Die Friedenstaube in der DDR

"Kleine weiße Friedenstaube, fliege übers Land". Ein Lied das viele Menschen, die in der DDR gelebt haben, mitsingen oder wenigstens summen können. Die Friedenstaube als politisches Symbol. Warum eigentlich?

Die Friedenstaube – 40 Jahre lang gehörte sie zum Bild der DDR. Als Kulisse zahlreicher Parteikongresse, als Kinderbild dem Parteichef zum Geschenk, als Symbol auf so mancher Friedensdemonstration oder als Maskottchen der alljährlichen Friedensfahrt. Die Friedenstaube war im Alltag der DDR weit verbreitet, viel weiter verbreitet als "Hammer und Zirkel im Ehrenkranz" oder andere realsozialistische politische Symbole.

Ursprung der Friedenstaube

Dabei hat die weiße Taube als Friedensbotschafterin mit Ölzweig im Schnabel ihren Ursprung in der Bibel. Wie konnte sie dann zum realsozialistischen Motiv werden? 1949 tagte der sogenannte "Weltkongress der Kämpfer für den Frieden" in Paris. Dort wurde die Friedenstaube zum Ursymbol der Weltfriedensbewegung auserkoren.

Geschaffen hat sie kein geringerer als Pablo Picasso. Der große Maler der Moderne war zugleich Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs. "Einer der Protagonisten dieser Weltfriedensbewegung war zufälligerweise zu Besuch im Atelier seines Freundes Pablo Picasso", erzählt der Historiker Stefan Wolle, der in Berlin das DDR-Museum leitet. "Und er sah, dass der sehr schön Tauben gemalt hat. Picasso war schon von Kindheit an ein großer Freund der Tauben gewesen. Hat immer wieder Tauben gemalt und hat da wohl auch gerade eine neue Taube geschenkt bekommen, die er da porträtiert hatte." Und genau diese Taube wählte Picassos Freund als Symbol für die friedensbewegten Kommunisten.

Vom Gemälde zum Friedenslied

Im Frühjahr 1949 entdeckte die damals 22-jährige Kindergärtnerin Erika Schirmer diese Friedenstaube von Picasso auf einem Plakat im Thüringischen Nordhausen. Nach ihrer Flucht aus Schlesien war sie hier gestrandet:

 gezeichnete Friedenstaube auf einer Papierfahne
Friedenstaube Bildrechte: Fabian Thomm

"Und das war ein ganz eigenes Gefühl. Um mich herum Schmutz, Trümmer, ganz, ganz traurige Menschen. Und auf einmal diese weiße Taube. Und ich hab mir gewünscht, dass die Taube losfliegen soll." Von Picassos Taube inspiriert, dichtet Erika Schirmer das Lied von der kleinen weißen Friedenstaube – das in der DDR schnell zu einem oft auf Pionier- und Parteiveranstaltungen gesungenen Lied wurde.

Über dieses Thema berichtete MDR ZEITREISE auch im: TV | 22.08.2017 | 21:15 Uhr