Geschichte Mitteldeutschlands Meine Geschichte: 30 Jahre Saurierpark Kleinwelka

Sendung vom 19.07.2011

Aus dem neuen "Kinderzimmer" für seine Töchter wurde ein Abenteuerspielplatz und ein Lebenswerk: Mehr als 600 Saurier-Plastiken hat Franz Gruß, der 2006 starb, der Nachwelt hinterlassen. Heute kann man rund 200 davon Kleinwelka bei Bautzen bestaunen. Wie es vor rund 30 Jahren zu dieser größten Freiluftausstellung ihrer Art kam, erzählt seine Frau Rosemarie.

Der in seiner Größe und Art in Deutschland einmalige Sauerierpark Kleinwelka gehört zweifellos zu den Attraktionen in Mitteldeutschland. Unweit von Bautzen in Sachsen gelegen, entwickelte sich die Anlage bereits kurz nach der Eröffnung vor rund 30 Jahren zu einem Touristenmagneten. Mit viel Leidenschaft, Kraft und auch einem Quäntchen Glück hatte der gelernte Dekorationsmaler Franz Gruß den Grundstein dafür gelegt.

Vom "Kinderzimmer" zur Freiluftausstellung in Großwelka

Franz Gruß beschäftigte sich schon einige Zeit mit der Nachbildung der Urviecher, als er Ende der 1970er-Jahre auf die Idee kam, für zwei seiner Töchter ein "Saurier-Kinderzimmer" zu bauen. Angesichts der Größe der Objekte musste er dazu freilich die Wohnung der Familie verlassen. Mehrgeschossige Saurier aus Zement und Metall entstanden, in denen die Töchter ihre Kindheit verlebten. Franz Gruß konstruierte und baute immer weiter, mit dem Anspruch, seinen Arbeiten die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse der Saurierforschung zu Grunde zu legen. Die entsprechenden Bücher mit Plänen und Bilder besorgte sich der fleißige Künstler zuweilen auch aus dem Westen.

Auf dem privaten Grundstück der Familie in Großwelka wuchs so nach und nach ein ganzer Sauriergarten. Franz Gruß' Frau Rosemarie erinnert sich noch genau, wie er den Garten mit den ersten Exponaten als Ausstellung für das Publikum eröffnete.

Er hat ein Riesenschild am Tor aufgestellt und wir haben alle gedacht: Das wird ein Maiplakat. Es war ja vor dem 1. Mai. Als wir es uns genau angesehen haben, waren da Viecher drauf, aber wir kannten ja keine Saurier.

Rosemarie Gruß Barbarossa

Eintritt für die Ausstellung durfte allerdings nicht verlangt werden, handelte es sich doch um eine rein private Initiative. Lediglich kleine Material-Spenden gab es, waren doch gerade die Baustoffe in der DDR Mangelware. Als einmal die Metallgerüste der teilweise 20 Meter hohen Saurier durch frisch geschlagenes Holz ersetzt werden konnten, sah es leider gerade mit dem Zement schlecht aus. Aber auch davon ließ sich Franz Gruß nicht abhalten.

All unsere Verwandten und Bekannten haben uns ihr Kontingent gesponsert, zum Teil auch verkauft. Dann sind wir auch in die großen Waggons gegangen, wenn sie Zement ausgeladen hatten, und haben uns den Rest, der aus den kaputten Tüten herausgefallen war, zusammengekehrt.

Rosemarie Gruß Barbarossa

Im Auftrag der Gemeinde expandieren die Saurier nach Kleinwelka

Unter dem kritischen Blick des einen oder anderen Häuslebauers und Gartenfreundes, der Franz Gruß um die Baustoffe beneidete, erhielt der Künstler 1981 den offiziellen Auftrag seiner Gemeinde, für einen neuen Saurierpark in Kleinwelka zu arbeiten. Längst war seine Freiluftausstellung im Sauriergarten bereits über die Stadt und die Region hinaus bekannt geworden. An den Wochenenden oder an den Feiertagen kamen Tausende Besucher.

Franz Gruß wurde ein bekannter, aber kein reicher Mann. Der Eintritt für den neu entstandenen Sauerierpark auf einem Freigelände gleich neben dem heimischen Garten, wanderte in die Stadtkasse. Der Künstler arbeitete nun unter der Woche von sieben bis 16 Uhr für die Stadt. An den Wochenenden modellierte er im eigenen Garten weiter und schuf über die Jahre so rund 600 Plastiken.

Man hat ihn nicht bremsen können. Nie, mit nichts. Niemals. Er war richtig besessen von seiner Idee. Er wollte der Menschheit so viel wie möglich hinterlassen.

Rosemarie Gruß Barbarossa

Lebenswerk und Touristenmagnet

Spielen und Saurierknochen ausgraben - all das kann man in Kleinwelka
Spielen und Saurierknochen ausgraben - all das kann man in Kleinwelka Bildrechte: FOTOGRAFISCH-Juliane Mostertz

Der Saurierpark in der beschaulichen Lausitz erlangte bald in der ganzen DDR Berühmtheit. In unzähligen Berichten, Reportagen und Kindersendungen des DDR-Fernsehens wurde darüber berichtet. Saurierpark und -garten überstanden die Wende und ziehen nach wie vor das Publikum an. Bis zum 25. Jubiläum wurden fünf Millionen Besucher gezählt. Franz Gruß wurde für seine Leistungen vielfach ausgezeichnet. Er starb im Jahr 2006 und hinterließ ein Lebenswerk, das noch lange kleine und große Dino-Fans begeistern wird.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 13:13 Uhr