Und plötzlich fiel die Mauer ...

"Alles begann in Danzig!"

Stimmen aus Osteuropa zum Mauerfall

Michail Gorbatschow, 1985
Michail Gorbatschow schlief in seiner Wohnung, als in Berlin die Mauer fiel. Der Generalsekretär der KPdSU und Oberbefehlshaber der Sowjetischen Streitkräfte wurde von seinen Mitarbeitern nicht geweckt. Das sei auch nicht nötig gewesen, sagte Gorbatschow Jahre später, denn die Position der UdSSR sei klar gewesen: Das geteilte Deutschland ist eine Zeitbombe, mit der Europa auf Dauer nicht leben kann. Er sei jedenfalls davon überzeugt gewesen, dass die Wiedervereinigung der Deutschen im Interesse aller gewesen sei. Auch wenn damals sowohl Großbritannien als auch Frankreich zunächst dagegen waren. (Stern, 13. 3. 2013) Bildrechte: IMAGO
Michail Gorbatschow, 1985
Michail Gorbatschow schlief in seiner Wohnung, als in Berlin die Mauer fiel. Der Generalsekretär der KPdSU und Oberbefehlshaber der Sowjetischen Streitkräfte wurde von seinen Mitarbeitern nicht geweckt. Das sei auch nicht nötig gewesen, sagte Gorbatschow Jahre später, denn die Position der UdSSR sei klar gewesen: Das geteilte Deutschland ist eine Zeitbombe, mit der Europa auf Dauer nicht leben kann. Er sei jedenfalls davon überzeugt gewesen, dass die Wiedervereinigung der Deutschen im Interesse aller gewesen sei. Auch wenn damals sowohl Großbritannien als auch Frankreich zunächst dagegen waren. (Stern, 13. 3. 2013) Bildrechte: IMAGO
Gespräch am Runden Tisch in Warschau: Tadeusz Mazowiecki, Lech Walesa, Wladyslaw Frasyniuk
Lech Walesa bestritt bereits im November 1989 vehement, dass der Mauerfall vor allem der Politik Michail Gorbatschow zu verdanken sei. Es sei "eine Lüge", dass Gorbatschow die Mauer zu Fall gebracht habe, sagte der polnische Friedensnobelpreisträger damals. Viel wichtiger sei die Rolle des damaligen Papstes Johannes Paul II. und der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc gewesen, die Walesa selbst anführte. "Es macht mich heute traurig, dass Helden aus denen gemacht werden, die keine waren", sagt Walesa. Gorbatschow habe weder den Kommunismus noch die Berliner Mauer stürzen wollen, denn "das lag nicht auf seinem Weg". "Die Wahrheit ist, dass Papst Johannes Paul II. zu 50 Prozent zum Mauerfall beigetragen hat, 30 Prozent die Solidarnosc und Lech Walesa und nur 20 Prozent der Rest der Welt", sagte Walesa. Der polnische Papst habe seinerzeit die Völker Europas aufgerufen, das "Gesicht der Welt zu verändern", und seine Botschaft habe die Menschen ermutigt, die Politiker zu Veränderungen zu zwingen. (Spiegel online, 9.11.2009) Bildrechte: IMAGO
Valentin Falin
Der Leiter der Internationalen Abteilung des ZK der KPdSU und Vertraute Michail Gorbatschows, Valentin Falin, erfuhr vom Mauerfall erst am Morgen des 10. November, und zwar nicht vom KGB oder den Genossen aus Ost-Berlin, sondern aus den Meldungen der Nachrichtenagenturen: "Mein erster Gedanke war, die Öffnung der Grenze auf diese Art ist das Ende dieser Republik." Bildrechte: IMAGO
Henryk Wujec
Es sei durchaus schmerzhaft für die Polen gewesen, dass nicht die Danziger Lenin-Werft, die Gewerkschaft Solidarnosc oder der polnische Papst weltweit zum Symbol für das Ende des Sozialismus wurden, sondern der Fall der Mauer, sagt der Solidarnosc-Aktivist Henryk Wujec, der 1989 für die unabhängige Gewerkschaft mit am polnischen „Runden Tisch“ saß. "Der ‚Runde Tisch‘", so Wujec, "ist aber ein Möbelstück, das sich nicht gut als Symbol eignet. Der Solidarnosc-Schriftzug ist zu polnisch, Papst Johannes Paul II. wieder zu universal. Lech Walesa zerstörte seinen Ruhm als Arbeiterheld in der Zeit seiner Präsidentschaft, dazu kamen später noch die Vorwürfe aus dem Institut des Nationalen Gedenkens, dass Walesa als Spitzel IM ‚Bolek‘ für die Stasi gearbeitet habe. Polen hat kein gutes Symbol. Der Mauerfall ist halt ein größeres Symbol. Aber es ist trotzdem so: Alles begann in Danzig." (TAZ, 05. 02. 2009) Bildrechte: IMAGO
Eduard Schewardnadse
Nach der Maueröffnung am 9. November hätten sowohl führende Militärs als auch Hardliner im ZK der KPdSU gefordert, "an den Grenzen die Eingreif- und Sperrdivisionen aufzustellen und die Panzermotoren anzulassen", erinnerte sich Eduard Schewardnadse. "Wir werden eine Millionenarmee schicken, die wieder die Grenze schließt!", soll ein hochrangiger Funktionär Schewardnadse zufolge gedroht haben. "Das alles bewegter sich", so der damalige sowjetische Außenminister, "doch an der Grenze eines Dritten Weltkrieges. In der DDR stand immerhin eine halbe Million bis an die Zähne bewaffneter sowjetischer Soldaten. Ein selbstherrlicher Kommandeur hätte eine Katastrophe auslösen können …" (Spiegel 15. 04. 1991; TAZ, 9. 11. 2009) Bildrechte: IMAGO
Erzbischof Alfons Nossol
Für den polnischen Erzbischof Alfons Nossol war der Fall der Berliner Mauer „der Anfang der Freiheit Europas“. "Jetzt geht es europäisch los", dachte er damals. "Bis dahin war alles nur so Solidaritätsartig, bedingt durch die Solidarnosc-Bewegung. Nach dem Mauerfall konnte man dann sehen, dass die Freiheit immer konkreter zu uns kommt, offiziell, politisch.“ Alle hätten sich damals "riesig gefreut", so Nossol, "außer den kommunistischen Eliten, natürlich". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Deutschland grenzenlos

Die Verwandlung des Todesstreifens

In den 1980er Jahren wanderte der westdeutsche Fotograf Jürgen Ritter an der innerdeutschen Grenze entlang. 20 Jahre später machte er sich erneut auf den Weg und dokumentierte die Veränderungen im einstigen Grenzgebiet.

Elbedeich, bei Lauenburg 1984/2013
Über eine Strecke von knapp 100 Kilometern war die Elbe innerdeutscher Grenzfluss. Hier die Grenzanlagen beim schleswig-holsteinischen Lauenburg 1984 und der Deich in einer Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Elbedeich, bei Lauenburg 1984/2013
Über eine Strecke von knapp 100 Kilometern war die Elbe innerdeutscher Grenzfluss. Hier die Grenzanlagen beim schleswig-holsteinischen Lauenburg 1984 und der Deich in einer Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Berlin Bernauer Straße /Gartenstr. 1982/2012
Grenze an der Bernauer Straße/Gartenstraße in Berlin, Aufnahme von 1982. Heute befindet sich dort die Gedenkstätte Berliner Mauer, Aufnahme von 2012. Bildrechte: Jürgen Ritter
Berlin Mauerkreuze in der Nähe des Spreeufers am Reichstag erinnern an die Mauertoten. - Fahrradfahrer vor dem im Boden eingelassenen Mauererinnerungsstreifen.
In West-Berlin gedenken die Menschen in der Nähe des Spreeufers am Reichstag mit Kreuzen der Mauertoten, Aufnahme von 1982. Heute erinnert ein in den Boden eingelassener Streifen an die Mauer, Aufnahme von 2012. Bildrechte: Jürgen Ritter
Berlin Zimmerstraße "Trabi World" 1982 und 2012
Die Mauer an der Zimmerstraße in Berlin, Aufnahme von 1982. Heute ist dort Ostalgie angesagt, Aufnahme von 2012. Bildrechte: Jürgen Ritter
Berlin, Ebertstraße 1985/2013
Das Wahrzeichen Berlins, das Brandenburger Tor, befand sich seit dem Mauerbau am 13. August 1961 mitten im Sperrgebiet und konnte weder von Osten noch von Westen durchquert werden. Am 22. Dezember 1989 wurde es wieder geöffnet. Bildrechte: Jürgen Ritter
Versöhnungskirche Berlin Bernauer Straße 1982/2012
Die Versöhnungskirche an der Bernauer Straße in Berlin lag direkt im Mauerstreifen und wurde 1985 auf Betreiben der DDR-Regierung gesprengt, Aufnahme von 1982. Nach der Wende ließ die Gemeinde an dieser Stelle die Versöhnungskapelle errichten, Aufnahme von 2012. Bildrechte: Jürgen Ritter
Verbindungsstraße zwischen Neustadt und Sonneberg 1985/2013
Nur wenige Kilometer liegen zwischen der thüringischen Stadt Sonneberg und dem fränkischen Neustadt. Früher trennte sie die innerdeutsche Grenze. Aufnahmen von 1985 und 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Grenzschneise bei Görsdorf bei Sonneberg 1984/2010
Bäume und Büsche hatten auf dem Todesstreifen an der grünen Grenze, wie hier beim thüringischen Görsdorf bei Sonneberg, nichts zu suchen. Aufnahme von 1984. Noch heute ist der Verlauf der ehemaligen Grenze am Baumwuchs klar zu erkennen. Aufnahme von 2010. Bildrechte: Jürgen Ritter
Straße zwischen Eichholz nahe Lübeck und Herrnburg 1984/2013
Herrnburg in Mecklenburg-Vorpommern lag früher in der ostdeutschem Sperrzone, die man nur mit Sondergenehmigung betreten durfte, Aufnahme von 1984. Heute ziehen die Menschen wegen der Nähe zur Hansestadt Lübeck gern hierher, Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Oebisfelde, an der Bahnstrecke Wolfsburg-Berlin 1982/2013
Die Grenze in Oebisfelde in Sachsen-Anhalt, Aufnahme 1982. Heute führt hier die ICE-Strecke von Hannover nach Berlin vorbei, Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Potsdam, Straße am Waldrand 1982/2010
Die Straße "Am Waldrand" in Potsdam lag früher auch am "Zonenrand". Der Wald gehörte zu West-Berlin. Aufnahmen von 1982 und 2010 Bildrechte: Jürgen Ritter
Die Mauer bei Oebisfelde 1984/2013
Ein Turm ist weg: Blick auf Oebisfelde in Sachsen-Anhalt 1984 und 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Hötensleben Kreis Oschersleben 1982/2011
Das Dorf Hötensleben in Sachsen-Anhalt lag direkt an der Grenze, Aufnahme von 1982. Heute kommt man auf direkten Weg nach Niedersachsen, Aufnahme von 2011. Der Ort hat einen Teil der Grenzanlagen als Denkmal stehen gelassen. Bildrechte: Jürgen Ritter
Grenzstreifen in Asbach 1984/ 2013
Das thüringische Asbach lag unmittelbar in der Nähe der innerdeutschen Grenze, Aufnahme von 1984. Dort, wo man früher in Todesgefahr war, wird heutzutage Fußball gespielt, Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter
Waddekath, nahe Wittingen Nds. Verbindungsstraße 1984/2013
Die Grenze bei Waddekath in Sachsen-Anhalt. Aufnahmen von 1984 und 2013 Bildrechte: Jürgen Ritter
an der B6 bei Stapelburg östlich von Eckertal 1984/2013
Stapelburg in Sachsen-Anhalt, hier in Aufnahmen von 1984 und 2013, ist heute ein Ausgangspunkt für Wanderungen auf dem Harzer Grenzweg. Bildrechte: Jürgen Ritter
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Elbedeich, bei Lauenburg 1984/2013
Über eine Strecke von knapp 100 Kilometern war die Elbe innerdeutscher Grenzfluss. Hier die Grenzanlagen beim schleswig-holsteinischen Lauenburg 1984 und der Deich in einer Aufnahme von 2013. Bildrechte: Jürgen Ritter

Über dieses Thema berichtet MDR Aktuell auch im TV:

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09.11.2018 | 19:30 Uhr