Mit besonderer Härte

Ist das Handeln Hilde Benjamins aus ihrer Biografie heraus nachvollziehbar?

Eine zentrale Rolle bei den meisten kommunistischen Hardlinern spielt eben dieser unbedingte Glaube an die Ideologie, dass man mit Härte vorgehen muss, um am Ende das Gute zu erreichen ... Aber sie hatte eben die falsche Herkunft. Sie kam ja aus bürgerlichem Hause, hatte studiert und war deshalb innerhalb der Partei eigentlich ein "Fremdkörper". Wir haben das oft in der Geschichte des Kommunismus, dass die bürgerlichen Vertreter aus diesem Defizit heraus, besonders radikal auftreten.

Hinzu kam: Entgegen allen Versprechen war der Kommunismus ja überwiegend eine Männersache, das heißt, sie war dort alleine unter vielen männlichen Funktionären. Und das hat sie herausgehoben und vielleicht auch in besonderer Weise zu einer Antifigur gemacht.

Wie werten Sie in diesem Zusammenhang, die Todesurteile, die Hilde Benjamin gegen zwei Mitglieder der "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" aussprach?

Diese beiden Todesurteile gehören mit zu den dunkelsten Kapiteln der SED-Justiz, weil es sich nicht um die Verfolgung von Taten handelte, sondern um Planungen, die dann aus politischen Gründen in dieser drastischen Art und Weise geahndet wurden.

1950: Waldheimer Prozesse Die Waldheimer Prozesse finden vom 21. April bis zum 29. Juni 1950 im Zuchthaus der sächsischen Kleinstadt statt. In Güterwagen werden über 3.400 Häftlinge aus den sowjetischen Internierungslagern Bautzen, Buchenwald und Sachsenhausen in das Zuchthaus der sächsischen Kleinstadt Waldheim gebracht. Ihnen wird vorgeworfen, Kriegs- bzw. nationalsozialistische Verbrechen begangen zu haben. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist klar, keiner von ihnen wird der stalinistischen Justiz entkommen.

1952: Zwei Todesurteile nach dem Prozess gegen Mitglieder der "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit" Mit dem Fallbeil werden in der zentralen Hinrichtungsstätte Dresden zwei Menschen exekutiert, die Hilde Benjamin zum Tode verurteilt hat. Es sind Mitglieder der von westlichen Geheimdiensten unterstützten antikommunistischen "Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit". Ihnen wird die Planung mehrerer Terrorakte zur Laste gelegt. Das Gnadengesuch des Angeklagten Johannes Burianek wird vom SED-Politbüro abgelehnt. Sein Todesurteil wird am 2. August 1952 vollstreckt.

Johann Burianek wurde 1952 wegen der Anschlagsvorbereitungen auf die Eisenbahnbrücke bei Erkner zum Tode verurteilt und hingerichtet. Der angebliche "Chef-Chemiker" Wolfgang Kaiser wurde im gleichen Jahr verurteilt und hingerichtet. Ihm wurde die Bereitstellung von hochprozentigen Säuren, Brand- und Sprengsätzen sowie Gift vorgeworfen.

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2013, 20:15 Uhr