Jahrestag: 22.06.1990 Demontage des Grenzkontrollpunkts "Checkpoint Charlie"

Am 22.06.1990 ist in Berlin der Grenzkontrollpunkt "Checkpoint Charlie" im Beisein der Außenminister der vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges, der DDR und der BRD demontiert worden. Dreißig Jahre danach gibt es eine Nachbildung und viele Touristen. Doch was heute mitunter wie ein Spektakel anmutet, hatte vor der friedlichen Revolution eine dunkle Seite.

Trabis am Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin im November 1989
Trabis und Menschenmassen bevölkern den berühmten Grenzübergang Checkpoint Charlie in Berlin im November 1989. Bildrechte: dpa

Der sogenannte Checkpoint Charlie zählte zu den bekanntesten Grenzübergängen des geteilten Berlin. Er war und ist das Symbol der geteilten Stadt. Der Kontrollpunkt - mitsamt dem berühmten Wachhäuschen - wurde 1961 zusammen mit der Mauer errichtet. Er verband den West-Berliner Bezirk Kreuzberg des Amerikanischen Sektors mit dem Ost-Berliner Bezirk Mitte des Sowjetischen Sektors. Bekannt wurde der Checkpoint Charlie, als sich dort im Oktober 1961 gefechtsbereite US- und Sowjet-Panzer gegenüberstanden. Damals drohte der Kalte Krieg zu eskalieren.

1990 wurde das Wachgebäude entfernt. Minutenlang schwebte die Barracke des weltberühmten Berliner Grenzübergangs Checkpoint Charlie dabei in der Luft. Nur, um später nachgebildet und eine Attraktion bei Touristen zu werden ...

Der Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße in Berlin ist wegen des Coronavirus menschenleer.
So sieht Checkpoint Charlie heute aus. Die Ruhe trügt - die Aufnahme wurde während des Lockdowns in der Coronazeit aufgenommen. Bildrechte: dpa

Dreißig Jahre nach dem Mauerfall ist der einstige Kontrollpunkt jedes Jahr ein Anziehungspunkt für Millionen Touristen. Das Verwenden alter Uniformen stößt dabei bisweilen bitter auf. Mittlerweile ist die Mauer länger weg, als sie stand und doch spielt sie in Berlin noch immer eine Rolle. Geschichtsinteressierte finden Informationen darüber in den vielen Museen und Gedenkstätten der Stadt. Zu den meistbesuchten gehören das Museum am Checkpoint Charlie und die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße.

Tod an der Mauer

Gedenkkreuze für die Mauertoten in der Nähe des Berliner Reichstages, rechts das Kreuz für den letzten Mauertoten Chris Gueffroy (Foto vom 28.01.2014).
Gedenkkreuze für die Mauertoten in der Nähe des Berliner Reichstages, rechts das Kreuz für den letzten Mauertoten Chris Gueffroy (Foto vom 28.01.2014). Bildrechte: IMAGO

Über die Anzahl der Mauertoten gibt es unterschiedliche Angaben. Als Mauertote werden Menschen bezeichnet, die hier zwischen dem Beginn des Mauerbaus, also dem 13. August 1961 und dem 9. November 1989 auf der Flucht aus der DDR ums Leben kamen. Die "Arbeitsgemeinschaft 13. August", Betreiberin des Mauermuseums am Checkpoint Charlie, ging im Jahr 2009 von 245 Maueropfern und 38 natürlichen Sterbefällen aus.

Viele Fälle blieben bis nach der deutschen Wiedervereinigung unentdeckt, andere - wie der Tod von Peter Fechter - gelangten in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit: Peter Fechter liegt 1962 schwerverletzt im Todesstreifen. Vier Grenzsoldaten hatten auf ihn geschossen. Auch hinter der Mauer, im Westen, ist sein Schreien um Hilfe zu hören. Doch Peter Fechter bekommt keine Hilfe. Eine Dreiviertelstunde liegt er mit einer offenen Bauchwunde langsam sterbend am Boden.