Die Filmkomponisten der Geschichte Mitteldeutschlands: Andreas Moisa (links) und Philipp E. Kümpel (rechts) -
Die Filmkomponisten der "Geschichte Mitteldeutschlands": Andreas Moisa (links) und Philipp E. Kümpel (rechts) Bildrechte: Hagen Wolf

Making of: Die Filmmusik Der Sound zur Geschichte

Das Komponisten-Duo Philipp E. Kümpel und Andreas Moisa schreibt und produziert die Musik zu den Filmen in der MDR-Reihe zur "Geschichte Mitteldeutschlands". Im Interview geben Sie einen Einblick in ihre Arbeit zur aktuellen Staffel ...

Die Filmkomponisten der Geschichte Mitteldeutschlands: Andreas Moisa (links) und Philipp E. Kümpel (rechts) -
Die Filmkomponisten der "Geschichte Mitteldeutschlands": Andreas Moisa (links) und Philipp E. Kümpel (rechts) Bildrechte: Hagen Wolf

Ihr arbeitet im Team: Wie komponiert man zu zweit?

Philipp: Für uns ist es durch unsere ganz unterschiedlichen musikalischen Hintergründe leichter in dieser Konstellation: Ich bin studierter klassischer Musiker mit jahrelanger Orchester-Erfahrung als Kontrabassist. Andreas hat Jazz- und Popularmusik studiert und jahrelang als Gitarrist live und im Studio mit unterschiedlichen Musikern gespielt. Damit ergänzen wir uns sehr gut und bringen immer zwei unterschiedliche Sichtweisen und Einflüsse in unsere Musik ein.

Was ist für Euch als Film-Komponisten das Besondere an dieser Geschichtsreihe?

Bei der Musik zur Geschichte Mitteldeutschlands setzt Andreas Moisa gerne seine speziell in Kalifornien angefertigte Guitarviol ein
Andreas Moisa mit seiner speziell in Kalifornien angefertigten Guitarviol Bildrechte: Hagen Wolf

Andreas: In den letzten fünf Jahren haben wir über 400 Musikstücke für "Geschichte Mitteldeutschlands" komponiert. Darunter auch ein Sängerduell zwischen Walther von der Vogelweide und Tannhäuser nach originalen Texten. Für uns als Film-Komponisten ist die "Geschichte Mitteldeutschlands" eine extrem spannende Spielwiese mit unzähligen musikalischen Möglichkeiten.

Die Reihe stellt bedeutende Persönlichkeiten aus einer sehr geschichtsträchtigen Region vor, vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Wir bewegen uns auch musikalisch durch viele Musikepochen und Musikstile: Von gregorianischen Chören, romantischen Orchesterstücken, großen Heldenthemen und Kampfszenen bis hin zu modernen elektronischen Stücken.

Wie findet Ihr zu den einzelnen Geschichten den richtigen Klang?

Die Klavierstimme nimmt Philipp Kümpel an seinem Flügel auf ...
Philipp Kümpel bei einer Aufnahme am Flügel Bildrechte: Hagen Wolf

Philipp: Zunächst tauchen wir in die jeweilige Geschichte ein und lernen die Charaktere kennen, indem wir die Drehbücher lesen und mit den Autoren sprechen. Diese Gespräche wecken Assoziationen und musikalische Ideen.

Oft sind die Stoffe so spannend, dass wir während unserer Recherche weitere Bücher dazu lesen und uns mit der damals gespielten Musik und ihren Instrumenten befassen. Erst dann beginnen wir mit dem Komponieren.

Wie ist der zeitliche Ablauf?

Philipp E. Kümpel komponiert in seinem Studio die Musik synchron zum Bild.
Musik synchron zum Bild Bildrechte: Hagen Wolf

Andreas: Wir begleiten die Produktion von der finalen Drehbuch-Fassung bis hin zur Fertigstellung der Filme. Der Kompositionsprozess beginnt schon in der Drehphase und die Autoren und Cutter arbeiten im Schneideraum mit der fertigen Musik. Wir möchten an dieser Stelle ein großes Lob an alle Cutter aussprechen, die sich ganz genau mit unserer Musik auseinandersetzen und sie sehr kreativ einsetzen.

Später komponieren wir an ausgewählten Stellen direkt zum Bild und passen einzelne Musikstücke an den Film an. Beim Komponieren wissen wir ja noch nicht wie der Film am Ende aussieht.

Wie geht Ihr konkret an Eure Kompositionsarbeit heran?

Andreas Moisa ist Gitarrist mit langjähriger Bühnen- und Studio-Erfahrung
Andreas Moisa als Gitarrist Bildrechte: Hagen Wolf

Philipp: Zunächst suchen wir am Flügel oder an der Gitarre nach einem musikalischen Motiv, mit dem wir jedem Film eine klangliche Identität geben. Die Geschichte von Gustav Adolf II. spielt im Dreißigjährigen Krieg. Authentische Trommeln, Blasinstrumente oder Instrumente wie die Guitarviol - eine Weiterentwicklung der Viola da gamba - verankern die Musik in diese Zeit.

Im Film über Wolfgang Vogel geht es um die Erkenntnis, dass das Freikaufen von Gefangenen eine Industrie mit immer neuen Gefangenen "produziert" hat. Die Tragik der Geschichte spiegelt sich auch in der Musik wieder: Die Melodie steigt euphorisch immer höher, bis sie plötzlich wieder auf den Ausgangspunkt zurückfällt. Neben zeitgeschichtlichen Klängen bedarf es immer auch einer zweiten, modernen Tonsprache, weil die Serie ein hohes Tempo und große Spannung beinhaltet.

Zuletzt aktualisiert: 15. September 2015, 12:04 Uhr