28. August 1949 Waggonbau Dessau gewinnt den ersten FDGB-Pokal

Am 28. August 1949 wurde in Halle das erste Finale des FDGB-Pokals, dem Pendant zum heutigen DFB-Pokal, ausgetragen. Der Sieger des Spiels war die BSG Waggonbau Dessau. Sie gewann die heiß umkämpfte Begegnung gegen die BSG Gera-Süd knapp mit 1:0.

Etwas mehr als 12.000 Zuschauer waren an jenem heiteren Augusttag ins Kurt-Wabbel-Stadion in Halle gepilgert. Das Stadion war voll und die Stimmung glänzend. Auch unter den Spielern der beiden Mannschaften BSG Waggonbau Dessau und BSG Gera-Süd. Immerhin war es das Finale eines gerade erst ins Leben gerufenen Wettbewerbs im Osten Deutschlands und für die allermeisten Akteure auch der Höhepunkt ihres Fußballerlebens.

Ausgeglichene Begegnung

Georg Buschner
Georg Buschner - schneidiger Spieler der BSG Gera-Süd und späterer Nationalcoach der DDR. Bildrechte: DRA

Beiden Mannschaften wurden von Fußballexperten gleich gute Chancen auf den Gewinn des FDGB-Pokals eingeräumt. Die Elf aus Gera galt als das Team mit der besseren Defensive. Aus der Mannschaft ragte besonders der schneidige Georg Buschner, späterer DDR-Fußballnationaltrainer, heraus. Die Dessauer hingegen hatten die treffsichereren Stürmer in ihren Reihen. Lange Zeit war das Finalspiel dann tatsächlich auch ausgeglichen, doch in der 76. Minute erzielte Torjäger Franz Kusmierek das 1:0 für die BSG Waggonbau Dessau. Es war gleichzeitig das alles entscheidende Siegtor, denn die Spieler aus Gera konnten keine größeren Akzente mehr setzen. Im Gegenteil: Kurz vor Schluss hatte der Dessauer Rudolf Kersten gar die Chance zum 2:0 auf dem Fuß, doch er vergab sie. Die BSG Waggonbau Dessau hatte damit Geschichte geschrieben als erster Sieger des FDGB-Pokals.

Pokal der Einheitsgewerkschaft

Die DDR war in jenem August 1949 noch gar nicht gegründet. Deutschlands Osten war die Sowjetische Besatzungszone, kurz SBZ. Der erste Wettbewerb um den Pokal des "Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes" (FDGB) hatte im Frühsommer 1949 in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg seinen Anfang genommen. Mecklenburg hatte auf eine Teilnahme am Wettbewerb verzichtet. Insgesamt 139 Mannschaften spielten um den Wanderpokal, der einen Fußballspieler zeigt, der von zwei Arbeitern flankiert wird. Teilnahmeberechtigt waren ausschließlich Betriebssportgemeinschaften (BSG) sowie Mannschaften der Polizei. Den vier besten Teams winkte zudem eine Teilnahme an der gerade gegründeten Fußball-Oberliga. Am Ende setzten sich die Traditionsmannschaften BSG Waggonbau Dessau und die BSG Gera-Süd in den Ausscheidungsspielen durch und bestritten das Finale um den Pokal der Einheitsgewerkschaft.

Eine warme Mahlzeit und zwei Kaltgetränke

Die Dessauer Spieler wurden nach ihrer Rückkehr aus dem nahegelegenen Halle von ihren Fans im heimischen Stadion "Schillerpark" stürmisch gefeiert. Sie sollen für den Gewinn des FDGB-Pokals, so berichtete Reporterlegende Heinz Florian Oertel 2000 dem "Tagesspiegel", 7,50 Mark, dazu eine warme Mahlzeit sowie zwei Kaltgetränke, was sicherlich Bier meinte, erhalten haben. Ihren Erfolg konnte die Dessauer Mannschaft nicht wiederholen. Bis 1955 spielten sie in der DDR-Oberliga, stiegen dann aber in die Zweite Liga ab. Ab 1967 verschwand der Verein, der heute SV Dessau 05 heißt, schließlich in den Niederungen der Regionalligen. Der FDGB-Pokal wurde bis zum Ende der DDR ausgetragen.

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Geschichte Mitteldeutschlands - Begehrte Trophäe des DDR-Fußballs: der FDGB-Pokal" 08.07.2014 | 21:15 Uhr