1991
Früherer KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow. Bildrechte: IMAGO

1985-1989 Die fünf wichtigsten Gorbatschow-Momente für die DDR

Die friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung sind eng mit ihm verbunden: Michail Gorbatschow. Für den Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) war zu DDR-Zeiten klar: Das geteilte Deutschland ist eine Zeitbombe, mit der Europa auf Dauer nicht leben kann. Warum galt "Gorbi" als Hoffnungsträger? Hier die wichtigsten Gorbatschow-Momente für die DDR.

UdSSR-Präsident Michael Gorbatschow auf dem 5. Kongress der Volksdeputierten September 1991
Früherer KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow. Bildrechte: IMAGO

11. März 1985: Gorbatschow wird Staats- und Parteichef

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wird in der Sowjetunion zum Staats- und Parteichef gewählt. Bis zu seinem Amtsantritt ist die Sowjetunion von alten Männern regiert worden: Leonid Breschnew, Juri Andropow und Konstantin Tschernenko. Als Breschnew im Alter von 76 Jahren stirbt, kommt Andropow 1982 an die Macht. Der 68-Jährige wird trotz seines schlechten Gesundheitszustandes zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt - und stirbt nach 15 Monaten im Amt. Auf ihn folgt Tschernenko, 72 Jahre alt und ebenfalls schwer krank. Als er am 10. März 1985 stirbt, wird Michael Gorbatschow sein Nachfolger. Zu den Gesetzmäßigkeiten des Parteiapparats gehört es, dass in diesem Fall der zweite Mann in der Hierarchie an die Spitze gelangt. Hinter Gorbatschow liegt ein steiler Aufstieg: Als Sohn eines Bauern hat er Agrarökonomie und Jura studiert und ist mit 49 Jahren Vollmitglied im Politbüro.

Gorbatschow versteht sich als radikaler Reformer - er will den Sozialismus nicht abschaffen, sondern ihn wiederbeleben und zu einem leistungsfähigen System umbauen. Er propagiert "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Umbau): Mehr Freiheiten und zugleich mehr Verantwortung für jeden Einzelnen. So sollen private Unternehmer mit dafür sorgen, dass sich die Regale in den Läden füllen.

Michail Gorbatschow, 1985
Michail Gorbatschow, 1985 Bildrechte: imago/Sven Simon

17. bis 21. April 1986: Gorbatschow fordert von der SED Selbstkritik

Der XI. Parteitag der SED fasst wichtige Beschlüsse zur Entwicklung der DDR, die den eingeschlagenen Kurs der "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" untermauern. 1986 beginnt dennoch eine wirtschaftliche Abschwungphase. Michail Gorbatschow ist Ehrengast beim SED-Parteitag und spricht von einer Zeit des Umbruchs. Von der SED fordert er Selbstkritik als "eine unerlässliche Bedingung für den Erfolg einer revolutionären Partei". Die von ihm in der Sowjetunion eingeleiteten politischen und wirtschaftlichen Reformen werden von der SED abgelehnt.

10. bis 11. November 1986 - Gipfeltreffen der Warschauer-Pakt-Staaten

Beim Gipfeltreffen der Warschauer-Pakt-Staaten kündigt Gorbatschow die Liberalisierung der sowjetischen Osteuropapolitik an. In seiner Rede schätzt er die internationale Konkurrenzfähigkeit des Sozialismus ein: Entweder die Länder beschleunigte ihre Entwicklung in den Bereichen Wissenschaft, Technik und Wirtschaft oder der Sozialismus bleibe in Schwierigkeiten und Problemen stecken und verliere an Dynamik.

6. bis 7. Oktober 1989 - Gorbatschow beim 40. Jahrestag der DDR

Der 40. Jahrestag der DDR wird wie gewohnt groß gefeiert, mit Fackelzug und Militärparade - obwohl sich DDR-Staatschef Honecker wegen der angespannten Situation zunächst dagegen entschieden hatte. In mehreren größeren Städten, zum Beispiel in Leipzig, Halle, Karl-Marx-Stadt und Plauen kommt es zu Protesten und Demonstrationen. Mehr als 1.000 Menschen werden verhaftet. Die staatlichen Feierlichkeiten enden in einem Fiasko. Michail Gorbatschow spricht sich Ehrengast beim Staatsfeiertag für die Unvermeidbarkeit von Reformen aus und warnt die SED-Führung: "Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort." Später wurde daraus der weltberühmte Satz: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Während der anschließenden Feierlichkeiten versammeln sich etwa 3.000 Demonstranten auf dem Berliner Alexanderplatz. Sie rufen "Gorbi, hilf uns!", "Keine Gewalt!" und "Wir sind das Volk!". Die anwesenden Kräfte der Staatssicherheit und der Volkspolizei halten sich zunächst zurück. Als Gorbatschow abgereist ist, gehen sie jedoch gegen die Demonstranten vor.

9. Oktober 1989 - Gorbatschow übt Zurückhaltung

70.000 Menschen demonstrieren in Leipzig friedlich für Reformen. Die DDR-Sicherheitskräfte halten sich erstmals zurück - auch, weil sich Gorbatschow - anders als die sowjetische Führung im Juni 1953 - nicht einschaltet. Ohne Rückendeckung aus Moskau wagt es die SED nicht, gewaltsam durchzugreifen. Der zuständige Bezirkssekretär zieht die Einsatzkräfte zurück.

"Wir wollen keine Gewalt! Wir wollen Veränderungen!" ist auf einem Transparent zu lesen.
Montagsdemonstration in Leipzig 1989 Bildrechte: dpa

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2016, 00:48 Uhr

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Der KPdSU-Chef erntete für seine kühnen Pläne viel Kritik. Auch der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker, hielt von Gorbatschows Reformkurs nur wenig. Im Oktober 1989 lud er den Chef des sowjetischen Bruderlandes nach Ost-Berlin, um von ihm Rückendeckung bei den Feiern zum 40. Jahrestag des DDR-Bestehens zu erhalten. Honecker stand zu diesem Zeitpunkt bereits unter gehörigem Druck: Seine Bürger flohen scharenweise in den Westen. Bildrechte: dpa