HO Handelsorganisation Kaufhalle DDR
Bei der Eröffnung des ersten HO-Geschäftes in der sowjetischen Besatzungszone am 15.11.1948 in Berlin herrscht großer Andrang. Bildrechte: dpa

HO - der staatliche Einzelhandel der DDR

Einkaufen war in der DDR alles andere als eine Nebensache - egal, ob es um Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs oder um hochwertige und langlebige Konsumgüter ging. Bei der Versorgung der Bevölkerung hatte das staatliche Einzelhandelsunternehmen Handels-Organisation, kurz HO, die Nase leicht vorn. Es wurde noch vor der DDR gegründet und öffnete am 15. November 1948 seine erste Filiale in Berlin.

HO Handelsorganisation Kaufhalle DDR
Bei der Eröffnung des ersten HO-Geschäftes in der sowjetischen Besatzungszone am 15.11.1948 in Berlin herrscht großer Andrang. Bildrechte: dpa

Butter, Fleisch und andere Grundnahrungsmittel ohne Lebensmittelmarken einkaufen - das war der große Unterschied der 1948 gegründeten HO im Vergleich zum Konsum oder dem privaten Einzelhandel. Die Handels-Organisation sollte die schwierige Versorgungslage der Bevölkerung verbessern und entwickelte sich nach Eröffnung der ersten Filialen ab November 1948 rasant. Neben dem freien Verkauf von Lebensmitteln wurden auch lang entbehrte Konsumgüter und Mangelwaren zu hohen Preisen angeboten.

Staatliche Bevorzung der HO

Verkäuferinnen stehen hinter einen Ladentheke 1 min
HO Eröffnung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mit der HO sollte außerdem der Schwarzmarkt eingedämmt und Geld bei der Bevölkerung abgeschöpft werden. Als volkseigenes Handelsunternehmen sicherte sich die wenig später gegründete DDR mit der HO zudem grundlegenden Einfluss im Einzelhandel, eng verknüpft mit der sozialistischen Planwirtschaft.

Das führte dazu, dass die HO bei der Verteilung von Waren bevorzugt wurde. So gab es in deren Geschäften schon in den Anfangsjahren der DDR Orangen in der Weihnachtszeit, während anderswo bis 1958 selbst einfache Lebensmittel nur bei Vorlage von Lebensmittelmarken erhältlich waren. Insgesamt hatte die HO bis zum Ende der DDR die Nase leicht vorn, was die Breite des Warenangebotes betrifft. Letztlich konnte aber auch die HO nur das verkaufen, was es an Waren zu verteilen gab. Im Schnitt tätigte die HO etwa 40 Prozent des gesamten Umsatzes im Einzelhandel der DDR.

Die HO im Laufe der Zeit

HO Handelsorganisation Kaufhalle DDR
Bei der Eröffnung des ersten HO-Geschäftes in der sowjetischen Besatzungszone am 15.11.1948 in Berlin herrscht großer Andrang. Drei Jahre nach Kriegsende ist die Versorgungslage noch immer schwierig. Bildrechte: dpa
Blick auf ein HO Zeichen an einer Gaststätte
Die HO war das volkseigene, also staatliche, Einzelhandelsunternehmen der wenig später gegründeten DDR. In den ersten Jahren bot die HO sogar Lebensmittel ohne Lebensmittelmarken an, die es im Land bis Mitte 1958 gab. Außerdem gab es bei der HO lang entbehrte Gebrauchsgüter. Bildrechte: imago/Norbert Fellechner
Mobile HO-Verkaufstellen versorgen die Bevölkerung in der Berliner Randgebieten Aufnahmedatum geschätzt
Mit Verkaufswagen wurde Anfang der 1950er auch die Bevölkerung auf dem Land versorgt. Bildrechte: imago/snapshot
Ein großes Lenin-Porträt ziert 1958 das Schaufenster eines Tanzcafes der DDR-Handelsorganisation HO
... viele gastronomische Einrichtungen von Gaststätten über Cafés und Eckkneipen bis zu Ausflugslokalen. Im Bild: Ein Tanzcafé in Schwerin mit einem Bild des sowjetischen Staatsgründers Lenin, Ende der 1950er-Jahre. Bildrechte: dpa
Teilansicht der DDR-typischen HO-Kaufhallen-Bauten (1980)
Ab Ende der 1960er eröffnete die HO zunehmend Kaufhallen mit Waren des täglichen Bedarfs, gut erkennbar an ihrer Architektur. Die Neubauten waren flache Eingeschosser mit zickzackförmigem Dach. Im Bild: Die HO-Kaufhalle in der Greifswalder Straße in Berlin, Anfang der 1980er. Bildrechte: dpa
Metzgerei in Köpenick in Berlin Ost 1985
Trotzdem existierten bis zum Ende der DDR viele Einzelhandelsgeschäfte der HO weiter. Die meist kleinen Läden war spezialisiert. Es gab Verkaufsstellen für Fleisch und Wurst (im Bild eine Metzgerei in Berlin- Köpenick), Obst und Gemüse, ... Bildrechte: imago/Sven Simon
Das Centrum-Warenhaus in Hoyerswerda, aufgenommen im Sommer 1987.
In den folgenden Jahrzehnten bekamen die meisten Bezirksstädte der DDR ein Kaufhaus. Die Warenhäuser der HO firmierten unter der Bezeichnung "Centrum". Bildrechte: dpa
HO Handelsorganisation Kaufhalle DDR
Bei der Eröffnung des ersten HO-Geschäftes in der sowjetischen Besatzungszone am 15.11.1948 in Berlin herrscht großer Andrang. Drei Jahre nach Kriegsende ist die Versorgungslage noch immer schwierig. Bildrechte: dpa
Einer von 57 Imbiss- und Erfrischungskiosken der HO in Berlin (Ost) Aufnahmedatum geschätzt
Die HO besaß nicht nur Geschäfte zum Einkaufen, sondern deckte das ganze Spektrum der Versorgung mit Lebensmitteln und Waren aller Art ab. Es gab Kioske mit Imbiss, ... Bildrechte: IMAGO
Gäste im japanischen Gastzimmer
Auch Sushi in Suhl in der legendären Gaststätte "Waffenschmied" wurde unter dem Dach der HO serviert. Bildrechte: dpa
Indienstellung eines Verkaufbootes der HO zur Versorgung der Wassersportler mit Lebensmitteln auf den Berliner Gewässern
Auch das war die HO - Kundendienst auf und an den Gewässern der Republik. Die Verkaufsboote versorgten Wassersportler, Camper und Baustellen mit Lebensmitteln und anderen Waren. Bildrechte: IMAGO
Hotel Neptun
Und die besten Hotels der DDR gehörten zur HO, zum Beispiel das 1971 eröffnete Hotel "Neptun" direkt am Strand von Warnemünde. Bildrechte: imago/Marco Bertram
HO Handelsorganisation Kaufhalle DDR
Der Trend ging zu größeren Verkaufsflächen. Hier ein Blick in eine HO-Kaufhalle in Leipzig 1973. Bildrechte: dpa
Eingang eines HO-Textilgeschäftes
... für Bekleidung und Stoffe, kurzerhand HO Textil, für Schreibwaren, Haushaltswaren, Spielzeug, aber auch sogenannte Industriewaren wie Werkzeuge und kleine Eisenwaren. Bildrechte: IMAGO
Möbelhaus der Handelsorganisation der DDR am Rosenthaler Platz in Berlin (Ost, 1949)
Von Anfang an setzte die HO aber auch auf große Verkaufshäuser, zum Beispiel für Möbel wie hier in Berlin. Bildrechte: IMAGO
Konsum Warenhaus am Brühl, die Blechbüchse in Leipzig. Aufgenommen am 01.06.1990
In der DDR errichtete Kaufhaus-Neubauten waren leicht an ihren rasterartigen Metallfassaden zu erkennen. Das Warenhaus in Leipzig - zur "Konkurrenz" der Konsum-Genossenschaft gehörend - wurde deswegen nur Blechbüchse genannt. Bildrechte: imago/Detlev Konnerth
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Blick auf ein HO Zeichen an einer Gaststätte
Die HO war das volkseigene, also staatliche, Einzelhandelsunternehmen der wenig später gegründeten DDR. In den ersten Jahren bot die HO sogar Lebensmittel ohne Lebensmittelmarken an. Außerdem gab es lang entbehrte Gebrauchsgüter. Bildrechte: imago/Norbert Fellechner

HO und Konsum vereint im Mangel

Bauarbeiter bauen Schaufenster in Haus ein 5 min
HO Eröffnung Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leidtragende der Entwicklung waren die privaten Betreiber von Einzelhandelsgeschäften. Die genossenschaftlich organisierten Konsum-Einrichtungen dagegen konnten sich behaupten. So kam es, dass es in wohl fast allen Städten und Gemeinden der DDR ein HO-Geschäft und einen Konsum gab. Schlange stehen mussten die Menschen bei beiden, wenn eine Lieferung kam oder etwas Besonderes eingetroffen war. Das hochpreisige Warensegment wurde dann vor allem in den 1970er-Jahren ausgedünnt und in den neuen "Delikat-" und "exquisit"-Läden verkauft.

HO in allen Größen

Blick auf das Centrum Warenhaus in Suhl (Thüringen), aufgenommen 1975.
Das "Centrum"-Warenhaus in Suhl mit der typischen Metallfassade neugebauter Kaufhäuser in der DDR Bildrechte: dpa

Von Anfang an betrieb die HO auch größere Verkausstellen, vor allem für Konsumgüter wie Möbel. Und die Einrichtung von großen Warenhäusern ließ nicht lange auf sich warten. Sie firmierten unter der Bezeichnung "Centrum". Charakteristisch war bei den Kaufhaus-Neubauten die rasterartige Metallfassade. In den 1960er-Jahren ging die HO dazu über, Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs in Kaufhallen anzubieten. Trotz dieser Entwicklung hin zu größeren Verkaufsflächen pro Objekt existierte bis zum Ende der DDR eine Vielzahl kleiner HO-Läden, meist spezialisiert auf eine bestimmte Warengruppe, sei es der Fleischer, das Obst- und Gemüsegeschäft, der Textil-HO, das Spielwarengeschäft, der Schuhladen usw.

Und die HO "machte" nicht nur in Einzelhandel. In der gesamten DDR unterhielt sie zahlreiche Gaststätten, Cafés, Ausflugslokale und sogar Hotels, darunter das bekannte Hotel "Neptun" direkt am Strand von Warnemünde.

Nach 1989 wurde die HO durch die Treuhand verkauft. Die "Centrum"-Warenhäuser gingen in der Regel an die Kaufhaus-Ketten Kaufhof, Karstadt und Hertie. Die Kaufhallen wurden von Supermarktketten übernommen.

(pkl)

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Umschau | 17.04.2018 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 11:02 Uhr

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Leipzig Die Leipziger nannten ihr "konsument"-Warenhaus am Brühl wegen seiner silbrig schimmernden Aluminium-Fassade stets nur "Blechbüchse". 11.500 Quadratmeter Verkaufsfläche auf fünf Etagen besaß das "konsument", in dem in seinen besten Tagen mehr als 1.500 Mitarbeiter beschäftigt waren. Heute gehört das Gebäude mit der auffälligen Fassade zum Einkaufszentrum "Höfe am Brühl". (Aufnahme vom Sommer 1990) Bildrechte: imago/Detlev Konnerth