Die kuriose Geschichte einer DDR-Farbfernsehproduktion "Der Kleine Prinz" und die fehlende Lizenz

New York - Ausstellung "Der kleine Prinz" Zeichnung auf zerknittertem Papier.
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"Der kleine Prinz" sollte der Einstieg ins Zeitalter des Buntfernsehen der DDR werden. Das in New York 1943 erstmals erschienene Werk von Antoine de Saint-Exupéry kam 1965 erstmals in die Buchregale der DDR. Für die Verfilmung des modernen Märchen für Erwachsene und Kinder griff die DEFA tief in die Taschen, aus den anfänglich geplanten 600.000 Mark wurden im Laufe der Produktion eine Million. "Einmalige Ausnahmeregelungen" wurden zugelassen - begründet mit der kulturhistorischen Bedeutung für das DDR-Fernsehen. Konkret bedeutete das höhere Tagesgagen und Honorare für den gesamten Filmstab, wie Unterlagen im Deutschen Rundfunkarchiv zum Film belegen.

Aufwändige Produktion mit großen Stars

Christel Bodenstein spielte 1957 in "Das singende, klingende Bäumchen" die Prinzessin.
Christel Bodenstein als Prinzessin in "Das singende, klingende Bäumchen" Bildrechte: MDR/DEFA

Eingekauft wurden Stars wie Christel Bodenstein als Prinz, Wolfgang Heinz als König und Klaus Piontek als Fuchs. Manfred Krug gab dem Film seine Stimme als Sänger. Als Regisseur wurden Konrad Wolf udn als Drehbuchautor Angel Wagenstein verpflichtet. Gedreht wurde vom 9. November 1965 bis zum 9. Januar 1966. Es gab zwar noch keinen konkreten Sendetermin, doch die Einführung des Farbfernsehens schien in den kommenden Jahren absehbar.

Gespart wurde an sozialistisch unliebsamen Charakteren

Die Verfilmung selbst hält sich nahe am Original, auf zwei Charaktere wird jedoch verzichtet: Der Säufer vom 3. und der Geograph vom 6. Stern. Alkohol galt als im sozialistischen Duktus als "Bremse des Fortschritts". Alkoholismus war in der DDR in den 60er-Jahren demzufolge ein Tabuthema. Das gleiche gilt für den Geographen. Heißt es doch im Buch: »Was ist ein Geograph?" - "Das ist ein Gelehrter, der alle Meere, Flüsse, Städte, Berge und Wüsten kennt." "Das ist sehr interessant", sagte der kleine Prinz. "Das ist endlich ein echter Beruf!" Jedoch keiner, mit dem Bewohner der eingeigelten DDR in ihren engen Grenzen abends beim Fernsehen konfrontiert werden sollten.

Von den Mühlen der Politik

Die teure Produktion geriet 1966 scheinbar unter kulturpolitische Räder – als die SED-Führung die Kulturschaffenden der DDR wegen systemkritischer Fernsehproduktionen wie zum Beispiel "Spur der Steine" anzählte. Ein Streit ums Geld entbrannte, die DFF, die den Film bei der DEFA in Auftrag gegeben hatte, stoppte plötzlich die Zahlungen, nach einem Rüffler aus der Politik. "Der kleine Prinz" war zwar fertig produziert. Er kam auch ohne Beanstandungen durch die Zensur. Gezeigt wurde er dann aber Jahre später: Am 21. Mai 1972, im zweiten Programm des DFF, ohne weitere Hinweise oder Werbung auf das einst so ambitionierte und teure Werk. Warum? Es gab schlichtweg keinen Lizenzvertrag zwischen dem Buchverlag Editions Gallimard und dem DFF. Man hatte zwar im Vorfeld die Rechtefrage angesprochen, soviel ist in den Unterlagen, die dem DRA vorliegen, belegt. Ein Vertrag zwischen dem französischen Verlag und der DEFA über die Verfilmungsrechte liegt jedoch nicht vor.

Und heute?

Seit dem 1. Januar 2015 ist die Schutzfrist der literarischen Vorlage von Antoine de Saint-Exupéry abgelaufen; das Filmwerk von Konrad Wolf und Angel Wagenstein dagegen urheberrechtlich noch geschützt und schlummert beim Deutschen Rundfunkarchiv in den Regalen.

MDR Kultur | 04.06.2017 | 07:05 Uhr "Der kleine Prinz" - Hörspiel für Kinder

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MDR Kultur | 07.12.2016 | 06:20 Uhr "Der kleine Prinz" kommt ins Kino

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Was darf man von der Verfilmung dieses KLassikers erwarten? Ein Filmtipp von MDR Kultur.