Jürgen Schneider: "Baulöwe" und Betrüger

Jürgen Schneider vor Mädler Passage
Eleganter Auftritt: Jürgen Schneider in seiner sanierten "Mädler-Passage" 1993 in Leipzig. Aber sein Engagement in der Messestadt wurde, wie Schneider einmal sagte, sein "Waterloo". Zu dem Zeitpunkt nämlich, als er Leipzig einzukaufen begann, hatte er im Westen bereits einen Schuldenberg von über 2 Milliarden D-Mark angehäuft. Bildrechte: dpa
Dr. Jürgen Schneider, der als Baulöwe bekannt gewordene Immobilienspekulant, steht am 23.03.2000 mit seiner Ehefrau Claudia vor dem Kempinski-Hotel 'Fürstenhof' in Leipzig, das zu seinen ehemaligen Immobilien gehört.
Als er 1990 erstmals nach Leipzig kam, verliebte er sich sofort in die Stadt. (Jürgen Schneider mit Frau Claudia 2000 vor dem sanierten Hotel "Fürstenhof".) Bildrechte: dpa
Barthels Hof in Leipzig
Er wollte der in weiten Teilen verfallenen Stadt ihr "historisches Gesicht" wiedergeben: "Im Zentrum der Stadt lag eine bauliche Schönheit im Dornröschenschlaf und ich war der Prinz, der sie wach küssen wollte und konnte." - Und Schneider kaufte ab 1991 im großen Stile ein: etwa "Barthels Hof"... Bildrechte: MDR/Julia Rubner
Jürgen Schneider vor Mädler Passage
Eleganter Auftritt: Jürgen Schneider in seiner sanierten "Mädler-Passage" 1993 in Leipzig. Aber sein Engagement in der Messestadt wurde, wie Schneider einmal sagte, sein "Waterloo". Zu dem Zeitpunkt nämlich, als er Leipzig einzukaufen begann, hatte er im Westen bereits einen Schuldenberg von über 2 Milliarden D-Mark angehäuft. Bildrechte: dpa
Blick auf die Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main (Archivbild 8/1996).
Um sich seine Immobilien leisten zu können, benötigte Schneider immerfort neue Kredite. Damit er möglichst hohe Kredite bekam, rechnete Schneider, da die Kredite sich an den zu erwartenden Mieteinnahmen orientierten, seine Objekte größer als sie tatsächlich waren. Er fälschte Rechnungen, Baupläne und Mietverträge. Die Banken prüften nicht nach. Schneider bekam so viel Geld, wie er nur wollte. "Ich wunderte mich selbst, das es so einfach war", wird Schneider Jahre später im Prozess verwundert feststellen. Im Frühjahr 1994 begann das Imperium Jürgen Schneiders zu wanken - er musste seinen Hauptkreditgeber, die Deutsche Bank, über eine drohende Zahlungsunfähigkeit informieren. Am 10. April 1994 vermeldeten die Nachrichten: Der Bauunternehmer Jürgen Schneider und seine Frau seien verschwunden. Rund 50 Geldinstituten schulde der Bauunternehmer mehr als 5,4 Milliarden D-Mark. (Im Bild: Bürotürme der Deutschen Bank in Frankfurt/Main) Bildrechte: dpa
FBI-Fotos des Bauunternehmers Jürgen Schneider nach seiner Verhaftung am 18.5.1995 in Miami.
Jürgen Schneider war untergetaucht. Erst am 18. Mai 1995 wurde der weltweit gesuchte Schneider in Miami verhaftet. Fast ein Jahr saß er in einem Gefängnis in Kalifornien, bevor er an Deutschland ausgeliefert wurde. (FBI-Fotos nach der Festnahme Jürgen Schneiders am 18. Mai 1995.) Bildrechte: dpa
Der Vorsitzende Richter der 29. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts, Heinrich Gehrke, greift vor Verhandlungsbeginn am 3.7.1997 zu einem Aktenordner.
Vor der 29. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts begann am 3. Juli 1997 der Prozess gegen Jürgen Schneider. Es war das größte Strafverfahren, das das deutsche Baugewerbe je erlebt hat. 450 Seiten umfasste die Anklageschrift und Mitarbeiter von mehr als 50 Banken wurden im Laufe des 6-monatigen Prozesses als Zeugen geladen. (Im Bild: Der Vorsitzende Richter Heinrich Gehrke mit Prozessakten.) Bildrechte: dpa
Jürgen Schneider mit seinen Rechtsanwälten Franz Salditt und Christoph Rückel im Gerichtssaal in Frankfurt
"Ich bin kein Unschuldslamm", sagte Jürgen Schneider gleich bei Prozessbeginn und gesteht freimütig, die Banken betrogen zu haben. Er habe Scheinrechnungen ausgestellt und falsche Angaben über die Größe seiner Immobilien gemacht, um höhere Kredite gewährt zu bekommen. Bildrechte: dpa
Der verurteilte ehemalige Baulöwe Jürgen Schneider verläßt am 23.12.1997 verläßt mit seiner Ehefrau Claudia Schneider-Granzow den Gerichtssaal des Frankfurter Landgerichts.
Am 23. Dezember 1997 verkündete das Frankfurter Landgericht das Urteil. Jürgen Schneider wurde wegen schweren Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Als strafmildernd wertete das Gericht die ungeheuerliche Leichtfertigkeit der Banken. (Gemeinsam mit seiner Ehefrau verlässt Jürgen Schneider nach der Urteilsverkündung den Gerichtssaal.) Bildrechte: dpa
Ein großes Aufgebot von Fotografen erwartet Jürgen Schneider am Donnerstag (22.01.1998) vor dem Gefängnis in Frankfurt. Der wegen schweren Betruges zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilte Immobilienspekulant ist zur Verbüßung seiner Reststrafe angetreten.
Ein großes Aufgebot von Fotografen erwartete Jürgen Schneider am 22. Januar 1998 vor dem Gefängnis in Frankfurt/Main, in dem Schneider seine Strafe verbüßen musste. Bildrechte: dpa
Jürgen Schneider
Die Haftstrafe überstand Schneider relativ gut. "Ich komme vom Bau, da kann man mit Menschen umgehen", sagte er. Im Gefängnis schrieb er ein Buch über sein Leben als Baulöwe und Betrüger, das er 2001 auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. Bildrechte: dpa
Jürgen Schneider mit Ehefrau Claudia während eines Interviews in Leipzig
Jürgen Schneider mit Ehefrau Claudia bei einem Besuch 2009 in Leipzig. Schneider sagte damals: "Die Menschen erkennen mich und freuen sich, weil ich Leipzig schöner gemacht habe."
(Über dieses Thema berichtete der MDR im TV auch in "Aktuell", 06.08.2017, 21.45 Uhr)
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