Fangeschichten: Die andere Seite des DDR-Fußballs (2)

Internationales Flair für die kleine DDR

In den 1970er-Jahren sollte der große Sprung für den DDR-Fußball gelingen. In der DDR-Oberliga waren die Verhältnisse geklärt, der ein oder andere Verein umbenannt oder auf der Landkarte durch die ganze Republik geschoben. Seit den 1970er-Jahren schafften es die Vereine regelmäßig in die Viertel- und Halbfinale des Europapokals. Vor allem die Mannschaften aus Magdeburg, Jena und Dresden machten international auf den DDR-Fußball aufmerksam. Ebenfalls ein Magdeburger war es, der den wahrscheinlich größten Erfolg des DDR-Fußballs auf dem Schuh hatte: Das unvergessene 1:0 durch Jürgen Sparwasser gegen die Nationalmannschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Endrunde der Europameisterschaft 1974 beflügelte den DDR-Fußball bis in die 1980er-Jahre hinein.

Doch der internationale Erfolg hatte auch seine Schattenseiten: Einerseits hatte sich die Qualitätssteigerung in der Liga gelohnt, anderseits nutzen nun Spieler die Auslandsaufenthalte gerne zur Flucht. Besonders hart traf es aber auch die Fans, die ihre Vereine auf diese Spiele nicht begleiten konnten. Ausgewählte Fans, zumeist politisch gefestigt, saßen in den westlichen Stadien auf den Rängen. Diejenigen, die ihre Mannschaften aber mit Fangesängen und Anfeuern zu Hochleistungen verhalfen, blieben meistens zu Hause.

Die einzigen, die das Spiel besuchen durften, waren nun mal ... DDR-Funktionäre. Und wir saßen zu Hause. Das war für mich ein erster großer Bruch. […] Da ist in ganz vielen Köpfen sehr viel zerbrochen.

Frank Willmann

Meister-"Abonnements"

In der Spitzenzeit des DDR-Fußball wurde die heimische Oberliga von den international erfolgreichen Mannschaften dominiert. Als der Erfolg Anfang der 1980er-Jahre ausblieb, fiel es nicht nur dem treuen Fan auf, dass eine Mannschaft dennoch steigenden Erfolg in der Liga hatte: Der durch Erich Mielke protegierte BFC Dynamo sollte nicht nur an die Erfolge der 1970er-Jahre anknüpfen, sondern auch die Vorzeigemannschaft der DDR werden. Wie weit die Unterstützung ging, ist bis heute nicht geklärt. Gerüchte von Manipulationen und Bevorzugung der Mannschaft halten sich weitaus hartnäckiger, als der gute Ruf, den der Verein damals in der Jugendarbeit hatte.

Ja, da hat uns Mielke ein bisschen zu sehr geliebt. Und wir ihn dafür etwas weniger. […] Man hätte sich auch über 5,6,7 Meisterschaften mehr gefreut als über 10. Da wurde so ein Verein auch von seinem größten Förderer kaputtgemacht.

Andreas Gläser, Autor "Bambule Berlin

Was auch immer an den Mythen vom "Schiebemeister" bis hin zum "Schand-Elfmeter von Leipzig" wirklich dran ist, es hat dem DDR-Fußball nicht dazu verholfen, dass ihm alle Fans die Treue gehalten haben. Einige wendeten sich ab und andere drifteten Ende der 1980er-Jahre in eine gewaltbereite Szene ab, die sich auch in der DDR bildete.

Das Ende der DDR besiegelte auch das Ende des DDR-Fußballs, aber nicht das Ende der Fankultur: Zur Weltmeisterschaft 1990 bejubelten Fans aus beiden Teilen Deutschlands bereits eine Nationalmannschaft und auch viele ehemalige Vereine aus der DDR haben zusammen mit ihren Fans den Sprung in die bundesdeutschen Ligen geschafft.

Buchtipps Frank Willmann: "Zonenfußball. Von Wismut Aue bis Rotes Banner Trinwillershagen"
223 Seiten
Berlin: Neues Leben 2011
ISBN: 978-3-355-01792-3

Andreas Gläser: "Bambule Berlin"
190 Seiten
Berlin: I.P.-Verlag Jeske/Mader 2010
ISBN: 978-3-931624-63-7