Drei panierte Scheiben Jagdwurst liegen als Jägerschnitzel auf einer Portion Spirelli mit Tomatensoߟe in einer Speisegaststätte in Leipzig (Sachsen).
Panierte Jagdwurst mit Nudeln und Tomatensoße. Bildrechte: dpa

Tag der gesunden Ernährung "Keine leichte Kost!" - Ernährung in der DDR

Heute ist der "Tag der gesunde Ernährung" - zum 21. Mal veranstaltet vom Verband für Ernährung und Diätetik. Ein Grund für uns zu fragen: Wie war das eigentlich in der DDR mit der gesunden Ernährung?

von Katharina Beck

Drei panierte Scheiben Jagdwurst liegen als Jägerschnitzel auf einer Portion Spirelli mit Tomatensoߟe in einer Speisegaststätte in Leipzig (Sachsen).
Panierte Jagdwurst mit Nudeln und Tomatensoße. Bildrechte: dpa

Waren die DDR-Bürger zu dick? Dazu schrieb die damals westdeutsche Wochenzeitung "Die Zeit" 1976, dass 40 Prozent aller Frauen, 20 Prozent der Männer und 15 Prozent der Kinder in der DDR "erhebliches Übergewicht" auf die Waage bringen. Auch im Osten war das ein Thema. So berichtete ein Leser in einer Umfrage der DDR-Frauenzeitschrift "Für Dich":

Tagtäglich beobachte ich viele Schüler aller Altersgruppen, die sich vor Schulbeginn beim Bäcker Kuchen und Brötchen kaufen.

"Die Zeit" 5. März 1976

Der Verdacht damals: Schon bei DDR-Schülern schleicht sich eine ungesunde Ernährung ein. Stimmt das?

Ungesunde Ernährung in der DDR

Erst einmal: Gesunde Ernährung wird überhaupt erst ein gesellschaftlich verbreitetes Thema in den 70er-Jahren. Davor war man in Ost und West froh, zu essen zu haben und genoss es in vollen Zügen. Nun aber schlugen Ärzte Alarm: Fettsucht, Verkalkung, Schlaganfall und das nur wegen zu viel, zu fettem und zu süßem Essen und Trinken, gepaart mit zu wenig Bewegung.

In der DDR lag das vor allem daran, dass gerade die Lebensmittel nicht immer verfügbar waren, die heute als gesund gelten: Obst, Gemüse, Vollkornprodukte.

Der Ost-West-Vergleich

Ganz genau hat sich das Robert-Koch-Institut die Unterschiede in Ost und West seit 1990 hinsichtlich Ernährung und Gesundheit angesehen. "Zu Beginn der 1990er-Jahre unterschied sich der Lebensmittelkonsum zwischen den neuen und alten Bundesländern: Die Ostdeutschen konsumierten mehr Butter, Brot und Wurst, aber weniger Milch, Milchprodukte, rohes Gemüse, Zitrusfrüchte, Nudeln und Reis als die Westdeutschen.“

Grillhähnchen brutzeln am Spieß
Ein DDR-Klassiker: der Goldbroiler. Bildrechte: IMAGO

Im Ergebnis stellte der Bericht fest, dass es mehr adipöse Erwachsene Anfang der 1990er-Jahre in den neuen Bundesländern gab als in den alten. Allerdings traf das nicht auf die Jugend zu: Kinder und Jugendliche im Osten waren nicht dicker als im Westen, so die Forscher.

Wohin geht der Trend?

Heute geht der Trend geht jedoch nach oben - nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Seit 1980 hat sich die Zahl adipöser und übergewichtiger Menschen verdoppelt, so das Robert-Koch-Institut. Das heißt: Ost und West passen sich auf ungesunde Weise an. Angeglichen haben sich bis heute auch die Ernährungsgewohnheiten, vor allem bei den Jüngeren. Inzwischen isst man in Ost und West Müsli zum Frühstück.

Inwiefern die Ernährung mit der Lebenserwartung zu tun hat, ist immer schwer abzuleiten. Was wir wissen ist, dass Ostdeutsche 1990 noch rund drei Jahre früher starben als Westdeutsche. Dass es diesen Unterschied nicht mehr gibt, hat viel mit der medizinischen Versorgung zu tun. Vor allem bei Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen war die BRD der DDR voraus.

Kleinere Männer, aber weniger Allergien

Aufgrund der Ernährung waren die Menschen im Osten auch kleiner als im Westen - das will John Komlos, Anthropometriker an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität, herausgefunden haben, wie der Spiegel 2004 berichtet. Seinen Studien zufolge waren ostdeutsche Männer durchschnittlich 1 ½ cm kleiner als die Männer im Westen.

Und es gab noch einen Unterschied, der allerdings weitaus signifikanter war. Als nach der Wende die Allergieforscher in den Osten kamen, um sich die hohe Zahl von Allergien aufgrund der Luftverschmutzung anzuschauen, wurden sie enttäuscht. Im Osten gab es nur halb so viele Bürger mit Allergien wie im Westen. "Wir dachten zuerst: In Westdeutschland spricht man halt mehr über Allergien, da glaubt man dann auch öfter, sie wirklich zu haben", sagte Bärbel-Maria Kurth vom Robert-Koch-Institut dem Tagesspiegel 2009. Aber es stimmte: Allergien waren in Ostdeutschland in allen Altersgruppen seltener. "Das begann mit dem Jahrgang 1949 und ging dann immer weiter auseinander", so Kurth. Aber schon innerhalb weniger Jahre nach der Wende hat sich Zahl der Allergien gesamtdeutsch auf das vorherige Westniveau angeglichen.

Warum es in der DDR weniger Allergien gab, weiß man bis heute nicht. Gemutmaßt wird, dass es mit den Keimen zu tun hatte, denen die Kinder in der Krippe ausgesetzt waren. Auch die Ernährung könnte eine Rolle gespielt haben. Denn in zwei Punkten waren die Lebensmittel in der DDR so wie es sich heute viele wünschen: Ohne Geschmacksverstärker oder chemische Zusatzstoffe und sie kamen meist aus der Region.

Über dieses Thema berichtete der MDR im ZEITREISE-Magazin im TV: 21.03.2017 | 21.15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. März 2018, 14:09 Uhr

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