Kultureller Kahlschlag beendet Liberalisierung Das 11. Plenum 1965: "Unsere DDR ist ein sauberer Staat"

Scheinbar stärker als der Mauerbau wird das 11. SED-Plenum 1965, das eine restriktive Kulturpolitik einleitet, zum einschneidenden Erlebnis. Als Kandidatin des ZK der SED nimmt Christa Wolf daran teil. "Unsere DDR ist ein sauberer Staat", postuliert der 1. Sekretär des ZK der SED, Erich Honecker, in seiner Rede. Ein Exempel soll statuiert werden gegen "modernistische, "anarchistische" oder "nihilistische" Strömungen in Kunst, Literatur oder Film; gegen die "Verabsolutierung der Widersprüche" und die Anwendung des Begriffs "Entfremdung" auf die DDR-Verhältnisse wird zu Felde gezogen.

Infolge werden zwölf Filme - darunter "Spur der Steine" - also ein ganzer DEFA-Jahrgang, verboten. Theaterstücke, Radio- und Fernsehsendungen werden abgesetzt, Bücher kommen nicht in Druck. Als Übeltäter werden namentlich Autoren wie Heiner Müller, Stefan Heym, Peter Hacks, Volker Braun oder Werner Bräunig genannt.

Als einzige widerspricht in diesem geschlossenen Funktionärszirkel Christa Wolf. Sie verteidigt Werner Bräunig. Der Autor, der 1959 noch den Aufruf zur 1. Bitterfelder Konferenz verfasste, nun aber mit seinem Wismut-Roman "Rummelplatz" wegen angeblicher Beleidigung der Werktätigen und der sowjetischen Partner auf so harsche Ablehnung stößt, dass er die Arbeit an dem Roman später abbricht. Christa Wolf mahnt auf dem Plenum, dass das "freie Verhältnis zum Stoff" nicht wieder verloren gehen dürfe, gleichzeitig bekennt sie sich zur DDR, nur dort wolle sie leben und schreiben. Doch ihre Rede, die überzeugen und wachrütteln soll, wird als Provokation aufgefasst. Gleichwohl wird sie durch ihr Auftreten zur Identifikationsfigur der Intellektuellen.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 14:57 Uhr