11. Dezember 1958 Erdöl-Pipeline "Freundschaft"

Die Führungen der sozialistischen Bruderstaaten beschlossen am 11. Dezember 1958 den Bau einer Erdölleitung. Im Sommer 1963 erreichte die längste Rohrleitung der Welt dann das Petrolchemische Kombinat in Schwedt. Auch heute noch transportiert die Erdölleitung "Freundschaft" russisches Öl nach Europa und versorgt so unter anderem auch die Total-Raffinerie in Leuna in Sachsen-Anhalt.

Ein Angestellter der Chemiefabrik der Tschechoslowakisch-Sowjetischen Freundschaft arbeitet an einer Destillationsanlage, die das erste Erdöl der Druzhba-Pipeline von der Sowjetunion in die Tschechoslowakei befördert.
Im April 1962 arbeitet ein Chemiefabrik-Angestellter an einer Destillationsanlage, die das erste Erdöl der Freundschafts-Pipeline von der Sowjetunion in die Tschechoslowakei befördert. Bildrechte: imago/CTK Photo

Noch in den sechziger Jahren wartete man in der DDR auf das große Wunder: die Überlegenheit des Sozialismus. Die letzte Prophezeiung, in der DDR unbegrenzte Mengen von Atomstrom erzeugen zu können, scheiterte gerade an der Realität, da war die nächste Losung schon gegeben: Chemisierung. KPdSU-Generalsekretär Chruschtschow berechnete gar den Kommunismus neu:

Wenn Wladimir Iljitsch Lenin leben würde, würde er jetzt wohl sagen: Kommunismus, das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes, plus Chemisierung der Volkswirtschaft.

Längste Rohrleitung der Welt

Die Führungen der sozialistischen Bruderstaaten folgten der Rechnung und beschlossen auf der X. Tagung des RGW im Dezember 1958 den Bau einer Erdölleitung. Am 17. Juli 1963 erreichte die längste Rohrleitung der Welt das Petrolchemische Kombinat in Schwedt. "Neues Deutschland" und "Prawda" überboten sich gegenseitig in ihren Lobpreisungen auf das Bauwerk: es sei die "Schlagader des sozialistischen Weltwirtschaftssystems" und ein "stählerner Händedruck zwischen den Völkern."

"Jetzt haben wir es geschafft: das Erdöl ist da." Am 18. Dezember 1963 eröffnete Walter Ulbricht die lange Leitung. Der Rohstoff aus Baschkirien würde in Zukunft nicht nur die deutsch-sowjetische Freundschaft schmieren, sondern auch dabei helfen, die 1958 formulierte "ökonomische Hauptaufgabe" zu lösen: den Westen im Pro-Kopf-Verbrauch an Konsumgütern zu überholen.

Billiger Treibstoff für die DDR

Um die Wirtschaft anzukurbeln, wurden vor allem billiger Treibstoff benötigt. Aber auch der private Konsum stieg ständig. Ende der sechziger Jahre gab es in jedem siebenten Haushalt ein Auto. Besitzer von Zweitaktern aus DDR-Produktion mussten sich mit VK 88 Gemisch zufrieden geben: dem Volkskraftstoff, der seinen geringen Brennstoffgehalt stolz im Namen trug. Kraftstoffe höherer Qualität wurden an den "Intertank"-Säulen gegen D-Mark verkauft oder gleich exportiert.

Der Export veredelter Erdölprodukte erwies sich bald als gutes Geschäft. Der Einkauf des Rohstoffs erfolgte zum großen Teil im Kauf. Die Lieferungen wurden mit selbst hergestellten Waren bezahlt. Erdölprodukte aus der DDR konnten dagegen auf dem Weltmarkt gegen Devisen abgesetzt werden, oft konkurrenzlos billig. Wie sehr die DDR-Wirtschaft am sowjetischen Tropf hing, zeigte sich erst in den Krisenzeiten.

Erhöhte Ölpreise und Umweltgifte

In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre erhöhte die Sowjetunion den Ölpreis und drosselte schließlich Anfang der achtziger Jahre den Export von 19 auf 17 Millionen Tonnen Rohöl. Das entstandene Defizit wurde mit der Hydrierung von Braunkohle ausgeglichen. Bei diesem energieintensiven Verfahren benötigte man 60 Tonnen Rohbraunkohle, um eine Tonne Benzin zu erzeugen. Dieselbe Menge Benzin konnte aus nur vier Tonnen Erdöl erzeugt werden, wobei noch große Mengen Diesel, Heizöl und Schmierstoffe anfielen.

Die Nebenprodukte der Kohlehydrierung waren zum größten Teil Umweltgifte: Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid und Phenol. Die Reduzierung der Ölzufuhr durch die Erdölleitung "Freundschaft" stellte nicht nur eine Weiche in Richtung wirtschaftlicher Bankrott, sondern war auch eine der Ursachen für den ökologischen Kollaps in der DDR.

Elektrifizierung Die Parole "Kommunismus, das sei Sowjetmacht plus Elektrifizierung des gesamten Landes" wurde in der DDR zum allgemeingültigen Gesetz erhoben. Allerdings klappte es auch nicht besser als beim großen Vorbild. So gehörten Stromsperren und –Abschaltungen in der DDR bis in die späten 1970er-Jahre zum Alltag.

Bei der Versorgung der Betriebe und Haushalte mit Stadtgas sah es ähnlich aus. Hausfrauen waren vor allem während der Weihnachtsfeiertage gut beraten, die Kartoffeln frühzeitig zum Kochen auf den Herd zu stellen, wenn diese mittags gar sein sollten. Der Gasdruck war zu niedrig. So war es auch nur sehr wenigen vergönnt, ein Kontingent für den Einbau einer Gasheizung zu bekommen.

Über dieses Thema berichtete der MDR: TV | 12.12.2016 | 19.30 Uhr