Staatsstreich oder Volksaufstand?

Laszlo Tökes vor seinem Haus
Der Pfarrer Laszlo Tökes gilt als Auslöser der Ereignisse vom Dezember 1989. Der evangelisch-reformierte Geistliche aus der westrumänischen Stadt Timisoara (Temeswar) hatte sich 1989 mehrfach kritisch über Nicolae Ceausescus Politik geäußert. Im Oktober sollte er daher in eine andere Pfarrei zwangsumgesiedelt werden. Bildrechte: imago/Detlev Konnerth
Laszlo Tökes vor seinem Haus
Der Pfarrer Laszlo Tökes gilt als Auslöser der Ereignisse vom Dezember 1989. Der evangelisch-reformierte Geistliche aus der westrumänischen Stadt Timisoara (Temeswar) hatte sich 1989 mehrfach kritisch über Nicolae Ceausescus Politik geäußert. Im Oktober sollte er daher in eine andere Pfarrei zwangsumgesiedelt werden. Bildrechte: imago/Detlev Konnerth
Ein Soldat und ein bewaffneter Zivilist zielen am 24. Dezember 1989 in Rumänien aus einem Hauseingang heraus auf Heckenschützen.
Am nächsten Tag demonstrierten Tausende Bürger in den Straßen von Timisoara. Sie rissen Ceausescu-Bilder von den Wänden und verbrannten Bücher des Diktators. Armee und Geheimdienst versuchten die Lage, unter Kontrolle zu bekommen. Doch vergebens: Die Demonstranten leisteten erbitterten Widerstand. Und auch in anderen Städten erhoben sich die Menschen: in Sibiu, Arad und in der Hauptstadt Bukarest. Die Lage in Rumänien war derart angespannt, dass ein Funke genügte, um das gesamte Land in Windeseile in Aufruhr zu versetzen. Bildrechte: dpa
Nicolae und Elena Ceausescu
Einen Tag später versuchte Ceausescu ein zweites Mal, sein Volk auf einer eilends einberufenen Kundgebung der Kommunistischen Partei auf Linie zu bringen. Die Leute waren aber so aufgebracht, dass sie umgehend begannen, das Parteigebäude zu stürmen. Ceausescu und seine Frau Elena flohen aufs Dach des Hauses und retteten sich in einen Hubschrauber. 70 Kilometer hinter Bukarest endete ihre Flucht. Nachdem der Pilot das Ehepaar abgesetzt hatte, wurde es von der Securitate festgenommen. Am ersten Weihnachtsfeiertag verurteilte ein Militärtribunal Elena und Nicolae Ceausescu in einem Schnellverfahren zum Tode. Das Urteil wurde noch am selben Tag vollstreckt. Bildrechte: dpa
Ion Iliescu 1989
Zum Nachfolger Ceausescus wurde am 26. Dezember 1989 Ion Iliescu ernannt. Iliescu sprach damals ebenfalls unentwegt von "Terroristen", die Ceausescus Regime wieder an die Macht bringen wollten. Historiker aber werfen Iliescu vor, das blutige Chaos herbeigeführt zu haben, um seine handstreichartige Machtübernahme zu rechtfertigen. Denn die sogenannten "Terroristen" habe es nie gegeben. Eine strukturierte Opposition, die einen Aufstand hätte bewerkstelligen können, gab es in Rumänien jedoch nicht. Es wird vermutet, dass Gegner von Ceausescu innerhalb des Geheimdienstes Securitate seinen Sturz in die Wege geleitet haben. Iliescu hat dabei offenbar die Rolle eines Putschistenführers gespielt. Beweise gibt es für diese These nicht. Alle relevanten Dokumente und Unterlagen sind nach wie vor geheim. Bildrechte: IMAGO
Auf den Dächern von Fahrzeugen jubeln Rumänen in Oravita mit Flaggen.
Am 25. Dezember wurde der verhasste Diktator in einem Schauprozess zu Tode verurteilt. Der Begeisterung über das Ende des Regimes hielt nicht lange vor: Zwar wurde die Rationierung von Lebensmitteln, die mitunter tagelangen Strom- und Wassersperren, nach und nach aufgehoben – die Armut aber blieb. Bildrechte: dpa
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