Mein Foto - meine Geschichte Ihre Fotos und Erlebnisse aus dem Herbst 1989

Zahlreiche Zuschriften haben uns erreicht. Vielen Dank dafür! Wir haben für Sie einige Bilder ausgewählt, um Ihre "Freiheit 89"-Momente noch einmal mitzuerleben. Klicken Sie sich durch spannende Geschichten.

Erste persönliche Begegnung von Carry Mühlstädt mit Freundin Claudia (links).
Dezember 1989 - Carry Mühlberg aus Geithain (Sachsen). Carry Mühlstädt und Freundin Claudia verbindet seit 1982 eine ganz besondere "Ost-West"-Freundschaft, die bis heute währt. Sie begann mit einer Flaschenpost, welche Claudia auf der Fähre bei Travemünde bei Lübeck im August 1982 in die Ostsee warf. Carry fand diese am Weststrand bei Ahrenshoop auf dem Darß. Es war der Beginn eines regen Briefwechsels. Als die Grenzen geöffnet wurden, trafen sich beide Freundinnen im Beisein von Carrys Mutter im Dezember 1989 im hessischen Herleshausen am Bahnhof. Die Freundschaft hält bis heute. Inzwischen hat sie 37 Jahre auf dem Buckel. "Wir sind wie Schwestern", schreibt Carry, die im sächsischen Geithain beheimatet ist. Lebenswege, Freud und Leid werden miteinander geteilt, genauso wie laut Carry "filmreife" Anekdoten und Erlebnisse. Bildrechte: Carry Mühlstädt
Erste persönliche Begegnung von Carry Mühlstädt mit Freundin Claudia (links).
Dezember 1989 - Carry Mühlberg aus Geithain (Sachsen). Carry Mühlstädt und Freundin Claudia verbindet seit 1982 eine ganz besondere "Ost-West"-Freundschaft, die bis heute währt. Sie begann mit einer Flaschenpost, welche Claudia auf der Fähre bei Travemünde bei Lübeck im August 1982 in die Ostsee warf. Carry fand diese am Weststrand bei Ahrenshoop auf dem Darß. Es war der Beginn eines regen Briefwechsels. Als die Grenzen geöffnet wurden, trafen sich beide Freundinnen im Beisein von Carrys Mutter im Dezember 1989 im hessischen Herleshausen am Bahnhof. Die Freundschaft hält bis heute. Inzwischen hat sie 37 Jahre auf dem Buckel. "Wir sind wie Schwestern", schreibt Carry, die im sächsischen Geithain beheimatet ist. Lebenswege, Freud und Leid werden miteinander geteilt, genauso wie laut Carry "filmreife" Anekdoten und Erlebnisse. Bildrechte: Carry Mühlstädt
25. September 1989 - Johannes Beleites aus Großkochberg (Thüringen). Beschreibung: Leipzig, Karl-Marx-Platz, vor der Hauptpost, am 25. September 1989 während einer Montagsdemonstration.
Festnahme nach TV-Ausstrahlung in Tagesthemen Ab dem 4. September 1989 demonstrierten in Leipzig Scharen für eine friedliche Revolution. Anfangs am Nikolaikirchhof, später auf dem kompletten Innenstadtring – zur Überraschung für den Straßenbahnfahrer der Linie 10 – aufgenommen von Johannes Beleites am 25. September 1989. Eine Woche später, am 2. Oktober fanden dieses und weitere Bilder von Beleites den Weg in die im Westen ausgestrahlten Tagesthemen. Am gleichen Tag, so schreibt er uns, wurde er beim Fotografieren von der Staatssicherheit überfallen. Man "entriss mir meine Kamera; vier Wochen danach brachte man sie mir stillschweigend wieder zurück", so Beleites. Auch, als er im November nach Rumänien aufbrach und dort intensiv fotografierte, musste er in Haft. Zusätzlich wurde ihm die Kamera entzogen. Doch nach neun Tagen kam er samt Kamera wieder frei. Ab Januar 1990 war er in Leipzig an der Stasi-Auflösung beteiligt und schrieb im zuständigen Sonderausschuss der Volkskammer mit am ersten Stasi-Unterlagen-Gesetz. Später studierte er Jura. Heute lebt er er als Selbständiger in Thüringen. Bildrechte: Johannes Beleites
11. November 1989 – Lothar Engler (Goslar, Niedersachsen). Beschreibung: Lothar Engler zwischen Soldaten der Grenztruppen. beim Abriss des Zauns.
Erste innerdeutsche Grenzöffnung – ohne Absprache In der Nacht vom 11. auf den 12. November 1989 war Lothar Engler als Führer der technischen Einheit vom Bundesgrenzschutz in Goslar Zeuge der ersten innerdeutschen Grenzöffnung. Brisant: Diese erfolgte Englers Aussagen zufolge ohne Absprache. In grüner Uniform half er als Führer der technischen Einheit vom Bundesgrenzschutz in Goslar Soldaten der DDR-Grenztruppe beim Abriss des Zauns zwischen Eckertal (Niedersachsen) und Stapelburg (Sachsen-Anhalt). Bis zu seiner Pensionierung 2015 arbeitete Engler bei der Bundespolizei bzw. beim Bundesgrenzschutz. 2013 war Engler Gründungsmitglied des Grenzerkreis-Abbenrode, bei dem sich Menschen aus Ost und West treffen, um Erlebnisse aufzuarbeiten. Bildrechte: Lothar Engler
13. November 1989 - Sabine Matzke-Melzwig (Leipzig) Beschreibung: Ein kleiner Junge mit brennender Kerze an der Hand seines Vaters" während einer Montagsdemonstration in Leipzig.
Rührende Aufnahme von kleinem Jungen Während der Montagsdemonstration am 13. November 1989 machte Sabine Matzke-Melzwig eine besondere Aufnahme, als sie Demonstranten aus allen Altersbereichen wahrnahm. „Jung und Alt auch mit Gehstock bewirkten das Friedliche an diesen Tagen und Monaten“, schrieb sie. „Das war für mich so bewegend, dass ich dieses Bild mit Text versah und an alle meine Verwandten, Freunde und Bekannte verschickte“. In der Hoffnung auf „ein besseres Zuhause, ein besseres Auto“. Heute sagt sie: „Ich habe recht viel von der Welt und den wunderschönen Landschaften gesehen“. Bildrechte: Sabine Matzke-Melzwig
November 1989 – Steffen Ottinger (Frankenberg (Sachsen). Beschreibung: Die Aufnahmen der Demonstrationen sind im Zentrum von Karl-Marx-Stadt vor dem Karl-Marx-Monument von Lew Kerbel, dem sowjetischen Bildhauer, entstanden.
Demonstrationen vor dem Karl-Marx-Monument Steffen Ottinger machte im November historische Aufnahmen von Demonstrationen in Chemnitz. Transparente mit der Aufschrift "SED nee" sind klar zu sehen. Im Zuge der Wiedervereinigung konnte er seine damalige Arbeit nicht fortsetzen. „Glücklicherweise bekam ich die Gelegenheit, eine Anstellung in der Schweiz anzunehmen. Trotz anfänglicher Skepsis, waren meine Familie und ich davon überzeugt, so ein Angebot nicht noch einmal zu erhalten“, so Ottinger, der nach drei Jahren wieder gen Heimat zurückkehrte. Von den Erfahrungen im Alpenland habe er bis zum Erreichen des Rentenalters in Mitteldeutschland gezehrt, so Ottinger, der heute in Frankenberg bei Chemnitz lebt. Bildrechte: Steffen Ottinger
November 1989 – Steffen Ottinger (Frankenberg (Sachsen). Beschreibung: Die Aufnahmen der Demonstrationen sind im Zentrum von Karl-Marx-Stadt vor dem Karl-Marx-Monument von Lew Kerbel, dem sowjetischen Bildhauer, entstanden.
Demonstrationen vor dem Karl-Marx-Monument Steffen Ottinger machte im November historische Aufnahmen von Demonstrationen in Chemnitz. Transparente mit der Aufschrift "SED nee" sind klar zu sehen. Im Zuge der Wiedervereinigung konnte seine damalige Arbeit nicht fortsetzen. „Glücklicherweise bekam ich die Gelegenheit, eine Anstellung in der Schweiz anzunehmen. Trotz anfänglicher Skepsis, waren meine Familie und ich davon überzeugt, so ein Angebot nicht noch einmal zu erhalten“, so Ottinger, der nach drei Jahren wieder gen Heimat zurückkehrte.  Von den Erfahrungen im Alpenland habe er bis zum Erreichen des Rentenalters in Mitteldeutschland gezehrt, so Ottinger, der heute in Frankenberg bei Chemnitz lebt. Bildrechte: Steffen Ottinger
9. November 1989: Thomas Ebert beim Auftritt (Riesa, Dresden). Beschreibung: Thomas Ebert beim Auftritt in Karl-Marx-Stadt mit dem Lied -Einmal fliegen-.
Öffnung der Mauer mitten im Auftritt „Einmal fliegen“ Auch diese Geschichte dürfte für Gänsehaut sorgen. Nicht nur bei Augenzeugen der Wiedervereinigung. Liedermacher Thomas Ebert hatte am 9. November 1989 im damaligen Karl-Marx-Stadt einen Auftritt und sang sein ein Jahr zuvor selbst geschaffenes Werk: „Einmal fliegen“. Just in diesem Moment „ging am anderen Ende des Saales die Tür zur angrenzenden HO-Gaststätte auf und störte sofort die Ruhe im Saal und somit auch meinen Auftritt“, so Ebert, der zunächst empört reagierte und sein Lied dennoch zu Ende spielte. Zugleich bekam er via laut aufgedrehten Radio aus der Gaststätte Wortfetzen der Nachricht von Schabowski´s legendärer Pressekonferenz mit.  
Direkt nach dem Ende seines Auftrittes zog es ihn in die Kneipe, wo sich die Menschen bereits in den Armen lagen. „Dass es ausgerechnet dieses Lied war, bei dem ich vom Fall der Mauer erfuhr, ist noch heute ein Glücksgefühl“, sagte Ebert noch heute stolz. Inzwischen ist Ebert, Jahrgang 1960, als Fahrer eines Reisebusses in ganz Europa unterwegs. Sein Rückblick: "Den ganz großen Traum vom "Fliegen um die ganze Welt" kann ich mir vielleicht irgendwann einmal erfüllen. Jedenfalls kann es mir niemand mehr verbieten!"
Bildrechte: Thomas Ebert
Aufnahmen aus Nürnberg nach erfolgter Flucht – Thomas Hartung (Elsenfeld, Bayern)  Beschreibung: Bild aus dem Fotoalbum. Zu sehen:  Sohn Stefan beim Verändern des Länderkennzeichens von DDR zu D und Hartungs Frau Ulla
Bilder der Republik-Flucht über Ungarn Thomas Hartung lieferte uns eine bewegende Story über die Republik-Flucht seiner vierköpfigen Familie. Nach der Flucht über Ungarn landete er mit Frau Ulla und den Kindern Anke und Stefan zunächst in der Nähe von Wien, später in Weiden und schließlich im Nürnberger Ortsteil Großgründlach, woher auch diese Aufnahmen stammen. Aufregung pur, zudem noch mit geschmuggelten DDR-Geld, welches während der Flucht im Trabi nass geworden war. Im wiedervereinten Deutschland machte Lehrer Thomas das notwendige zweite Staatsexamen, Frau Ulla passte ihrer Erzieher-Ausbildung ans neue System an. Inzwischen beide in Rente bzw. Pension und im bayerischen Elsenfeld beheimatet. Ihre Kinder Anke und Stefan leben beide in San Diego. Bildrechte: Thomas Hartung
7. Oktober 1989 in der Antarktis - Torsten Gäbler (Dresden). Beschreibung: 40-Jahre-DDR-Feier. Zu sehen: Der Stationsleiter der DDR und Thomas Gäbler.
"40 Jahre DDR"-Feier in Antarktis - unbemerkt von Entwicklung in der Heimat Torsten Gäbler erlebte die friedlichen Demonstrationen zur Wiedervereinigung in der Antarktis. In der Station "Georg Forster" machte er diese Aufnahme am 7. Oktober 1989. Der Stationsleiter der DDR, Gäste aus Indien sowie Gäbler selbst sind hier zu erkennen. Anlass war eine Feier zum 40. Jahrestag der DDR, die ausgerichtet werden musste. Eingeladen waren auch der russische und indische Stationsleiter. Zu diesem Zeitpunkt ahnte Gäbler noch nichts von einer möglichen politischen Wende. Die Entwicklung der Montagsdemonstrationen bekam er erst Tage später via Rügenradio mit. Nach der Währungsumstellung 1990 betrat er erstmals das neue, vereinigte Deutschland.
Gäblers Rückblick: "Hätte es die Wende nicht gegeben, wäre ich bestimmt alle zwei Jahre in die Antarktis gefahren und hätte dort als Koch gearbeitet. Aber ich glaube das mein Leben so viel interessanter war."
Bildrechte: Torsten Gäbler
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