Doppelagent Heinz Felfe

02. Dezember 2020, 09:44 Uhr

Heinz Felfe hatte jahrelang den Bundesnachrichtendienst von innen heraus für den sowjetischen Geheimdienst KGB ausgekundschaftet. Damit bescherte er dem BND einen der größten Skandale seiner Geschichte. 1961 fliegt er auf und wird verhaftet. Doch man hätte ihn schon viel früher schnappen können. Auf einer Dienstreise in die USA entging er nur knapp einem Lügendetektor-Test.

Am 6. November 1961 wird Heinz Felfe verhaftet. Der gebürtige Dresdner ist zu diesem Zeitpunkt beim Bundesnachrichtendienst der Chef der "Gegenspionage Sowjetunion". Doch ausgerechnet er war ein Maulwurf des sowjetischen Geheimdienstes KGB. Über zehn Jahre lang lieferte er brisante Informationen nach Moskau.

Er hat Operationen verraten, er hat Quellen verraten, er hat Mitarbeiter verraten, die Klaridentitäten. Alles, was er in Erfahrung bringen konnte, hat er auch nach Moskau gemeldet.

Bodo Hechelhammer Chefhistoriker BND

Was erst jetzt bekannt wird: Man hätte den Doppelspion beinahe schon viel früher enttarnt. Felfe war 1956 zusammen mit  anderen BND-Kollegen auf Dienstreise in den USA. Die CIA wollte den Deutschen die professionelle Struktur und Arbeitsweise des amerikanischen Geheimdienstes vorführen. Felfe meldete diese brisanten Informationen umgehend nach Moskau. Aber dann wurde es für den KGB-Agenten heikel.

Felfe fliegt auf

Gleich in der ersten Woche bei der CIA wurde ihnen ein Lügendetektor vorgeführt. Um die Funktionalität des Gerätes zu demonstrieren, suchte man sich unter allen Teilnehmern ausgerechnet Heinz Felfe aus. Hätte der sich nicht erfolgreich aus der Affäre ziehen können, hätte dieser Test mit großer Wahrscheinlichkeit zur Enttarnung geführt.

Und doch war es diese Amerika-Reise, die am Ende zu Felfes Enttarnung geführt hat. Ein KGB-Spion, der zu den Amerikanern übergelaufen ist, gab der CIA den entscheidenden Tipp: Bei der BND-Reisegruppe 1956 seien KGB-Spione dabei gewesen. Und der Kreis war ja nun mal sehr klein.

Angst hatte ich eigentlich nicht. Ich war überzeugt, dass ich das Richtige tat und tun musste. Ein Risiko war nicht auszuschließen, aber Angst habe ich nicht gehabt.

Heinz Felfe

Karriere des Ex-Agenten

Felfe soll in der Zeit von 1951 bis 1961 insgesamt 15.000 geheime Vorgänge und 100 CIA-Agenten verraten haben. Der BND musste sein gesamtes Spionagesystem in der Sowjetunion neu organisieren. Der Doppelspion kommt vor Gericht und wird 1963 zu vierzehn Jahren Haft verurteilt. Schon sechs Jahre später wird er gegen 21 politische Häftlinge ausgetauscht. Er lebt fortan in der DDR, promoviert und arbeitet als Professor für Kriminalistik an der Humboldt-Universität in Berlin. 

Heinz Felfe reiste vor 61 Jahren nach Amerika - in einer Zeit, als versteckte Botschaften noch mit Geheimtinte geschrieben oder per Zahlenkolonnen im Rundfunk übertragen wurden. Und doch handelt es sich nicht nur um eine Anekdote aus der Vergangenheit. Denn das Geheimdienstgewerbe hat noch immer Konjunktur. Und längst nicht alles wurde aufgedeckt: So war in der BND-Reisegruppe noch ein weiterer KGB-Spion unterwegs. Seine Identität wurde nie aufgeklärt.

(tf/klee)

Über dieses Thema berichtet der MDR im Magazin ZEITREISE im: TV | 11.08.2019 | 22.00 Uhr