Geschichte

Das Hausbuch in der DDR: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

DDR-Hausbuch im Museum der Volkspolizei in Dresden
Das sogenannte Hausbuch. Auch in Gemeinschaftsunterkünften wie etwa Studenten- oder Arbeiterwohnheimen war das Führen eines Hausbuchs gesetzlich vorgeschrieben. Bildrechte: IMAGO
Plattenbauten DDR in der Dämmerung
In der DDR existierte seit Anfang der 1950er-Jahre eine eigentümliche Praxis: In Gemeinden ab 5.000 Einwohnern gab es in jedem Wohnhaus ein eigenes kleines Buch... Bildrechte: Mahmoud Dabdoub / MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
DDR-Hausbuch im Museum der Volkspolizei in Dresden
Das sogenannte Hausbuch. Auch in Gemeinschaftsunterkünften wie etwa Studenten- oder Arbeiterwohnheimen war das Führen eines Hausbuchs gesetzlich vorgeschrieben. Bildrechte: IMAGO
Hausbuch
Erfasst wurden im Hausbuch sowohl die ständigen Mieter als auch deren Besucher. Grundlage dafür war die gesetzliche Meldeordnung des Ministeriums des Innern vom 6. September 1951. (Im Bild: Hausbuch eines Mietshauses in Leipzig in den 1970er-Jahren.) Bildrechte: Dörte Hanisch
Hausbuch
Die ersten Seiten des Hausbuches waren für die Mieter bestimmt. Erfasst wurden: Name, Geburtsort, Geburtsdatum, Beruf, Personalausweisnummer, Staatsangehörigkeit und genaue Lage der Wohnung im Haus (etwa 1. Stock, links). (Im Bild: Hausbuch eines Mietshauses in Leipzig in den 1970er-Jahren.) Bildrechte: Dörte Hanisch
Hausbuch aus DDR-Zeiten
Die hinteren Seiten des Hausbuches waren für die Eintragungen der Besucher des Hauses bestimmt. Alle Besucher aus der DDR, die sich länger als drei Tage im Haus aufhielten, mussten eingetragen werden; Besucher aus dem Ausland mussten sich hingegen sofort anmelden. (Im Bild: Hausbuch aus den 1980er-Jahren.) Bildrechte: dpa
Hausbuch
Vermerkt wurden generell: persönliche Daten sowie die Länge des Besuchs. Bei Besuchern aus dem Ausland musste auch das Datum der Einreise in die DDR erfasst werden. (Im Bild: Hausbuch eines Mietshauses in Leipzig in den 1970er-Jahren.) Bildrechte: Dörte Hanisch
Altes Hausbuch aus DDR-Zeiten - Hier mussten alle Bewohner und Besucher eines Wohngebäudes eingetragen werden.
Geführt wurde das Hausbuch von einem sogenannten Hausvertrauensmann. Das war bei kommunal verwalteten Häusern ein (natürlich politisch zuverlässiger) Mieter, bei privaten Häusern in der Regel der Eigentümer. Bildrechte: IMAGO
ABV steht an Straßenecke
Die Hausbücher waren natürlich ein Instrument des Staates, um seine Bürger zu überwachen. Alle acht Wochen wurden die Hausbücher vom zuständigen Abschnittsbevollmächtigten (ABV) eingesehen und überprüft. Auch Volkspolizei und Staatssicherheit nutzten die Hausbücher bei ihren Ermittlungen - gaben Hausbücher doch darüber Auskunft, wer von wem wie oft und lange besucht wurde. (Im Bild: ABV in den 1970er-Jahren in Leipzig.) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hausbuch
"Die Verletzung der Meldepflicht" galt als "strafbare Handlung". 150 Mark waren bei geringen Verstößen fällig, im schlimmsten Fall konnte auch eine Haftstrafe von bis zu sechs Wochen verhängt werden. Vorbild für die DDR-Hausbücher waren übrigens die Hausbücher in der UdSSR. Dort hießen sie domowaja kniga. Das deutsche Wort ist eine Lehnübersetzung aus dem Russischen. (Im Bild: Hausbuch eines Mietshauses in Leipzig in den 1970er-Jahren.) (sl)
(Über dieses Thema berichtete MDR im TV auch in "Wortschatz DDR", 15.10.2011, 14.20 Uhr.)
Bildrechte: Dörte Hanisch
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