Vor 80 Jahren: Der lösliche Kaffee kommt in den Handel

Fast hätte es ihn nicht gegeben: den "Nescafé". Doch sein Erfinder Max Morgenthaler tüftelte solange, bis die Rezeptur endlich stimmte. Am 1. April 1938 kam der Instantkaffee auf den Markt.

In den 1930er Jahren gab es in Brasilien Kaffeebohnen im Überfluss. Die Kaffeebauern bauten sogar so viel davon an, dass große Mengen verbrannt oder ins Meer gekippt wurden, um den Kaffeepreis nicht sinken zu lassen. Die brasilianische Regierung suchte deshalb nach Möglichkeiten, den Kaffee zu konservieren und wandte sich an das Schweizer Unternehmen Nestlé.

Brasilianische Arbeiter tragen Säcke mit Kaffeebohnen zu einem Schiff im Hafen von Santos, Brasilien.
Brasilianische Arbeiter tragen Säcke mit Kaffeebohnen zu einem Schiff im Hafen von Santos. Bildrechte: dpa

Die damals noch kleine Firma hatte sich auf diesem Gebiet bereits einen Namen gemacht, indem sie Milch zu Trockenmilch verarbeitete. Dafür wurde extra der Pulverisierungsapparat "Egron" entwickelt, mit dem man nun auch noch weitere Lebensmittel haltbar machen wollte.

Erfindung am Küchentisch

Nestlé beauftragte den Chemiker Max Morgenthaler mit der Entwicklung eines Kaffees, der ohne lästiges Bohnenmahlen und Aufbrühen einfach mit Wasser aufgegossen werden konnte. Trotz intensiven Tüftelns blieben seine Versuche erfolglos: die Brühe schmeckte einfach nicht. Nestlé stoppte das Projekt. Doch davon ließ sich Morgenthaler nicht aufhalten: Mm heimischen Küchentisch experimentierte er weiter, bis ihm die rettende Idee kam. Um die flüchtigen Kaffeearomen zu binden, fügte er Kohlenhydrate bei.

Der Siegeszug des Instantkaffees

Inhalt eines geöffneten West-Pakets
Auch Kaffee durfte im Westpaket nicht fehlen. Bildrechte: dpa

Am 1. April 1938 brachte Nestlé den "Nescafé" auf den Schweizer Markt - der "Blitzkaffee" wurde ein Riesenerfolg. Bereits nach zwei Monaten sei die geplante Jahresproduktion verkauft gewesen, berichtet der Unternehmenshistoriker Albert Pfiffner. In den folgenden Jahrzehnten war der Instantkaffee in aller Munde. US-Soldaten machten ihn in ihren Stationierungsorten bekannt, Jugendliche erklärten ihn zum Kultgetränk und auch in den Westpaketen für DDR-Bürger war er gern gesehen.

Ohne Kaffee ging nichts in der DDR

Kaffee – egal, ob Instant oder klassisch – war in der DDR immer ein Politikum. In den 1970er Jahren löste er fast einen Volksaufstand aus. Wegen Devisenmangels wurde die Bohne knapp und kurzerhand vom Planungsbüro mit Getreide gestreckt. Da halfen selbst gewissenhaftes Filtern und ostdeutsche Gelassenheit wenig. Kosta, Rondo, Kaffemix taugten allenfalls für schlechte Witze. Es hagelte Eingaben aus der Bevölkerung, gab Tumulte im Konsum. Für Entspannung und gekrönten Kaffeegenuss sorgte da lange Zeit nur der Privatimport per Westpaket.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Lexi TV | 19.01.2018 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2018, 16:55 Uhr