Ein Blick auf die großen Erfolge des 1. FC Magdeburg

1. FC Magdeburg

Das Team von 1974: Sparwasser, Pommerenke, Seguin und Co.

Jürgen Sparwasser bejubelt das Eigentor des Mailänders Lanzi, Torhüter Pierluigi Pizzaballa liegt geschlagen am Boden
Eine gespenstische Kulisse von nur 5.000 Zuschauern im 60.000-Mann-Stadion von Rotterdam sah das Endspiel zwischen Magdeburg und Mailand. Ein Duell wie zwischen David und Goliath. Aber 90 Minuten später ist klar: Die Magdeburger Bezirksauswahl ringt eine absolute Weltklassemannschaft um den deutschen Abwehrchef Karl-Heinz Schnellinger, ihrem Dirigent Gianni Rivera und damals noch Trainerneuling Trappatoni nieder. Hier bejubelt Sparwasser das Eigentor des Mailänders Lanzi, der eine Flanke unhaltbar für Torhüter Pizzaball abfälschte. Die Mailänder "diavolo rossoneri" – die schwarz-roten Teufel – waren als haushoher Favorit ins Spiel gegangen. Doch sie unterschätzten den FCM. Die Ostdeutschen wiederum spielten ihre Dynamik und Laufstärke aus. Schließlich lag das Durchschnittsalter der Mannschaft fünf Jahre unter denen der Italiener. Aus Magdeburg durften übrigens 350 sorgfältig ausgewählte DDR-"Touristen" nach Rotterdam reisen. Nur die wenigsten davon waren echte FCM-Fans. Pech hatten die Spieler-Frauen, die ihre Männer nicht begleiten durften. Bildrechte: dpa
Wolfgang Seguin (1. FC Magdeburg)
Wolfgang Seguin Insgesamt 18 Jahre für den FCM aktiv, gewann der Mittelfeldstratege alle großen Titel, die die goldene Generation des FCM an die Elbe holte. Sechs Pokalsiege, drei Meisterschaften und den EC-Sieg 1974 verbuchte Seguin in den Jahren zwischen 1963 und 1981 auf der Habenseite. In die Vereinsannalen ist Seguin als der Schütze zum entscheidenden 2:0 im Finale gegen den AC Milan eingegangen. In der 74. Minute hämmerte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Außerdem hält er den Vereinsrekord von 219 Oberligaspielen in ununterbrochener Folge, die er zwischen 1971 und 1979 absolvierte. Insgesamt kam er auf 396 Oberliga-Spiele. Das brachte ihm den Titel "FCM-Rekordspieler" ein und ist in der ewigen Bestenliste aller DDR-Oberligaspieler der sechste Platz. Zudem ist er Mr. Europacup des FCM mit insgesamt 59 Einsätzen. Trainer Krügel sah ihn als den "Motor der Mannschaft" an. Seine überragende Kondition half ihm, in der Offensive und Defensive gleichermaßen seine Qualitäten auszuspielen. Seine mannschaftsdienliche Art und seine Spielübersicht waren für den FCM Gold wert. 1986 kehrte er als Mannschaftsleiter zum FCM zurück und behielt dieses Amt bis 1991. Nach dem verpassten Einzug in die zweite Bundesliga und dem Abstieg in die dritte Liga sattelte Seguin um und gründete eine Gebäude-Reinigungsfirma. Als deren Geschäftsführer engagierte er sich auch finanziell beim FCM und war mit seiner Firma zeitweise Hauptsponsor des FCM. Sein jüngster von insgesamt fünf Söhnen spielt heute in Wolfsburg. "Ein Wechsel von Paul zum FCM stand allerdings nie zur Debatte", so Seguin, der heute in Stendal wohnt. Bildrechte: IMAGO
Jürgen Pommerenke, 1.FC Magdeburg
Jürgen Pommerenke Der begnadete Techniker bestritt schon mit 17 Jahren sein erstes Spiel für den FCM. Zwischen 1970 und 1984 kam er so auf beachtliche 404 Pflichtspiele und 113 Tore für seinen FCM. Pommerenke war DER Chef im Mittelfeld. Noch heute ist sich Sparwasser sicher, dass der FCM das Achtelfinal-Hinspiel im Cup der Landesmeister bei den Bayern im Herbst 1974 für sich entschieden hätte. Zur Pause führten die Elbestädter 2:0, verloren aber noch 2:3. "Jürgen Pommerenke wurde kaputtgetreten, damit fehlte uns unser Stratege." Und Trainer Krügel war sich sicher, dass sein Schützling in jeder europäischen Spitzenmannschaft eine Führungsrolle hätte übernehmen können. Für ein Kuriosum sorgte einer seiner Freistöße 1975 in Halle. Der Ball flog in das obere Torangel, allerdings durch das Netz! Somit pfiff der FIFA-Schiri Glöckner auf Abstoß. Zum Glück gewann der FCM trotzdem. Dem Club hielt Pommerenke immer die Treue und war nach seinem Karriere-Ende 1984 im FCM-Nachwuchsbereich tätig, saß Anfang der 90er für ein Jahr als FCM-Cheftrainer auf der Bank, ehe er seit 1999 als FCM-Nachwuchskoordinator sein Wissen weitergab. Heute trainiert er Nachwuchstalente an einer Fußballschule. Bildrechte: IMAGO
Jürgen Sparwasser
Jürgen Sparwasser Berühmt geschossen hat sich Sparwasser mit seinem Treffer zum 1:0 im deutsch-deutschen Duell gegen die BRD während der WM. Doch sein Tor im EC-Halbfinale in Lissabon war für den Stürmer das wichtigste seiner Karriere - wichtiger noch als das Tor von Hamburg. Denn so wurde der Grundstein für den Magdeburger Finaleinzug gelegt. Insgesamt brachte es Sparwasser auf 386 Pflichtspiele für den Club, in denen er 173 Tore schoss. Auch Sparwasser hat Heinz Krügel viel zu verdanken. An eine Episode erinnert sich der Stürmer bis heute. Mit 17 Jahren bot er in seinem ersten EC-Spiel eine gute Leistung. Doch Krügels Reaktion fiel anders als erwartet aus: "Junger Mann, diejenigen, die Ihnen nur auf die Schulter klopfen, können Sie ganz schnell vergessen. Nehmen Sie die ernst, die Ihnen gratulieren, aber gleichzeitig darauf hinweisen, dass es noch viel zu verbessern gibt." Nach seiner Karriere arbeitete Sparwasser als Diplomsportlehrer an der Pädagogischen Hochschule in Magdeburg. Sparwasser sollte Cheftrainer des FCM werden. Doch nach mehreren Absagen waren für den Vorzeigesportler alle Wege in der DDR verbaut. Mit seiner Frau flüchtete er 1988 in die BRD und war Trainer in Frankfurt und Darmstadt. Nach der Wende scheiterte eine Rückkehr zum Club an den Vereinsverantwortlichen: "Nostalgie war nicht angesagt, uns wollten sie damals nicht." Sparwasser lebt heute in Bad Vilbel in Hessen und ist Projektleiter des Talentetrainings an einer Frankfurter Fußballschule. Bildrechte: MDR
Jürgen Sparwasser bejubelt das Eigentor des Mailänders Lanzi, Torhüter Pierluigi Pizzaballa liegt geschlagen am Boden
Eine gespenstische Kulisse von nur 5.000 Zuschauern im 60.000-Mann-Stadion von Rotterdam sah das Endspiel zwischen Magdeburg und Mailand. Ein Duell wie zwischen David und Goliath. Aber 90 Minuten später ist klar: Die Magdeburger Bezirksauswahl ringt eine absolute Weltklassemannschaft um den deutschen Abwehrchef Karl-Heinz Schnellinger, ihrem Dirigent Gianni Rivera und damals noch Trainerneuling Trappatoni nieder. Hier bejubelt Sparwasser das Eigentor des Mailänders Lanzi, der eine Flanke unhaltbar für Torhüter Pizzaball abfälschte. Die Mailänder "diavolo rossoneri" – die schwarz-roten Teufel – waren als haushoher Favorit ins Spiel gegangen. Doch sie unterschätzten den FCM. Die Ostdeutschen wiederum spielten ihre Dynamik und Laufstärke aus. Schließlich lag das Durchschnittsalter der Mannschaft fünf Jahre unter denen der Italiener. Aus Magdeburg durften übrigens 350 sorgfältig ausgewählte DDR-"Touristen" nach Rotterdam reisen. Nur die wenigsten davon waren echte FCM-Fans. Pech hatten die Spieler-Frauen, die ihre Männer nicht begleiten durften. Bildrechte: dpa
Jürgen Sparwasser und Manfred Zapf
Nach diesem Sieg war der Weltpresse nun auch die Elf der Namenlosen geläufig. Und in Magdeburg sind die Spieler der erfolgreichen Elf heutzutage nur noch als die "74er" bekannt. Im gleichen Jahr gelang übrigens Lok Leipzig der Einzug ins Halbfinale des UEFA-Cups, und die DDR-Nationalmannschaft besiegte die BRD bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Der Torschütze für die DDR: der Magdeburger Jürgen Sparwasser. So ging diese Saison als die erfolgreichste des DDR-Fußballs in die Sportgeschichte ein. Bitter für die Spieler Pommerenke, Sparwasser, Seguin, Tyll und Hoffmann: Sie mussten nach dem Endspiel sofort aus Rotterdam zur WM-Vorbereitung der Nationalmannschaft nach Stockholm fliegen. So verpassten sie die Siegesfeier in Magdeburg. In Rotterdam gab es für die Spieler nur 75 Gulden Taschengeld und nach der Rückkehr 5.000 Ost-Mark als Prämie. Die Mailänder hätten übrigens 40.000 (West-)Mark für einen Sieg erhalten. Bildrechte: IMAGO
Die Mannschaft des 1. FC Magdeburg nach dem Sieg gegen ... im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1974 in Rotterdam
Selbst Erich Honecker gratulierte etwas hölzern per Glückwunsch-Telegramm über die Partei-Presse. Im Neuen Deutschland heißt es am 9. Mai: "Liebe Sportfreunde! Mit bewundernswertem Kampfgeist, hoher taktischer Disziplin und gewachsenem sportlichen Können haben Sie den Europapokal der Pokalsieger errungen und vielen Fußballfreunden der Deutschen Demokratischen Republik große Freude bereitet. Ich beglückwünsche Sie sehr herzlich zu dieser hervorragenden Leistung und wünsche Ihnen auch weiterhin den besten Erfolg." Bildrechte: dpa
Torwart Ulrich Schulze (1. FC Magdeburg)
Ulrich Schulze Der 1968 von Lok Leipzig gekommene Tormann war hinter Moldenhauer zwar vorerst nur zweite Wahl, aber ab der Saison 1971/72 uneingeschränkte Nr. 1 der Blau-Weißen. In insgesamt 176 Pflichtspielen für die Magdeburger zeichnete er sich vor allen Dingen durch seine Strafraumbeherrschung und seinen Kampfgeist aus. Im Halbfinale gegen die starken Portugiesen aus Lissabon sicherte er mit einem gehaltenen Elfmeter das wichtige Unentschieden, das sich als Grundstein für den Einzug ins EC-Finale herausstellte. Bekannt war Schulze für seine weiten Abwürfe. Markenzeichen war zudem sein Humor, mit dem er in der Mannschaft ständig für gute Stimmung sorgte. Bis zu seinem Abschied 1976 war "Uli" an allen drei Meisterschaften beteiligt. Zu Nationalmannschaftsehren kam er einzig nach der WM 1974, als er im heimischen Grube-Stadion gegen Island das Tor der DDR-Elf hütete. Nach seiner aktiven Karriere war der Diplomsportlehrer u.a. bei Stahl Blankenburg, Wismut Aue und Altmark Stendal als Trainer tätig. Der Pädagoge lebt heute an der Müritz und war dort als Sportlehrer angestellt. Bildrechte: IMAGO
Manfred Zapf, 1. FC Magdeburg
Manfred Zapf Mit 17 lief der gebürtige Stapelburger 1964 das erste Mal für den FCM auf. Und wenige Wochen später holte er sich mit dem FCM seinen ersten von sechs FDGB-Pokalsiegen. Schnell macht er sich als Abwehrstratege einen Namen, dass er vier Jahre später die Kapitänsbinde übernahm, die er bis zu seinem Karriereende 1979 nicht mehr abgab. In seinen 467 Pflichtspielen für die Magdeburger war der Libero auch für seine Offensivqualitäten bekannt. Der Abwehrorganisator war die rechte Hand Heinz Krügels und einer der Garanten für die goldenen 70er des FCM. Wolfgang "Paule" Seguin über seinen Mitspieler: "Hinten stand Zapf als Kapitän wie eine Eins, vorn machte Sparwasser wichtige Tore. Dazu kamen die jungen Wilden wie Pommerenke, Tyll oder Hoffmann. Er hielt die Truppe zusammen." 1980 übernahm Zapf für drei Jahre den Clubvorsitz und wechselte 1983 zum Deutschen Fußballverband der DDR, wo er stellvertretender Generalsekretär wurde. Ende der 1980er-Jahre wurde Zapf in die Verantwortung genommen und trainierte zusammen mit Frank Engel (heute DFB-Trainer) und Heinz Werner zeitweise die DDR-Nationalmannschaft, mit der er sich für die WM 1990 in Italien qualifizieren sollte. Nach dem kurzen und erfolglosen Intermezzo war er nach der Wende Mitinhaber eines Sportgeschäfts in Berlin, kehrte aber 1997 als Geschäftsstellenleiter zum Club zurück. Nach dem Regionalliga-Zwangsabstieg 2002 ging er nach Berlin und wurde u.a. Geschäftsführer bei Lichtenberg 47. Inzwischen ist er Rentner. Bildrechte: IMAGO
Detlef Enge (1. FC Magdeburg)
Detlef Enge Als Verteidiger baute Trainer Krügel zu Beginn der 1970er-Jahre neben Tyll und Mewes den talentierten Enge in die Mannschaft ein, der die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte als 22-Jähriger erlebte. Doch nur drei Jahre später musste er sich aufgrund einer schweren Verletzung vom Leistungssport nach nur 125 Pflichtspielen für den FCM zurückziehen. Enge lebt heute zurückgezogen in Magdeburg und erwidert keine Kontakte zu seinen Mitspielern. Bildrechte: IMAGO
Wolfgang Abraham (1. FC Magdeburg)
Wolfgang Abraham Nach dem Abstieg des FCM in die Liga holte Trainer Krügel den Stürmer Wolfgang Abraham aus Stendal an die Elbe. Mit seinen 16 Toren hatte der dynamische Angriffsspieler auch gleich großen Anteil am sofortigen Wiederaufstieg in die Oberliga. Zudem galt er als sicherer Elfmeterschütze. In späteren Jahren wurde er von Krügel auf der Vorstopper-Position eingesetzt, auf der er auch im Halbfinalhinspiel in Lissabon für den schon angeschlagenen Uli Schulze spektakulär zwar den Ball von der Linie holte und damit ein sicheres Tor verhinderte, aber somit auch einen Handelfmeter verursachte. Aber Schulze hielt den Elfmeter, was in der Endabrechnung den späteren Finaleinzug sicherte. Zwischen 1962 und 1975 absolvierte Wolfgang Abraham insgesamt 279 Spiele (78 Tore) für den 1. FCM sowie sieben Spiele für den Vorgängerverein SC Aufbau. Nach seiner Karriere blieb er dem Verein wie viele seiner Mitspieler verbunden. In den 1980ern kehrte er als Mannschaftsleiter zurück und übte bis 2002 verschiedene Funktionen aus. So war er als Technischer Leiter, stellvertretender Clubvorsitzender, Vorstandsmitglied und Vizepräsident engagiert. Der gebürtige Osterburger verstarb 2013 nach langer schwerer Krankheit kurz nach seinem 71. Geburtstag. Bildrechte: IMAGO
Helmut Gaube (1. FC Magdeburg)
Helmut Gaube Gaube stand im Endspiel gegen Mailand ganz besonders unter Druck. Denn er musste den etatmäßigen Defensivmann Klaus Decker ersetzen und damit den Superstar Rivera ausschalten. Die Trainerentscheidung wurde vorher im Spielerrat sehr kontrovers diskutiert, denn Gaube war zumeist nur Reservist. Doch die Notlösung funktionierte, Gaube machte das Spiel seines Lebens! Rivera sah keinen Stich. Als 29-Jähriger beendete Gaube nach nur 38 Punktspielen und einem Tor seine Spielerlaufbahn beim FCM. Dem Sport blieb er treu: Sein Wissen gab er als Diplom-Sportlehrer an der Technischen Hochschule in Magdeburg dem Nachwuchs weiter. Bildrechte: IMAGO
Axel Tyll (1. FC Magdeburg)
Axel Tyll Schon mit 17 Jahren gab er sein Oberligadebüt. Als Mittelfeldmotor neben Seguin konnte er sich jeder Spielsituation in Offensive wie Defensive anpassen. Das begnadete Mittelfeldtalent kam allerdings nicht über vier DDR-Auswahlspiele hinaus. Kurz nach dem Weiterkommen in der 2. Runde im UEFA-Cup gegen Schalke im Herbst 1977 landete Tyll mit Pommerenke und Decker den nächsten Treffer. Das Trio tat sich zusammen und fühlte einen Systemschein für das beliebte Tele-Lotto aus. Tatsächlich gewannen sie den Hauptgewinn von 51.000 DDR-Mark! Für die Entgegennahme des Geldes wurde sich etwas Besonderes ausgedacht. Sie tauchten als Olsenbande verkleidet in der Lottoannahmestelle auf und ließen sich als Egon, Benni und Kjeld das Geld überreichen. Nach seinem Abschied beim FCM im Jahr 1982 (insgesamt 317 Pflichtspiele mit 41 Toren) spielte er noch einige Jahre bei Einheit Wernigerode, ehe er dort ins Traineramt wechselte. Der Mittelfeldspieler ist Diplomsportlehrer in Wernigerode. Bildrechte: IMAGO
Detlef Raugust (1. FC Magdeburg)
Detlef Raugust Der gebürtige Halberstädter war ein exzellenter Verteidiger mit Offensivqualitäten. Unter Beweis stellen konnte er das im Finale gegen Mailand, als eine Flanke des damals erst 19-Jährigen zum 1:0 führte. Verteidiger Lanzi lenkte den Flankenball von Raugust ins eigene Netz. Raugusts Stärken lagen in der universellen Einsatzbarkeit. Krügel konnte den schnellen und beweglichen Raugust als Außenverteidiger oder Flügelstürmer einsetzen. In seinen 15 FCM-Jahren (1971-1986) kam er auf beachtliche 304 Pflichtspiele für den FCM. Nationaltrainer Buschner holte ihn für drei Einsätze in die Nationalelf. Nach seiner aktiven Zeit arbeitete Raugust noch einige Jahre im FCM-Nachwuch, ehe es ihn nach der Wende nach Bayern verschlug, wo er eine Umschulung zum Physiotherapeuten absolvierte. In seinem Wohnort Oberammergau ist er bei der ansässigen Mannschaft dem Fußball treu geblieben. Bildrechte: IMAGO
Martin Hoffmann, 1.FC Magdeburg
Martin Hoffmann Als einzigem DDR-Fußballer gelang dem Linksaußen und Linksverteidiger dieses Kunststück: WM-Teilnehmer 1974, EC-Sieger 1974 und Olympiasieger 1976 in Montreal. "Der beste Linksaußen seiner Zeit" (Heinz Krügel) machte im Rotterdamer Endspiel einen so guten Eindruck auf den Mailänder Trainer Trapattoni, dass der ihn nach dem Endspiel sofort verpflichten wollte. Doch diese Episode erzählte ihm Trainer Krügel erst nach der Wende. Dabei war er beim Endspiel gerade mal 19 Jahre alt, allerdings schon längst Nationalspieler. Bei seinem Oberliga-Debüt im Juni 1973 steuerte er gleich ein Tor zum Sieg gegen Wismut Aue bei, im November desselben Jahres wurde er schon von Georg Buschner für die Nationalelf nominiert. Nach Joachim Streich ist er auch der Magdeburger mit den meisten Länderspieleinsätzen (66). Nach einer schweren Meniskusverletzung, die auch das Ende seiner Länderspielkarriere bedeutete, wurde er von Trainer Kreul zum Linksverteidiger "umgeschult". 1985 hing er nach 340 Pflichtspielen seine Töppen an den Nagel. Hoffmann hat alle Höhen und Tiefen des Vereins miterlebt, da er den Club bis auf ein Kurz-Intermezzo in Parchim nie verlassen hat. Erst im Nachwuchs tätig, betreute er die Mannschaft von 1994 bis 1996 als Cheftrainer. Als Co-Trainer fungierte er von 1997 bis 2002. Bis 2013 trainierte er die U19 des FCM. Bildrechte: IMAGO
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Die Mannschaft des 1. FC Magdeburg nach dem Sieg gegen ... im Finale des Europapokals der Pokalsieger 1974 in Rotterdam
Selbst Erich Honecker gratulierte etwas hölzern per Glückwunsch-Telegramm über die Partei-Presse. Im Neuen Deutschland heißt es am 9. Mai: "Liebe Sportfreunde! Mit bewundernswertem Kampfgeist, hoher taktischer Disziplin und gewachsenem sportlichen Können haben Sie den Europapokal der Pokalsieger errungen und vielen Fußballfreunden der Deutschen Demokratischen Republik große Freude bereitet. Ich beglückwünsche Sie sehr herzlich zu dieser hervorragenden Leistung und wünsche Ihnen auch weiterhin den besten Erfolg." Bildrechte: dpa

UEFA-Cup 1977/78

Spieler, Siege und ein Erfolgstrainer

Spieler des 1. FC Magdeburg

Namhafte FCM-Spieler

Hans-Georg Moldenhauer
Hans-Georg Moldenhauer Hans-Georg "Molly" Moldenhauer hütete von 1960 bis 1972 das Tor der Magdeburger, kam aber anfangs an Stammtorhüter Blochwitz nicht vorbei. Nach dem Abstieg 1966 übernahm er dann aber dessen Rolle. Auf die sportliche Habenseite kann er zwei Pokalsiege verbuchen. Eine Anekdote aus seinen Anfangsjahren illustriert, wie akribisch Trainerfuchs Krügel seine Spieler vorbereitete: Den Tag vor einem Oberliga-Spiel bat er seine Torhüter Blochwitz und Moldenhauer, doch etliche Eimer Wasser zu füllen und sie vor die Torauslinie zu kippen. Krügels Begründung war, dass es doch am nächsten Tag regnen könne und man vorbereitet sein müsse. Im Anschluss an seine Sportkarriere legte er eine Funktionärslaufbahn hin, die ihm in Magdeburg keiner nachmachte: ab 1972 Vorstandsmitglied beim FCM, 1990 übernahm er den Vorsitz im DFV und gliederte den Verband in den DFB ein. Ab 1995 war er zudem DFB-Vizepräsident. Bis 2010 führte er als Vorsitzender des NOFV die Geschicke des ostdeutschen Fußballs. Bildrechte: Sven Friedrichs
Joachim Streich (Mitte)
Joachim Streich Ohne die Spieler der erfolgreichen Europacup-Mannschaft geringzuschätzen - der wohl bekannteste FCM-Spieler ist Oberliga-Rekordtorschütze Achim Streich. Seine Bilanz ist beeindruckend: 229 Tore in der Liga - davon 171 für den FCM - und 55 Tore in der Auswahl. Besser als er war keiner. Bekannt war er für seine Treffer aus allen Lagen. Brillante Technik und Torinstinkt waren seine herausstechendsten Eigenschaften. Doch auch seine Tore konnten dem Club nicht zu einer vierten Meisterschaft verhelfen. Erfolge feiert Streich nur im FDGB-Pokal, welchen er mit dem FCM drei Mal gewinnen konnte. Ein Novum im höherklassigen deutschen Fußball ist sicherlich, dass Streich am Tag nach seinem Karriereende sofort das Traineramt beim FCM übernahm, obwohl er selbst lieber im Nachwuchsbereich angefangen hätte. Doch gegen die Allmacht der Verbandsfunktionäre war auch Streich machtlos. Den sportlichen Fall Magdeburgs konnte er allerdings nicht stoppen. Im letzten Spiel seiner Amtszeit hätte es jedoch fast zum ganz großen Coup gelangt. Denn in Karl-Marx-Stadt war zur Halbzeit der FCM Tabellenführer und somit nur 45 Minuten vom Meistertitel entfernt. Aber ein Tor des FCK und ein Sieg Dynamo Dresdens gegen Lok ließen den FCM noch auf Platz drei abrutschen. Bildrechte: Sven Friedrichs
Abwehrspieler Detlef Schößler vom 1. FC Magdeburg in einer undatierten Archivaufnahme aus dem Jahr 1984, aufgenommen im Magdeburger Ernst-Grube-Stadion.
Detlef "Kurti" Schößler Detlef "Kurti" Schößler ist ein reines FCM-Eigengewächs. Mit neun Jahren begann er im Club, dem er bis 1989 die Treue hielt. Der zweikampfstarke und dynamische Abwehrspieler kam ab 1981 auf 200 Pflichtspiele für den FCM und wurde mit dem Verein 1981 Vizemeister und 1983 Pokalsieger. Der für seine Schnelligkeit und Einsatzwillen bekannte Schößler wechselte 1989 nach Dresden und kam dort noch auf 131 Bundesligaspiele. Bildrechte: dpa
Markus Wuckel
Markus Wuckel Für Heinz Krügel war Wuckel der beste deutsche Stürmer seiner Zeit. Bekannt war er für seine Schusskraft, ausgezeichnete Technik und seine energische Spielweise. Nach einem kurzen Intermezzo in Brandenburg hatte er mit seinem Sturmpartner Uwe Rösler großen Anteil am sportlichen Höhenflug des FCM Ende der 1980er-Jahre. So besaßen die Magdeburger unter ihrem Trainer Joachim Streich am letzten Spieltag der Saison 1989/90 noch Chancen auf den Meistertitel. Doch zu dieser Zeit war Wuckel nach einem schweren Verkehrsunfall im Frühjahr 1990 für lange Zeit außer Gefecht gesetzt. Seine ihm vorausgesagte Karriere im gesamtdeutschen Fußball, viele sahen ihn schon in der DFB-Auswahl, bekam dadurch einen Knick. Seine bestechende Form erreichte er nach dem Unfall nie wieder. 1991 verließ er den FCM und spielte bis zum Karriereende 1998 bei sechs verschiedenen Vereinen (u.a. VfB Leipzig). Heute ist Markus Wuckel Leiter einer Fußballschule. Bildrechte: Sven Friedrichs
Hans-Georg Moldenhauer
Hans-Georg Moldenhauer Hans-Georg "Molly" Moldenhauer hütete von 1960 bis 1972 das Tor der Magdeburger, kam aber anfangs an Stammtorhüter Blochwitz nicht vorbei. Nach dem Abstieg 1966 übernahm er dann aber dessen Rolle. Auf die sportliche Habenseite kann er zwei Pokalsiege verbuchen. Eine Anekdote aus seinen Anfangsjahren illustriert, wie akribisch Trainerfuchs Krügel seine Spieler vorbereitete: Den Tag vor einem Oberliga-Spiel bat er seine Torhüter Blochwitz und Moldenhauer, doch etliche Eimer Wasser zu füllen und sie vor die Torauslinie zu kippen. Krügels Begründung war, dass es doch am nächsten Tag regnen könne und man vorbereitet sein müsse. Im Anschluss an seine Sportkarriere legte er eine Funktionärslaufbahn hin, die ihm in Magdeburg keiner nachmachte: ab 1972 Vorstandsmitglied beim FCM, 1990 übernahm er den Vorsitz im DFV und gliederte den Verband in den DFB ein. Ab 1995 war er zudem DFB-Vizepräsident. Bis 2010 führte er als Vorsitzender des NOFV die Geschicke des ostdeutschen Fußballs. Bildrechte: Sven Friedrichs
Manfred Zapf, 1. FC Magdeburg
Manfred Zapf Mit 17 lief der gebürtige Stapelburger 1964 das erste Mal für den FCM auf. Und wenige Wochen später holte er sich mit dem FCM seinen ersten von sechs FDGB-Pokalsiegen. Schnell macht er sich als Abwehrstratege einen Namen, dass er vier Jahre später die Kapitänsbinde übernahm, die er bis zu seinem Karriereende 1979 nicht mehr abgab. In seinen 467 Pflichtspielen für die Magdeburger war der Libero auch für seine Offensivqualitäten bekannt. Der Abwehrorganisator war die rechte Hand Heinz Krügels und einer der Garanten für die goldenen 70er des FCM. Wolfgang "Paule" Seguin über seinen Mitspieler: "Hinten stand Zapf als Kapitän wie eine Eins, vorn machte Sparwasser wichtige Tore. Dazu kamen die jungen Wilden wie Pommerenke, Tyll oder Hoffmann. Er hielt die Truppe zusammen." 1980 übernahm Zapf für drei Jahre den Clubvorsitz und wechselte 1983 zum Deutschen Fußballverband der DDR, wo er stellvertretender Generalsekretär wurde. Ende der 1980er-Jahre wurde Zapf in die Verantwortung genommen und trainierte zusammen mit Frank Engel (heute DFB-Trainer) und Heinz Werner zeitweise die DDR-Nationalmannschaft, mit der er sich für die WM 1990 in Italien qualifizieren sollte. Nach dem kurzen und erfolglosen Intermezzo war er nach der Wende Mitinhaber eines Sportgeschäfts in Berlin, kehrte aber 1997 als Geschäftsstellenleiter zum Club zurück. Nach dem Regionalliga-Zwangsabstieg 2002 ging er nach Berlin und wurde u.a. Geschäftsführer bei Lichtenberg 47. Inzwischen ist er Rentner. Bildrechte: IMAGO
Wolfgang Seguin (1. FC Magdeburg)
Wolfgang Seguin Insgesamt 18 Jahre für den FCM aktiv, gewann der Mittelfeldstratege alle großen Titel, die die goldene Generation des FCM an die Elbe holte. Sechs Pokalsiege, drei Meisterschaften und den EC-Sieg 1974 verbuchte Seguin in den Jahren zwischen 1963 und 1981 auf der Habenseite. In die Vereinsannalen ist Seguin als der Schütze zum entscheidenden 2:0 im Finale gegen den AC Milan eingegangen. In der 74. Minute hämmerte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte. Außerdem hält er den Vereinsrekord von 219 Oberligaspielen in ununterbrochener Folge, die er zwischen 1971 und 1979 absolvierte. Insgesamt kam er auf 396 Oberliga-Spiele. Das brachte ihm den Titel "FCM-Rekordspieler" ein und ist in der ewigen Bestenliste aller DDR-Oberligaspieler der sechste Platz. Zudem ist er Mr. Europacup des FCM mit insgesamt 59 Einsätzen. Trainer Krügel sah ihn als den "Motor der Mannschaft" an. Seine überragende Kondition half ihm, in der Offensive und Defensive gleichermaßen seine Qualitäten auszuspielen. Seine mannschaftsdienliche Art und seine Spielübersicht waren für den FCM Gold wert. 1986 kehrte er als Mannschaftsleiter zum FCM zurück und behielt dieses Amt bis 1991. Nach dem verpassten Einzug in die zweite Bundesliga und dem Abstieg in die dritte Liga sattelte Seguin um und gründete eine Gebäude-Reinigungsfirma. Als deren Geschäftsführer engagierte er sich auch finanziell beim FCM und war mit seiner Firma zeitweise Hauptsponsor des FCM. Sein jüngster von insgesamt fünf Söhnen spielt heute in Wolfsburg. "Ein Wechsel von Paul zum FCM stand allerdings nie zur Debatte", so Seguin, der heute in Stendal wohnt. Bildrechte: IMAGO
Dirk Heyne
Dirk Heyne Dirk Heyne ist eine Magdeburger Torwartlegende, die lange Jahre mit seinen Paraden den FCM viele Punkte rettete. Von 1977 bis 1991 war er in 408 Pflichtspielen ein zuverlässiger Rückhalt für seine Mannschaft. Mit seiner großen Nervenstärke und Reaktionsvermögen hatte er auch großen Anteil an den drei Pokalsiegen 1978, 1979 und 1983. Mit 34 Jahren wagte er nach dem Abstieg des FCM 1991 noch einen Ausflug in Bundesliga. In Mönchengladbach kam er bis 1994 so noch auf 24 Bundesligaeinsätze. 2001 kehrte er an seine alte Wirkungsstätte zurück und wurde FCM-Nachwuchstrainer, ehe er ab 2003 die 1. Männermannschaft übernahm. Mit ihm schaffte der Club den Regionalliga-Aufstieg 2006. In der darauf folgenden Saison stand Heyne mit seiner Mannschaft vor dem Zweitligaaufstieg, verpasste diesen jedoch nur knapp. Drei Spieltage vor Schluss hatte der FCM fünf Punkte Vorsprung auf einen Nichtaufstiegsplatz. So muss der FCM weiter auf sein Debüt im deutschen Profifußball warten. Bildrechte: Sven Friedrichs
Wolfgang Steinbach
Wolfgang "Maxe" Steinbach Der gebürtige Schönebecker Wolfgang "Maxe" Steinbach wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des FCM von den Fans als der beste FCM-Spieler aller Zeiten gewählt. Er bestach durch seine Dribbelkünste, was viele Fans auch wegen seiner Statur ein wenig an Diego Maradona erinnerte. Der Aktivposten war lange Jahre aufgrund seiner exzellenten Technik und seiner mannschaftsdienlichen Spielweise aus dem FCM-Mittelfeld nicht wegzudenken. - Auf dem Foto enteilt er den Lok-Spielern Frank Edmond und Heiko Scholz. 33-jährig hatte er sich 1987 vom Club schon verabschiedet, wurde jedoch von Trainer Streich ein Jahr später aus Schönebeck zurückgeholt. Erst 39-jährig beendete er seine Karriere beim Zweitligisten Oldenburg, bei dem er von 1990 bis 1993 spielte. Bildrechte: Sven Friedrichs
Dirk Stahmann köpft 1990 gegen den HSV
Dirk Stahmann Dirk Stahmann ist ein FCM-Eigengewächs. Der Verteidiger spielte in seiner Karriere alleinig beim FCM und ist auch deshalb eine absolute FCM-Ikone. Selbst nach dem bitteren Abstieg in die Drittklassigkeit hielt er seinem Club die Treue. Der „Lange“ bestritt 1978 als 20-Jähriger seinen ersten Einsatz in der 1. Männermannschaft und trat erst 1994 von der FCM-Bühne ab. Landesweit bekannt war der Abwehrrecke für seine Sprung- und Kopfballstärke. Der langjährige Kapitän ging kompromisslos in Zweikämpfe und war für Einsatzwillen bei Mitspielern und Fans gleichermaßen anerkannt. Den für Stahmann markanten Vollbart hatte er sich auf einer Nordamerika-Reise der DDR-Nationalelf im Jahr 1986 stehen lassen. Mit Vollbart wollte er nun auch gegen Lok Leipzig in der Oberliga auflaufen. Trainer Streich bekam Order „von oben“, dass sich der Kapitän gefälligst rasieren solle, sonst dürfe er nicht auflaufen. Doch Stahmanns setzte sich mit seiner Sturheit durch, rettete den Bart und die 1:0-Führung bis zum Schlusspfiff über die Zeit. Der Vollbart wurde für lange Jahre sein Markenzeichen. Heute arbeitet Stahmann in einem Magdeburger Autohaus als Verkaufsberater. Bildrechte: Sven Friedrichs
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Wolfgang "Maxe" Steinbach Der gebürtige Schönebecker Wolfgang "Maxe" Steinbach wurde im Rahmen der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag des FCM von den Fans als der beste FCM-Spieler aller Zeiten gewählt. Er bestach durch seine Dribbelkünste, was viele Fans auch wegen seiner Statur ein wenig an Diego Maradona erinnerte. Der Aktivposten war lange Jahre aufgrund seiner exzellenten Technik und seiner mannschaftsdienlichen Spielweise aus dem FCM-Mittelfeld nicht wegzudenken. - Auf dem Foto enteilt er den Lok-Spielern Frank Edmond und Heiko Scholz. 33-jährig hatte er sich 1987 vom Club schon verabschiedet, wurde jedoch von Trainer Streich ein Jahr später aus Schönebeck zurückgeholt. Erst 39-jährig beendete er seine Karriere beim Zweitligisten Oldenburg, bei dem er von 1990 bis 1993 spielte. Bildrechte: Sven Friedrichs

Der Meistertrainer

Heinz Krügel war der erfolgreichste Trainer des Osten: Drei Meistertitel, zwei Pokalsiege und der Europacup-Triumph. Bis er auf unwürdige Weise aus seinem Amt entfernt wurde.

Heinz Krügel, Trainer des 1. FC Magdeburg, winkt von der Trainerbank.
Heinz Krügel war der erfolgreichste Klubtrainer des Ostens: Mit dem FCM gewann er drei Meisterschaften und zwei Mal den FDGB-Pokal sowie den Europacup der Pokalsieger. Mit dem SC Chemie Halle gewann er 1962 ebenfalls den FDGB-Pokal. Der gebürtige Zwickauer musste mit 29 Jahren seine aktive Laufbahn aufgrund einer langwierigen Knieverletzung beenden. Über die Umwege Leipzig, Rostock, Nationaltrainer der DDR (1959-61) und Halle kam er 1966 zum FCM, der soeben aus der Oberliga abgestiegen war. Gegenüber seinen Spielern trat er fordernd auf, gab aber auch immer wieder seine Lebenserfahrungen weiter. Martin Hoffmann als Jüngsten der Mannschaft gab er so zu verstehen, dass dieser sich zuerst einen Trabant zulegen solle, nachdem Hoffmann schon auf einen Wartburg schielte. Denn nur etablierte Spieler wie Zapf oder Sparwasser sollten in den Genuss eines Wartburgs kommen. Aufgenommen wurde das Bild während des EC-Endspiels am 08.05.1974 in Rotterdam. Bildrechte: dpa
Heinz Krügel, Trainer des 1. FC Magdeburg, winkt von der Trainerbank.
Heinz Krügel war der erfolgreichste Klubtrainer des Ostens: Mit dem FCM gewann er drei Meisterschaften und zwei Mal den FDGB-Pokal sowie den Europacup der Pokalsieger. Mit dem SC Chemie Halle gewann er 1962 ebenfalls den FDGB-Pokal. Der gebürtige Zwickauer musste mit 29 Jahren seine aktive Laufbahn aufgrund einer langwierigen Knieverletzung beenden. Über die Umwege Leipzig, Rostock, Nationaltrainer der DDR (1959-61) und Halle kam er 1966 zum FCM, der soeben aus der Oberliga abgestiegen war. Gegenüber seinen Spielern trat er fordernd auf, gab aber auch immer wieder seine Lebenserfahrungen weiter. Martin Hoffmann als Jüngsten der Mannschaft gab er so zu verstehen, dass dieser sich zuerst einen Trabant zulegen solle, nachdem Hoffmann schon auf einen Wartburg schielte. Denn nur etablierte Spieler wie Zapf oder Sparwasser sollten in den Genuss eines Wartburgs kommen. Aufgenommen wurde das Bild während des EC-Endspiels am 08.05.1974 in Rotterdam. Bildrechte: dpa
Die undatierte Aufnahme zeigt Heinz Krügel (l), Cheftrainer des 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresdens Trainer Walter Fritzsch, die mit einem Glas Sekt in der Hand in der Kabine stehen.
Die undatierte Aufnahme zeigt Heinz Krügel mit Dynamo Dresdens Trainer Walter Fritzsch. Beide Trainer erlebten die Schrecken des zweiten Weltkriegs hautnah. Krügel war wie auch der Dynamo-Trainer an der Ostfront in der Sowjetunion eingesetzt. Eine weitere Gemeinsamkeit: Beide Trainer stehen für die goldenen 70er, in denen Dynamo und der FCM ihre erfolgreichsten Jahre hatten, und von denen die Vereine auch heute noch zehren. Krügel verlangte seinen Spielern alles ab. Zudem war er ein glänzender Psychologe und konnte die Spieler "richtig scharfmachen", wie sich "Paule" Seguin an seinen Trainer erinnert. Krügel war aber auch Vorbild und Mentor für seine "jungen Wilden", mit denen er die folgenden Jahre die goldene Ära des FCM einläutete. Unter ihm reiften mit Spielern wie Sparwasser, Hoffmann, Seguin, Pommerenke und Zapf zu Nationalspielern, die das Niveau von Nationalmannschaft und Olympiaauswahl mitbestimmten. Bildrechte: dpa
Magdeburgs Trainer Heinz Krügel (1969)
1969: Nach dem 4:0-Sieg des FCM im FDGB-Pokalendspiel gegen den FC Karl-Marx-Stadt wird Krügel auf den Schultern Hans-Georg Moldenhauers (verdeckt) getragen. Gemeinsam mit Krügel freuen sich Jürgen Sparwasser, Rolf Retschlag, Manfred Zapf, Torwart Hans-Georg Moldenhauer (verdeckt), Joachim Walter, Peter Sykora und Jörg Ohm (v.l.n.r.). Wegen seiner Eigenwilligkeiten war Krügel bei seinen Vorgesetzen nicht sehr beliebt. Nach drei Meisterschaften und drei Pokalsiegen ließ er sich erst von Parteigenossen oder Verbandsfunktionären erst recht nicht in seine Arbeit reinreden. 1976 wurde der unbequeme Krügel so von seinen Aufgaben entbunden und lebenslang gesperrt. Begründung: Die Entwicklung der Olympiakader beim FCM hätte Krügel ungenügend gefördert. Kolportiert wird ein anderer Grund: Krügel lehnte es ab, im EC-Spiel gegen die Bayern mit Hilfe eines Abhörgerätes in der Gästekabine Gäste-Trainer Lattek belauschen zu lassen. Als erfolgreichster Klubtrainer des Ostens war er nun als Objektleiter bei der BSG Motor Mitte Magdeburg zuständig für vier Reinigungskräfte, drei Platzarbeiter und einen Hausmeister. Erst im Frühjahr 1990 wurde er rehabilitiert. Danach war er im Alter von 70 Jahren nochmals kurzzeitig Technischer Direktor des FCM (Oktober 1990 – Juni 1991). Bildrechte: dpa
Fotografische Vorlagen für den Bildhauer
2008 verstarb Krügel 78-jährig in Magdeburg. Seiner Popularität tat dies keinen Abbruch. Ein Grund liegt auch darin, dass Krügel in den ganzen Jahren seiner Trainertätigkeit kein Angepasster war. Und er steht für die sportlich erfolgreichste Zeit des FCM. Der Fanrat des 1. FC Magdeburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu Ehren Heinz Krügels ein Denkmal zu errichten. Anlass ist der 40. Jahrestag des Europacupsieges des FCM im Mai 1974. Die Magdeburger Fangemeinde brachte über eine Spendensammlung 25.000 Euro auf, die für so ein Projekt nötig ist. Der Bildhauer Frank Sobirey wurde die Aufgabe übertragen, anhand von Fotografien und Zeitzeugengesprächen die Idee in die Tat umzusetzen. Von einer Tonskulptur wird nun ein Gipsabdruck angefertigt, der die Grundlage für die Bronze-Statue ist. Bildrechte: Oliver Wiebe
Bildhauer Frank Sobirey bei der Arbeit
Symbolische Anteilsscheine mit einem Nennwert von 19,74 Euro wurden als "Heinz-Krügel-Aktie" verkauft, um auf die benötigte Summe zu kommen. Mittlerweile sind mehr als 27.000 Euro für das Denkmal zusammengekommen. Feierlich enthüllt werden soll das Denkmal auf dem Heinz-Krügel-Platz vor dem heimischen FCM-Stadion. Der historische Termin am 8. Mai 2014 für die Einweihung konnte allerdings aufgrund von technischen Schwierigkeiten nicht gehalten werden. Der geplante Termin für die Denkmalsweihe ist nun für das erste Heimspiel der neuen Saison gedacht. Bildrechte: Oliver Wiebe
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Magdeburgs Trainer Heinz Krügel (1969)
1969: Nach dem 4:0-Sieg des FCM im FDGB-Pokalendspiel gegen den FC Karl-Marx-Stadt wird Krügel auf den Schultern Hans-Georg Moldenhauers (verdeckt) getragen. Gemeinsam mit Krügel freuen sich Jürgen Sparwasser, Rolf Retschlag, Manfred Zapf, Torwart Hans-Georg Moldenhauer (verdeckt), Joachim Walter, Peter Sykora und Jörg Ohm (v.l.n.r.). Wegen seiner Eigenwilligkeiten war Krügel bei seinen Vorgesetzen nicht sehr beliebt. Nach drei Meisterschaften und drei Pokalsiegen ließ er sich erst von Parteigenossen oder Verbandsfunktionären erst recht nicht in seine Arbeit reinreden. 1976 wurde der unbequeme Krügel so von seinen Aufgaben entbunden und lebenslang gesperrt. Begründung: Die Entwicklung der Olympiakader beim FCM hätte Krügel ungenügend gefördert. Kolportiert wird ein anderer Grund: Krügel lehnte es ab, im EC-Spiel gegen die Bayern mit Hilfe eines Abhörgerätes in der Gästekabine Gäste-Trainer Lattek belauschen zu lassen. Als erfolgreichster Klubtrainer des Ostens war er nun als Objektleiter bei der BSG Motor Mitte Magdeburg zuständig für vier Reinigungskräfte, drei Platzarbeiter und einen Hausmeister. Erst im Frühjahr 1990 wurde er rehabilitiert. Danach war er im Alter von 70 Jahren nochmals kurzzeitig Technischer Direktor des FCM (Oktober 1990 – Juni 1991). Bildrechte: dpa

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV:

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SACHSEN-ANHALT HEUTE | 02.11.2015 | 19:00 Uhr