Das Archivbild vom 14. Mai 1991 zeigt die Berliner Treuhandanstalt im ehemaligen Haus der Ministerien in der Leipziger Straße.
Bildrechte: dpa

Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand

Im Juli 1990 wurde die Treuhandanstalt gegründet, um die 8.500 "volkseigenen Betriebe" der DDR zu privatisieren. Vier Jahre später wurde sie wieder aufgelöst. Das Fazit: 4.000 Betriebe wurden geschlossen, zweieinhalb Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Und der Schuldenberg wuchs auf insgesamt 256 Milliarden Mark.

Das Archivbild vom 14. Mai 1991 zeigt die Berliner Treuhandanstalt im ehemaligen Haus der Ministerien in der Leipziger Straße.
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Die Dokumentation "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" thematisiert die Frage, wie man aus der Geschichte lernen kann, will versuchen nachzuvollziehen, wie es ist, wenn eine soziale Marktwirtschaft auf ein sozialistisches Land mit Planwirtschaft stößt. Insbesondere in der Anfangszeit, als die Strukturen noch unübersichtlich waren, ließ sich die Treuhand um mehrere Milliarden Mark betrügen. Doch die meisten Täter gingen straffrei aus den Gerichten heraus oder wurden noch nicht einmal angeklagt.

Das sagen die damals Beteiligten

Zu Wort kommt in der Dokumentation unter anderem Detlef Scheunert. Er war zunächst Vorstandsassistent und später Direktor der Treuhand für den Bereich Glasindustrie. Damit galt Scheunert als einer der wenigen Ostdeutschen, die in der oberen Liga der Treuhand mitagieren durften. Er war bereit zu lernen, wie eine soziale Marktwirtschaft funktioniert. Doch das sei schwieriger gewesen, als er gedacht habe, gesteht er.

Klaus Klamroth war Direktor in der Niederlassung in Halle. Auch er erzählt von seinen Erfahrungen und gibt zu, damals zu naiv gehandelt zu haben. Insgesamt mussten 200 von 869 Firmen, für die er zuständig war, geschlossen werden. Die meisten der ostdeutschen Firmen wurden an westdeutsche Unternehmen veräußert.

War die Zeit schuld?

Die Dokumentation thematisiert vor allem das Problem der Zeit. Die damaligen volkseigenen Betriebe mussten unter einem enormen Tempo privatisiert werden - sowohl die Zeit als auch die Kontrolle fehlten, die viele Firmen, Fabriken und Immobilien vor dem Aus hätten retten können. In den vier Jahren, in den die Treuhand bestand, verschwanden 4.000 Betriebe, über zwei Millionen Arbeitsplätze. Ein Ausverkauf. Der Dokumentarfilm beschreibt ihn erstmals aus Sicht führender Treuhandmanager, die sich damals auch keine Illusionen machten über manche Glücksritter, die mit den Privatisierungen ihre privaten Taschen füllten.

Ostbetriebe in Westhänden Von der Treuhand verteilt

VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, Blick auf die Anlagen des Erdoelverarbeitungswerkes
Petrolchemisches Kombinat Schwedt Das PCK Schwedt war eines der größten Kombinate der DDR. Es wurde im Juni 1990 aufgelöst und von der Treuhandanstalt an die deutschen Mineralölgesellschaften VEBA und DEA sowie einem italienisch-französischem Konsortium aus Agip, elf und Total verkauft. 2011 erwarb der staatliche russische Mineralölkonzern Rosneft die Mehrheit der Anteile. Bildrechte: IMAGO
Blick auf die Neptunwerft in Rostock Warnemünde
VEB Schiffswerft Neptun Nach dem Ende der DDR übernahm der Bremer "Vulkan"-Verbund die traditionsreiche Werft in Rostock, die zu ihren Glanzzeiten 7.000 Menschen beschäftigte. 1991 musste die Neptun Werft auf Grund von EU-Beschränkungen den Schiffsneubau einstellen. 1997 wurde die Werft von der Meyer Werft aus Papenburg übernommen. Bildrechte: IMAGO
PIKO Chef Dr. Rene F. Wilfer, mit seiner markanten piko-Brille, posiert mit zwei Modell-Triebwagen seiner Firma.
VEB PIKO Sonneberg Der VEB Piko, Hersteller von Modelleisenbahnen und bis 1990 Teil des VEB Kombinat Spielwaren Sonneberg, wurde 1990 vom bayerischen Unternehmer Rene F. Wilfer gekauft; Wilfert sanierte das Werk und führte es erfolgreich in die Marktwirtschaft. Bildrechte: IMAGO
VEB Petrolchemisches Kombinat Schwedt, Blick auf die Anlagen des Erdoelverarbeitungswerkes
Petrolchemisches Kombinat Schwedt Das PCK Schwedt war eines der größten Kombinate der DDR. Es wurde im Juni 1990 aufgelöst und von der Treuhandanstalt an die deutschen Mineralölgesellschaften VEBA und DEA sowie einem italienisch-französischem Konsortium aus Agip, elf und Total verkauft. 2011 erwarb der staatliche russische Mineralölkonzern Rosneft die Mehrheit der Anteile. Bildrechte: IMAGO
Waggons in der Montagehalle des VEB Waggonbau Görlitz
Waggonbau Görlitz Das Unternehmen wurde 1990 aus dem VEB Kombinat Schienenfahrzeugbau herausgenommen und in den folgenden Jahren von diversen internationalen Firmen gekauft und weiterverkauft; 1998 erwarb dann der kanadische Konzern Bombardier den Görlitzer Waggonbau. Bildrechte: IMAGO
EDV-Anlage auf dem Messestand von Robotron
VEB Kombinat Robotron "Hast du einen schlauen Sohn, so schicke ihn zu Robotron", dichtete einst der Volksmund über das Dresdner Elektronik-Kombinat. Robotron stellte EDV-Anlagen, Schreibmaschinen, Mikrorechnersysteme und in den 1980er-Jahren Computer und Drucker (auch für das westliche Ausland) her. Robotron (ein aus den Wörtern Elektronik und Roboter zusammengesetztes Kunstwort) bestand aus 21 Betrieben und hatte insgesamt 68.000 Mitarbeiter. 1990 wurde das Kombinat aufgelöst, die einstigen Kombinatsbetriebe unterstanden fortan der Treuhand, die viele von ihnen abwickelte. Neue Eigentümer waren unter anderem IBM, Siemens-Nixdorf und SAP. Bildrechte: IMAGO
In der Diamant Fahrradwerke GmbH in Hartmannsdorf bei Chemnitz montieren Christine Landgraf (vorn) und Martina Brüggemann Citybikes "designo" mit Alurahmen.
VEB Fahrradwerke Elite Diamant Diamant-Fahrräder konnten auch zu DDR-Zeiten mit der internationalen Konkurrenz mithalten. Sämtliche Radrennfahrer des Landes fuhren auf den Rädern aus Karl-Marx-Stadt, "Täve" Schur und Bernhard Eckstein auf Diamant-Fahrrädern gar zu Weltmeistertiteln. 1991 wurde Diamant privatisiert, der Produktionsumfang eingeschränkt und die Belegschaft stark verringert. Ein Jahr später übernahm die schweizerische Villiger Gruppe die Fahrradwerke. Seit 1997 wird im benachbarten Hartmannsdorf produziert. Seit 2003 ist Diamant Teil der amerikanischen Trek Bicycle Corporation. Bildrechte: dpa
Unternehmenssitz der Mitteldeutschen Fahrradwerke AG (MIFA) in Sangerhausen (2015)
VEB Mifa Fahrradwerke Sangerhausen 1990 wurden die traditionsreichen Fahrradwerke von der Treuhand privatisiert und 1996 von zwei Unternehmern aus Sangerhausen erworben und an die Börse gebracht. 2011 erwarb Carsten Maschmeyer 33 Prozent der Anteile an den Fahrradwerken, was ihm zum größten Einzelinvestor machte. 2014 kaufte der einstige Krupp-Manager und Unternehmer Heinrich von Nathusius die seit etlichen Jahren rote Zahlen schreibenden Fahrradwerke. Drei Jahre später folgte die Insolvenz. Seit Mitte 2017 führt der Coburger Manager Stefan Zubcic das Unternehmen als Sachsenring Bike Manufaktur weiter. Bildrechte: IMAGO
Der Kohle-Zug-Betrieb in einer Grube des Tagebaus Cottbus-Nord.
VEB Kombinat TAKRAF TAKRAF steht für "Tagebau-Ausrüstungen, Krane und Förderanlagen". Zu dem riesigen Kombinat mit Stammsitz in Leipzig gehörten einstmals fast alle Volkseigenen Betriebe dieser Branche, ebenso Zulieferbetriebe, Forschungseinrichtungen und Projektierungsfirmen. Exportiert wurden die TAKRAF-Anlagen in die ganze Welt. Am 1. Mai 1990 wurde das Kombinat von der Treuhand in die TAKRAF Schwermaschinenbau AG umgewandelt. Diverse bundesdeutsche und internationale Konzerne erwarben nach und nach einzelne Betriebe oder Teile des einstigen Kombinats. Die einstigen Betriebsteile in Leipzig und Lauchhammer wurden zur TAKRAF GmbH zusammengefügt und gehören seit 2007 der Tenova, einer Tochtergesellschaft der internationalen Techint-Gruppe. Bildrechte: dpa
Eisenhüttenkombinat Ost - Blick über die Wohnblocks auf das EKO vor 1989.
VEB Eisenhüttenkombinat Ost Das Stahlwerk mit angeschlossener Stadt beschäftigte in den 1980er-Jahren knapp 16.000 Menschen und war das größte der DDR. In den Jahren nach 1990 wurden knapp 14.000 Mitarbeiter entlassen. 1994 erwarb der belgische Konzern Cockerill-Sambre das Stahlwerk. 2002 übernahm der transnationale Arcelor-Konzern die Hütte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
LKW der Firma Deutrans
DEUTRANS Die internationale Spedition der DDR war mit ihren Lkw (vorwiegend Fahrzeuge von Volvo, Mercedes, MAN, Iveco und Ford) auf allen Straßen Europas und Asiens unterwegs. "Lackschuhkutscher" wurden die durchaus privilegierten Fahrer in ihren West-Lkw genannt. 1990 übernahm die bundesdeutsche Spedition Kühne und Nagel die durchaus profitabel arbeitende Spedition mit Sitz in Ostberlin. Bildrechte: IMAGO
Verkehrsszene mit Werbung für VEB- Polygraph an einer Fußgängerbrücke.
VEB Kombinat Polygraph Werner Lamberz Leipzig Insgesamt acht Betriebe mit etwa 40 Betriebsteilen waren im Kombinat Polygraph zusammengefasst, das Druckmaschinen und eine Vielzahl anderer Maschinen für die Papierver- und -bearbeitung herstellte. 1990 wurde das Kombinat aufgelöst, die einzelnen Betriebe teils abgewickelt oder von bundesdeutschen Unternehmen übernommen. Den einstigen Leipziger Stammbetrieb erwarb die Heidelberger Druckmaschinen AG. Die Plamag Maschinenbau Plauen wurde von der MAN Roland Gruppe gekauft und Planeta Radebeul wurde Teil der Koenig & Bauer AG Würzburg.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: artour | 11.01.2018 | 22:05 Uhr.
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Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand Deutschland 2012

Ein Dokumentarfilm
Produktion: zero one film
in Koproduktion mit SWR, NDR und MDR.

Zuletzt aktualisiert: 10. Juli 2018, 13:24 Uhr