Dietrich Bonhoeffer (undatiertes Archivbild)
Bildrechte: dpa

Hingerichtet am 09.04.1945 Dietrich Bonhoeffer: Theologe und Dissident

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer war einer der ersten, der die Kirche in Deutschland aufforderte, ihre Stimme für die Juden zu erheben. Er wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet.

Dietrich Bonhoeffer (undatiertes Archivbild)
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Dietrich Bonhoeffer wird am 4. Februar 1906 als sechstes von acht Kindern in Breslau geboren. Der Vater, Karl Bonhoeffer, ist ein renommierter Psychiater und Neurologe und wird später Leiter der Berliner Charité. Seine Mutter Paula ist von adliger Abstammung. Die Familie gehört zum Bildungsbürgertum, führt ein weltoffenes Haus, wo der Drill von Schule und Militär kritisch betrachtet wird.

1923 entschließt sich Bonhoeffer zum Theologiestudium – seine christliche, aber nicht sehr religiös geprägte Familie zeigt sich von seinem Studienwunsch nicht gerade begeistert. Bis 1927 studiert er evangelische Theologie in Tübingen, Rom und Berlin, wo er promoviert. Ein Jahr später zieht es ihn ins Ausland: An der deutschen Kirche in Barcelona absolviert Dietrich Bonhoeffer sein Vikariat. Danach folgt die Habilitation mit gerade 24 Jahren an der Universität Berlin.

Wir sind stumme Zeugen böser Taten gewesen, wir sind mit vielen Wassern gewaschen, wir haben die Künste der Verstellung und der mehrdeutigen Rede gelernt, wir sind durch Erfahrung misstrauisch gegen die Menschen geworden und mussten ihnen die Wahrheit und das freie Wort oft schuldig bleiben, wir sind durch unerträgliche Konflikte mürbe oder vielleicht sogar zynisch geworden - sind wir noch brauchbar?

Theologe Dietrich Bonhoeffer, 1943

New York - wo Kirche berührt

Der dann folgende Studienaufenthalt in New York am Union Theological Seminary wird ihn nachhaltig prägen. Bonhoeffer lernt dort die Gottesdienste der schwarzen Gemeinden in Harlem kennen, ihre Musik, die Spirituals. Am meisten beeindruckt ihn aber der leidenschaftliche Stil des Predigens. In der Zeit wirtschaftlicher Not und Verelendung erkennt er, dass die Kirche hier ganz praktisch den Schwächeren hilft, gerade mit dem konkreten politischen und sozialen Engagement für die Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung.

Später wird er sagen, dass er in den Vereinigten Staaten zum Christ geworden sei, zuvor sei er nur Theologe gewesen. Bonhoeffer ist einer der ersten, der die Kirche in Deutschland dazu auffordert, ihre Stimme für die Juden zu erheben.

Studentenpfarrer in Berlin

Nach seiner Rückkehr aus Übersee wirkt er in Berlin als Studentenpfarrer. Von 1933 bis 1935 nimmt er eine Pastorenstelle an der deutschen evangelischen Gemeinde Londons an. Schon kurz nach Hitlers Machtergreifung tritt Dietrich Bonhoeffer der Bekennenden Kirche bei, für die er ab 1935 das Priesterseminar in Finkenwalde/Pommern leitet. Noch im selben Jahr lässt der Reichskirchenminister das Seminar für illegal erklären, 1937 wird es endgültig geschlossen. All diese Repressalien halten Bonhoeffer aber nicht davon ab, weiterhin zu unterrichten - und zwar heimlich.

Entscheidung für den aktiven Widerstandskampf

Eine weitere Reise nach New York bringt ihm 1939 das verlockende Angebot einer Professur: Bonhoeffer lehnt ab, weil er dem "christlichen Volk in Deutschland" beistehen will und kehrt zurück nach Deutschland. 1940 erhält er nach weiteren illegalen Seminaren Redeverbot und muss sich regelmäßig polizeilich melden. Über seinen Schwager Hans von Dohnanyi erhält er eine sogenannte Unabkömmlichkeitsstellung beim militärischen Geheimdienst von Admiral Canaris. Dort befindet sich eine Widerstandszelle, die Attentatsversuche gegen Hitler unterstützt und organisiert. Bonhoeffer hält ins Ausland Kontakt und informiert englische Freunde über die Vorhaben der deutschen Widerständler.

Nach den gescheiterten Hitler-Attentaten 13. und 21. März 1943 wird Bonhoeffer wegen "Wehrkraftzersetzung" verhaftet, das Verfahren allerdings nicht eröffnet. Nach dem misslungenen Stauffenberg-Attentat auf Hitler kann Bonhoeffer zunächst keine Beteiligung nachgewiesen werden. Erst als zufällig in einem Geheimarchiv der Abwehr Tagebuchaufzeichnungen eines Mitverschwörers gefunden werden, wird er der konspirativen Tätigkeiten überführt. Am 7. Februar 1945 wird er in das KZ Buchenwald verlegt, Anfang April 1945 ins KZ Flossenbürg.

Noch kurz vor seiner Verhaftung verlobt sich Bonhoeffer mit der jungen Maria von Wedemeyer. Obwohl der Krieg längst verloren war, ordnet Hitler Anfang 1945 die Ermordung aller inhaftierten Widerstandskämpfer an. Dietrich Bonhoeffer wird am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet.

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2010, 15:10 Uhr