Geschichte Mitteldeutschlands - Die neuen Fime | sonntags, 20:15 Uhr Vertrackte Geschichte(n): Der böse Sachse in Hollywood

Vom Mittelalter bis in die Gegenwart - die "Geschichte Mitteldeutschlands" lädt in fünf neuen Filmen zur Zeitreise: Auf den kargen Spuren der Mystikerin Mechthild von Magdeburg oder des Renaissance-Malers Lucas Cranach d. J. bewegen wir uns zurück in Zeiten voller Umbrüche. Mit Emmy Göring, der Gattin von Hitlers Reichsmarschall, und Lotte Ulbricht, der Frau des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, geht es um zwei Figuren der jüngeren Vergangenheit mitsamt ihren vertrackten Beziehungs- und Familiengeschichten. Und da hat auch Gert Fröbes Biografie einiges zu bieten. Warum es "Goldfinger" von Hollywood immer wieder nach Sachsen zog, auch das enthüllt die neue GMD-Staffel ...

Fünf Menschen, fünf neue Folgen: Eine Vorschau im Trailer

Gert Fröbe - Der Hollywoodstar aus Zwickau

Gert Fröbe und Sean Connery
Gert Fröbe (1913-1988) als Auric Goldfinger und und Sean Connery als James Bond Bildrechte: imago/EntertainmentPictures

007 - das ist der bekannteste Code der Filmgeschichte, dahinter steckt kein geringerer als James Bond. Sein bis heute berühmtester Gegenspieler war "Goldfinger" - unvergessen gespielt von Gert Fröbe. Er war der Weltstar, der aus dem sächsischen Zwickau stammte. Er war der Film-Bösewicht, der seine Mutter über alles liebte. So pendelte er mitten im Kalten Krieg permanent zwischen West und Ost, zwischen Hollywood und Zwickau, auch um den Segen für seine gerade aktuelle Liebschaft bzw. neuerliche Eheschließung einzuholen ...

Lotte Ulbricht - Zwischen Parteidisziplin und Mutterrolle

Einst war sie die starke Frau an der Seite von Walter Ulbricht, die First Lady der DDR. Eine Frau, die für die Partei lebte und deren Interessen über alles stellte. Auch über die eigene Tochter? Das jedenfalls legen Tonbandaufnahmen von Beate Ulbricht nahe, die erstmals in einer TV-Dokumentation zu hören sind. In einem Interview mit einer Boulevardzeitung aus dem Jahr 1991 lässt sie kein gutes Haar an ihrer Adoptivmutter.

Doch was ist dran an den Vorwürfen? Wie agierte Lotte Ulbricht, wie kam sie klar mit ihren vielen Rollen: als idealistische Kommunistin und Stalinistin, als First Lady, Frauenrechtlerin und Mutter? Experten, Zeitzeugen aus dem privaten Umfeld der Ulbrichts und frühere Freunde helfen bei der Einordnung und zeichnen so ein eindrucksvolles Porträt von Lotte Ulbricht.

Emmy Göring - Die First Lady der Nazis

Sie lebten auf ihrem Landsitz Carinhall umgeben von Pomp, Prunk und Protz. Während Millionen Menschen starben, führten sie ein fürstliches Leben inmitten millionenschwerer Beutekunst: Die Rede ist von Hermann und Emmy Göring. Als Reichsmarschall war er der zweite Mann im Nazistaat, sie galt als die "First Lady der Bewegung". Über die Schauspielerin aus Hamburg, die viele Jahre ihres Berufslebens in Weimar verbrachte und dort auch Hermann Göring kennenlernte, ist kaum etwas bekannt. Doch Funde in Archiven in Weimar liefern neue Fakten zu ihrem Leben und werfen die Frage auf, was sie von den Machenschaften ihres Mannes wusste, von seinen unglaublichen Kunstdiebstählen, seinen Raubzügen durch ganz Europa und über seine Beteiligung an der Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden?

Schauspielerin Kirsten Block spielt Emmy Göring - das Dokudrama stützt sich dabei fast ausschließlich auf Originaldokumente aus der Nachkriegszeit.

Lucas Cranach der Jüngere - Maler, Unternehmer, Politiker

Passend zum 500. Geburtstag von Lucas Cranach dem Jüngeren widmet sich "Geschichte Mitteldeutschlands" diesem Maler, der trotz seines großartigen Schaffens lange Zeit im Schatten seines Vaters blieb. Dabei leistete er als Künstler und Unternehmer einiges. Sein Vater, Hofmaler und Propagandist der Reformation, hatte es in der Residenzstadt Wittenberg zu großem Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung gebracht. Doch in den Wirren der Religionskriege musste er Wittenberg gemeinsam mit dem Kurfürsten verlassen. Sein Sohn sprang ein. Er übernahm die Werkstatt des Vaters - und ein enormes Wirtschaftsunternehmen.

Der Film zeigt, wie es Lucas Cranach dem Jüngeren gelang, das Familien-Imperium weiter auszubauen, sich als einer der reichsten Bürger Wittenbergs aber auch für die Belange der Stadt einzusetzen. Dabei erwacht das Wittenberg aus der Zeit der Reformation neu zum Leben, eine Stadt mit einer großen Geschichte, die schließlich nicht "nur" wegen Luther, sondern auch wegen der Cranachs und ihrer Bilder der Reformatoren noch heute in aller Munde ist.

Mechthild von Magdeburg - Eine Frau mit Visionen

Bei den Dreharbeiten zum Film über Meschthild von Magdeburg in der MDR-Reihe zur Geschichte Mitteldeutschlands.
Bei den Dreharbeiten der Spielseznen für den Film über Mechthild (1207-1282) im März 2015 im Harz. Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Das 13. Jahrhundert war eine Zeit voller Umbrüche. Aus Siedlungen wurden Städte, in denen sich das Leben völlig neu organisierte. "Stadtluft macht frei", heißt es noch heute. Doch wie sah das Leben aus in einer mittelalterlichen Stadt Anfang des 13. Jahrhunderts? Was ist dran am Bild vom "dunklen Mittelalters"? Fragen wie diesen geht die "Geschichte Mitteldeutschlands" mit dem Film über "Mechthild von Magdeburg" nach und erforscht so das Leben einer Frau, die ihre adlige Familie verließ und in der Stadt Magdeburg ein Leben führte, dass sie nicht nur Gott, sondern auch ihren Mitmenschen widmete. Damit machte sie sich auch Feinde, sah es die bisherige Ordnung doch vor, ledige Frauen ins Kloster zu schicken. Mechthild von Magdeburg aber wurde eine "Begine" und schloss sich einer Gemeinschaft von Frauen an, die ihr Leben selbst organisierten.

Der Film zeigt am Beispiel der Mechthild von Magdeburg einen Tag im Leben einer mittelalterlichen Stadt mit all ihren Facetten - Krankheit und Tod, Glaube und Hoffnung, Handel und Wandel. Es ist ein Alltag, in dem die Geldwirtschaft eine immer größere Bedeutung erfährt, ein Alltag, der geprägt ist von Krankheiten wie Lepra, von Armut und Not, ein Alltag zwischen Frömmigkeit und Freiheitsdrang, zwischen zunehmendem Selbstbewusstsein der Bürger und wachsender Ungleichheit, zwischen Gestank und Müll auf der einen und Lebensfreude, Gottvertrauen und Hoffnung auf der anderen Seite ...

Sendedaten: Die neue Staffel startet am 2. August 2015 Lotte Ulbricht - Zwischen Parteidisziplin und Mutterrolle
02.08.2015 | 20:15 Uhr

Gert Fröbe - Der Hollywoodstar aus Zwickau
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Lucas Cranach der Jüngere - Maler, Unternehmer, Politiker
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Mechthild von Magdeburg - Eine Frau mit Visionen
30.08.2015 | 20:15 Uhr

Familiengeschichten & Beziehungskisten * Im Film über Lotte Ulbricht geht es um das schwierige Verhältnis zu ihrer Adoptivtochter - ein bislang kaum bekanntes Kapitel ihrer Biografie.

* Gert Fröbe, der Weltstar aus Zwickau, hatte ein ausgesprochen gutes Verhältnis zu seiner Mutter. Immer wieder pendelte er zwischen West und Ost, zwischen Hollywood und Zwickau, um sein Heimweh zu stillen und den mütterlichen Segen für seine jeweils "aktuelle" Ehefrau zu bekommen. Was nicht jeder seiner Beziehungen gut tat.

* Um eine spannende Vater-Sohn-Beziehung wiederum geht es im Film über Lucas Cranach den Jüngeren. Lange Zeit stand er im Schatten seines berühmten Vaters, heute werden seine Leistungen als Künstler neu bewertet und seine sozialen Verdienste als Unternehmer in Wittenberg wieder entdeckt.

* Noch weiter zurück in die Vergangenheit geht es mit Mechthild von Magdeburg, der Film rekonstruiert dabei das Leben in einer mittelalterlichen Stadt Anfang des 13. Jahrhunderts in all seinen Facetten. Die Mystikerin verließ ihre Familie und wurde "Begine", sie lebte in einer Gemeinschaft von Frauen an, die sich selbst organisierten. Das erregte Ärgernis.

Making of Gedreht wurden die fünf neuen Folgen an Schauplätzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, für "Mechthild von Magdeburg" war das Team im Harz; Kloster Michaelstein und Schloss Blankenburg bildeten die Kulisse für die Spielszenen. Bis Ende März wurde u.a. in Leipzig (Gert Fröbe), Wittenberg (Cranach der Jüngere), bei Potsdam (Lotte Ulbricht) und Groß Leuthen (Emmy Göring) gedreht.

Fakten & Fiktion: Kirsten Block ist Emmy Göring In einem Mix aus dokumentarischen Aufnahmen und aufwändig inszenierten Spielszenen erzählt Moderator Gunter Schoß die fünf spannenden Lebensgeschichten.

Erstmals zu sehen ist ein Porträt der Emmy Göring, die in jungen Jahren als Schauspielerin am Weimarer Nationaltheater engagiert war. Gespielt wird Hermann Görings Frau von der Schauspielerin Kirsten Block, bekannt durch Fernsehauftritte, u. a. in den Krimireihen "Tatort" und "Polizeiruf 110".

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 15:15 Uhr