Blick ins neue Rudolf-Harbig-Stadion einen Tag vor der Eröffnung am 15. 09.2009
Bildrechte: MDR/Uwe Klost

Stadien von Dynamo Dresden Das Rudolf-Harbig-Stadion in Dresden

Im Rudolf-Harbig-Stadion feierte Dynamo Dresden seine größten Erfolge. 2007 wurde es abgerissen und ein modernes Stadion errichtet. Doch die neue Arena stellt den Verein vor ernste Probleme.

Blick ins neue Rudolf-Harbig-Stadion einen Tag vor der Eröffnung am 15. 09.2009
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"Mit der Einweihung des neuen Stadions kehrt Dresden auf die Weltkarte des Fußballs zurück", schwärmte Oberbürgermeisterin Helma Orosz im September 2009 in ihrer Eröffnungsrede. Denn das nach 22 Monaten Bauzeit neu errichtete Rudolf-Harbig-Stadion würde immerhin eine der Spielstätten bei der Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 sein und ebenso bei der U20-WM der Frauen. Anschließend trat der in die Jahre gekommene Schlagerbarde Roland Kaiser als Stargast auf, ehe die Mannschaften von Dynamo Dresden und Schalke 04 zu einem Freundschaftsspiel auf den Rasen liefen. 32.000 Zuschauer waren gekommen und das Stadion war zum ersten Mal ausverkauft.

Logen für 30.000 Euro pro Saison

Das Dynamo-Stadion war das fünfte komplett neu errichtete Stadion in den neuen Bundesländern – zuvor hatten sich bereits Rostock, Leipzig, Magdeburg und Union Berlin an der "Alten Försterei" moderne Spielstätten geschaffen. Anstelle des baufälligen alten Dynamo-Stadions war auf Beschluss des Dresdner Stadtrats eine Arena entstanden, die allen Ansprüchen von Verantwortlichen und Fans entsprach: mit einem umlaufenden Dach, mit steil ansteigenden Traversen direkt am Spielfeldrand und Schalensitzen, angemalt in den Vereinsfarben. Dazu kamen über 1.000 gepolsterte Business-Plätze und 18 exklusive Logen für etwa 30.000 Euro pro Saison. Die Rückkehr Dresdens "auf die Weltkarte des Fußballs" hatte sich die Stadt einiges kosten lassen: Insgesamt 42 Millionen Euro wurden verbaut.

"Eine europäische Spitzenmannschaft"

Die großen Erfolge Dynamo Dresdens liegen indes schon eine halbe Ewigkeit zurück. Achtmal war Dynamo DDR-Meister und siebenmal FDGB-Pokalsieger. Im Europapokal spielte die Elf gegen Benfica Lissabon und den FC Liverpool, gegen Leeds United, Juventus Turin und Atletico Madrid. Geradezu legendär wurden die beiden Spiele gegen Bayern München in der Saison 1973/74 im Europapokal der Landesmeister. Nur knapp mit 3:4 waren die Dresdner um "Dixie" Dörner, Reinhard Häfner, Eduard Geyer und Klaus Sammer beim Hinspiel in der bayerischen Landeshauptstadt unterlegen. Das Rückspiel im restlos ausverkauften Rudolf-Harbig-Stadion endete nach einem dramatischen Spiel 3:3. "Dresden ist sicher eine europäische Spitzenmannschaft", befand Franz Beckenbauer nach dem Abpfiff.

Bundesligafußball in Sachsen

1990 verließen etliche Leistungsträger wie Ulf Kirsten und Matthias Sammer den Verein und heuerten bei bundesdeutschen Clubs an. Dennoch qualifizierten sich die Dresdner Dynamos für die Bundesliga. Auch wenn sie dort nur gegen den Abstieg spielten – es gab immerhin Bundesligafußball im Rudolf-Harbig-Stadion. 1995 war es damit jedoch vorbei: Der DFB verweigerte Dynamo Dresden wegen einer immensen Schuldenlast von über zehn Millionen Mark die Lizenz und die Mannschaft musste in die Regionalliga Nordost zwangsabsteigen.

"Giraffen" verschwinden aus dem Stadtbild

Dynamofans am Einlass des Harbigstadions in Dresden in den 1980er Jahren 3 min
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Im Herbst 2008 – Dynamo kickte noch immer in der Regionalliga – wurden die vier weißen und futuristisch anmutenden Flutlichtmasten des Rudolf-Harbig-Stadions (benannt nach einem erfolgreichen Leichtathleten) gesprengt, die von den Dresdnern liebevoll "die vier Giraffen" genannt worden waren. Fast 40 Jahre lang hatten sie die Silhouette der östlichen Seevorstadt mitgeprägt. Mit dem Fall der sechzig Meter hohen Masten war symbolisch eine Ära zu Ende gegangen. "Schade", meinten viele Dresdner melancholisch. Doch im neuen Stadion gab es für die alt gewordenen "Giraffen" partout keinen Bedarf mehr, da konnten auch Denkmalschützer nichts mehr ausrichten. Mit dem neuen Stadion sollte dafür endlich eine neue, bessere Zeit für den Dresdner Fußball anbrechen.

"Nicht mehr konkurrenzfähig"

Doch Ralf Minge, Dresdner Fußball-Urgestein, prophezeite im Frühjahr 2009: "Ab 2010 ist Dynamo nicht mehr konkurrenzfähig" und trat von seinem Posten als Sportlicher Leiter des Clubs zurück. Laut Nutzungsvertrag vom April 2009 muss Dynamo Dresden nämlich zwölf Jahre lang jährlich 2,5 Millionen Euro für Miete und Nebenkosten an die Betreibergesellschaft des Harbig-Stadions berappen. Für einen Drittligisten ein nahezu utopischer Betrag. Und selbst ein Aufstieg in eine höhere Liga brächte keine Entlastung – in diesem Falle würde die Stadt ihren jährlichen Zuschuss an den Club erheblich verringern. So sieht es jedenfalls der Vertrag vor.

"Mit dem Rücken zur Wand"

Warum der Verein den Nutzungsvertrag damals überhaupt unterschrieben hat? "Die Modalitäten zwischen Stadt und Betreibergesellschaft waren fertig, als Dynamo ins Boot geholt wurde", erklärte der damalige Dynamo-Geschäftsführer Markus Händel im November 2009 dem "Spiegel". "Hätten wir die Verträge nicht unterzeichnet, hätten wir das Licht ausmachen können: Ohne Stadion keine Lizenz. Wir standen mit dem Rücken zur Wand." Ralf Minges düstere Prophezeiung hat sich 2010 erfüllt. Die einzige Möglichkeit des Vereins, dem drohenden finanziellen Kollaps zu entgehen, wäre ein Verkauf der Namensrechte am neuen Stadion. Denn dort prangt noch immer, genauso wie es Verein und Fans gewollt hatten, der Traditionsname "Rudolf Harbig".

Harbig- wird Glücksgas-Stadion

Und das passierte am 10. Dezember 2010. Der Verein verkaufte die Namensrechte an das bayrische Energievertriebsunternehmen Glücksgas und das Stadion wurde umbenannt in "glücksgas stadion". Der Erdgasversorger hat aber nicht nur das Stadion-Namensrecht erworben, sondern auch eine Exklusivpartnerschaft mit dem Dresdner Traditionsverein geschlossen.

Im Sommer 2014 endete der Vertrag mit dem Energievertriebsunternehmen vorzeitig. Es folgten zwei Jahre unter der Bezeichnung "Stadion Dresden". Zwei weitere Jahre firmierte die Dynamo-Spielstätte unter "DDV-Stadion", benannt nach der DDV Mediengruppe, die die Namensrechte erworben hatte. Danach kauften die Konsumgenossenschaft Dresden und die Stadtwerke Dresden die Namensrechte am Stadion. Sie stellten in einer Umfrage als Bezeichnungen "Dynamo" und "Rudolf-Harbig" zur Wahl. Mehr als die Hälfte der rund 29.500 Abstimmungsteilnehmer entschieden sich für "Rudolf-Harbig-Stadion". So heißt die Arena wieder seit dem 18. September 2018.

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2018, 13:32 Uhr