Februar 1945 Jalta-Konferenz: Der Zweite Weltkrieg endet, der Kalte Krieg beginnt

4. bis 11. Februar 1945. In Jalta auf der Halbinsel Krim treffen sich die drei Staatsmänner Roosevelt, Churchill und Stalin. Im Mittelpunkt steht die Aufteilung des Deutschen Reichs und die Gründung der United Nations Organisation (UNO). Doch das als friedlich und weitsichtig geltende Treffen ist in Wahrheit ein einziger Kuhhandel der Staatschefs.

Premierminister Winston Churchill, Präsident Franklin D. Roosevelt und Marschall Joseph Stalin im Palast in Jalta.
Premierminister Winston Churchill, Präsident Franklin D. Roosevelt und Marschall Joseph Stalin im Palast in Jalta Bildrechte: imago images/UIG

Mehr als 10.000 Kilometer Reiseweg hat der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt hinter sich, als er am 3. Februar 1945 auf der Halbinsel Krim ankommt. Wie auch der englische Premier Winston Churchill hat er unter größter Geheimhaltung sein Land verlassen um in Jalta über eine neue Grundordnung der Welt und die Aufteilung Europas nach dem Krieg zu sprechen. Bereits am 22. Januar 1945 verlässt Roosevelt Amerika mit dem Schiff. Nach elf Tagen trifft er sich mit Churchill, der von London eingeflogen kommt, auf Malta. Von dort aus nehmen die beiden getrennte Maschinen nach Jalta. Stalin wiederum, der unter Flugangst leidet, kommt mit einem gepanzerten Zug aus dem 1.200 Kilometer entfernten Moskau angereist.

Roosevelt: Treibende Kraft für die Gründung der UNO

Der amerikanische Staatschef ist zum Zeitpunkt des Treffens der "großen Drei" schon schwer erkrankt und auch Churchill ist gesundheitlich angeschlagen. Doch gerade für Franklin Delano Roosevelt ist diese Konferenz, bei der er Vorsitzender ist, sehr wichtig. Er ist die treibende Kraft bei der Gründung der UNO. Außerdem verständigen sich die Staatschefs darauf, dass, obwohl der militärische Zusammenbruch Hitler-Deutschlands zum Zeitpunkt der "Konferenz von Jalta" nur noch eine Frage der Zeit ist, der Krieg unter allen Umständen beendet werden muss.

Filmaufnahmen nur nach Anweisung

Im Liwadija-Palast in der ehemaligen Residenz des russischen Zaren Nikolaus II. findet das Treffen unter größter Geheimhaltung statt. Die Presse ist nicht zugelassen. Alle existierenden Filmaufnahmen werden vom anwesenden Militär gemacht. Da der 70-jährige Churchill hohes Fieber hat, Roosevelt durch eine seit 20 Jahren existierende Nervenkrankheit seine Beine nicht bewegen kann und Stalin kamerascheu ist, darf nur nach Absprache und Anweisung gefilmt werden. Und zwar immer dann, wenn die Staatsmänner auch staatsmännisch aussehen.

"Moral Bombing": Luftangriff auf Dresden

Obwohl die "großen Drei" an einem runden Tisch sitzen, wird schnell deutlich, wer der Hauptverhandlungsführer ist. Denn zum Zeitpunkt der Verhandlungen stehen Stalins Truppen knapp 70 Kilometer vor den Toren Berlins. Daher hat er die besten Karten in der Hand. Sein Hauptanliegen: Die schnelle Rückführung der sowjetischen Soldaten in ihre Heimat. Besonders jener, die sich in der Obhut der West-Allierten befinden. Und er möchte, dass die bereits durch seine Truppen eroberten Gebiete Deutschland im Einflussbereich der Sowjetunion verbleiben. Churchill sagt Stalin verstärkte Angriffe aus der Luft auf Deutschland zu, um den russischen Vormarsch zu unterstützen. "Moral Bombing" heißt die Strategie intern, also Chaos im feindlichen Hinterland stiften, um die deutsche Zivilbevölkerung kriegsmüde zu machen. So wird unter anderem am 13. Februar 1945 Dresden in Schutt und Asche gebombt. Der Luftangriff auf die Elbestadt wird von Stalin auf der Konferenz gebilligt.

Dresden nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945 Zerstörung Bombardierung Zweiter Weltkrieg
Dresden nach dem Luftangriff vom 13. Februar 1945. Bildrechte: IMAGO

Entstehung des "französischen Büstenhalters"

Dafür setzt der englische Premier Churchill eine französische Besatzungszone in Deutschland durch. Denn die Franzosen waren auf Jalta gar nicht eingeladenen. Churchills Ansinnen: Für den Fall, dass die amerikanischen Truppen nicht lange in Deutschland bleiben, möchte er Stalin nicht alleine gegenüber stehen. Der amerikanische Präsident Roosevelt ist einverstanden und auch Stalin kann schließlich überzeugt werden. Doch er lehnt jegliche Abstriche von seiner Zone ab. Daher treten die Briten und Amerikaner jeweils einen kleinen Teil ihrer Zonen ab: Die Gebiete rund um Mainz, Baden-Baden und Freiburg. Der sogenannte "französische Büstenhalter" umfasst rund zehn Prozent des gesamtdeutschen Gebiets.

Flächendeckende Entmilitarisierung und Entnazifizierung

Während Churchill die Franzosen als "Backup" in Deutschland haben möchte, hat Roosevelt ein anderes Anliegen. Seit 1941 befindet sich Amerika im Krieg mit Japan. Roosevelt möchte diesen Krieg gewinnen. Doch ihm fehlt die militärische Kraft. Stalin verpflichtet sich zur Kriegserklärung gegen Japan. Dafür bekommt er territoriale Gewinne in Fernost zugesichert. Für Deutschland einigten sich Roosevelt, Stalin und Churchill auf die Unterteilung in vier Besatzungszonen mit einem alliierten Kontrollrat und eine flächendeckende Entmilitarisierung und Entnazifizierung. Doch aus den Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition werden nur zwei Jahre später Gegner. Die "Konferenz von Jalta" markiert damit zwar das Ende des Zweiten Weltkrieges, aber gleichzeitig den Beginn des Kalten Krieges.

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Symbolbild Kalter Krieg. Bildrechte: MrWissen2Go

Gründung einer globalen Organisation

Eines der Ergebnisse der Konferenz ist auch die Gründung der Vereinten Nationen, die sich später in New York versammeln werden. Die Ziele der UNO: Friedliche Konfliktlösung und Schutz der Menschenrechte. Im Oktober 1945 wird sie in San Francisco offiziell gegründet. Bis heute sind die Länder der "großen Drei" ständige Mitglieder des UN-Sicherheitsrats, der mit einem Veto-Recht ausgestattet ist. Heute gehören dazu neben Großbritannien, USA und Russland auch Frankreich und China.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: MDR | 1945 - Unsere Städte | 04.02.2020 | 22:05 Uhr