Manfred Krug - Schauspieler, Sänger, Schriftsteller

Der Schauspieler Manfred Krug

Der Charme des Aufmüpfigen

Seine erste Hauptrolle hatte Manfred Krug 1960 in Frank Beyers Film "Fünf Patronenhülsen". Den ersten großen Erfolg feiert er zwei Jahre später in dem autobiografischen Film "Auf der Sonnenseite".

Reporter Heinz Engelhardt (Horst Drinda, l.) gibt seinen Einstand bei den Lokomotivbauern (Manfred Krug, Mitte, Rolf Herricht).
Krug - 1937 in Duisburg geboren - zog mit seinem Vater 1947 in die DDR, wo er Karriere machte. Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der DEFA-Komödie "Bevor der Blitz einschlägt" aus dem Jahr 1959 mit Manfred Krug (links Horst Drinda, rechts Rolf Herricht). Bildrechte: MDR/Progress
(Filmszene) Manfred Krug spaziert mit Gitarre und Koffer in der Hand an Pärchen in Toreingang vorüber.
"Der Film trifft das Lebensgefühl unserer jungen Generation", jubelten die Kritiker. Bildrechte: MDR FERNSEHEN / Langer Samstag
Manfred Krug (M) als Boß einer Brigade von Zimmerleuten in dem DDR-Film "Spur der Steine" von 1966 unter der Regie von Frank Beyer.
In Frank Beyers "Spur der Steine" spielte Manfred Krug den Zimmermann-Brigadier Hannes Balla. Krug bezeichnete diesen Film als den wichtigsten, den er in der DDR gedreht hat. Doch der Film wird 1966 verboten und erst 1989 in Berlin aufgeführt. Bildrechte: dpa
Manfred Krug
1998 wurde Manfred Krugs Autobiographie "Abgehauen" durch die ARD verfilmt. In dem Streifen geht es um Krugs Ausreise 1977 in die Bundesrepublik. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Reporter Heinz Engelhardt (Horst Drinda, l.) gibt seinen Einstand bei den Lokomotivbauern (Manfred Krug, Mitte, Rolf Herricht).
Krug - 1937 in Duisburg geboren - zog mit seinem Vater 1947 in die DDR, wo er Karriere machte. Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der DEFA-Komödie "Bevor der Blitz einschlägt" aus dem Jahr 1959 mit Manfred Krug (links Horst Drinda, rechts Rolf Herricht). Bildrechte: MDR/Progress
(Filmszene) Manfred Krug bärtig in Nahaufnahme.
Seine erste große Rolle hatte Manfred Krug 1960 in Frank Beyers Film "Fünf Patronenhülsen". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Manfred Krug an Schleifmaschine
Den ersten großen Erfolg aber feierte er in dem autobiografischen Film "Auf der Sonnenseite" von 1962. Krug spielt einen Arbeiter ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
(Filmszene) Manfred Krug mit Krawatte applaudiert
... der Schauspieler werden möchte. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
(Filmszene) Manfred Krug mit Krawatte
Das Drehbuch zu dieser Gegenwartskomödie schrieb der Dichter Heinz Kahlau. Krug spielt darin überwiegend seine eigene Lebensgeschichte. Die Rolle macht ihn zum Publikumsliebling. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hauptmann Florian von der Mühle und sein treuer Freund Amadeus
Krug spielte auch in zahlreichen Mantel- und Degenfilmen mit, hier als "Hauptmann Florian von der Mühle" aus dem Jahr 1968. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Jutta Hoffmann und Manfred Krug in "Das Versteck"
Manfred Krug und Jutta Hoffmann in dem DEFA-Film "Das Versteck" von 1976 ... Bildrechte: MDR/PROGRESS Film-Verleih/Waltraut Pathenheimer, Günter Sahr
(Filmszene) Manfred Krug aufgenommen im Profil mit Koteletten.
... nachdem sowohl Jutta Hoffmann als auch Krug 1977 in den Westen übergesiedelt waren, kam der Film erst 1978 in die Kinos. Krug hatte sich zusammen mit anderen Prominenten gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann gewehrt. Als der Schauspieler daraufhin arbeitslos wurde, stellte er seinen Ausreiseantrag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Manfred Krug mit Familie nach der Ausreise.
Manfred Krug hier mit Ehefrau Ottilie und Tochter Josephine bei einem Bummel im Februar 1978 durch Westberlin - der neuen Heimatstadt der Krugs. Bildrechte: dpa
Manfred Krug als Rechtsanwalt Liebling
Manfred Krug als kauziger Kiez-Anwalt Liebling in der ARD-Serie "Liebling Kreuzberg", die von 1986 bis 1998 ausgestrahlt wurde. Bildrechte: SFB
Die beiden Hauptkommissare Paul Stoever (CHARLES BRAUER) und Brockmöller (MANFRED KRUG).
Von 1984 bis 2002 war Manfred Krug der "Tatort"-Kommisar Paul Stöver (hier mit seinem Kollegen Brockmöller, gespielt von Charles Brauer). Bildrechte: dpa
Schauspieler Manfred Krug
In den vergangenen Jahren hatte Krug aus Gesundheitsgründen nur vereinzelt Auftritte. In Leipzig unterzog er sich einer schweren Herz-OP. Bildrechte: IMAGO
Manfred Krug und Uschi Brüning
Doch dann kam sein Comeback auf der Bühne - nicht als Schauspieler, sondern als Sänger gemeinsam mit Jazz-Musikerin Uschi Brüning. Das Foto zeigt beide bei einem Konzert im Januar 2016 im Leipziger Gewandhaus. Krug und Brüning arbeiten seit über 40 Jahren musikalisch zusammen. Bildrechte: IMAGO
Alle (16) Bilder anzeigen

Der Sänger

Der Sänger Manfred Krug

Manfred Krug war nicht nur Schauspieler, er war immer auch Musiker. Anfangs trat er als Jazz-Interpret auf, später sang er auch Schlager, Arbeiterlieder und Chansons.

Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz.
Manfred Krug (M., mit Gitarre) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz Bildrechte: dpa
Manfred Krug (M., mit Gitarre) und Ruth Hohmann (r) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz.
Manfred Krug (M., mit Gitarre) beim Auftritt der "Jazz-Optimisten" am 31.10.1965 in der Kongresshalle am Berliner Alexanderplatz Bildrechte: dpa
Manfred Krug
Manfred Krug in einem kleinen Musikfilm, in dem er eines seiner berühmtesten Lieder singt: "Wenn Du schläfst". Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Manfred Krug
Manfred Krug bei der Vorstellung seiner CD "Das Beste aus der DDR" 2007 in Berlin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wenn ich singe mit Manfred Krug
Manfred Krug interpretiert gemeinsam mit seiner Tochter Fanny "Schöner Gigolo, armer Giogolo" 2012 im NDR FERNSEHEN. Bildrechte: © NDR/G. Becher, honorarfrei
Wenn ich singe mit Manfred Krug
Probe im Aufnahmestudio: Manfred Krug mit Star-Trompeter Till Brönner Bildrechte: © NDR/G. Becher, honorarfrei
Wenn ich singe mit Manfred Krug
Gute Stimmung im Studio: Charles Brauer (links) und Manfred Krug während einer Gesangsaufnahme. Bildrechte: © NDR/G. Becher, honorarfrei
Alle (6) Bilder anzeigen
Regisseur Frank Beyer. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
B. K. Tragelehn im Interview 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Abgehauen"

Stimmen zu Krugs Übersiedlung in den Westen

Was Manfred Krug über seine Ausreise geschrieben hat, nennt sein Bruder Roger ein "Gemisch aus Wahrheit und Fiktion". Das ist nur eine von vielen Stimmen.

Frank Beyer 1975
Als Manfred Krug im Januar 1977 von einer Konzerttournee durch die DDR zurückkehrte, war er sehr deprimiert, erinnerte sich der Regisseur Frank Beyer 1993. Die Konzerte waren von bestellten Parteikadern gestört, einige Konzerte waren ganz abgesagt worden. "Manfred dachte: Was soll's hier noch?", sagt Beyer. "Und das hat dann dazu geführt, dass er den Ausreiseantrag gestellt hat." Bildrechte: dpa
Frank Beyer 1975
Als Manfred Krug im Januar 1977 von einer Konzerttournee durch die DDR zurückkehrte, war er sehr deprimiert, erinnerte sich der Regisseur Frank Beyer 1993. Die Konzerte waren von bestellten Parteikadern gestört, einige Konzerte waren ganz abgesagt worden. "Manfred dachte: Was soll's hier noch?", sagt Beyer. "Und das hat dann dazu geführt, dass er den Ausreiseantrag gestellt hat." Bildrechte: dpa
Ursula Karusseit 1974
Die Schauspielerin Ursula Karusseit, die mit Krug unter anderem im Fernsehfilm "Wege übers Land" in den 1960er-Jahren vor der Kamera gestanden hatte, meint, dass Krug die DDR gar nicht habe verlassen wollen. "Er wollte nicht raus aus seinem schönen Haus, dass ihm gewiss wichtiger war als die DDR." Bildrechte: dpa
Werner Lamberz
Um möglichst zügig seine Ausreisegenehmigung zu erhalten, hatte Manfred Krug dem SED-Politbüromitglied Werner Lamberz eine Kopie seines Tagebuchs, in dem er die Ereignisse seit der Ausbürgerung Wolf Biermanns im 1976 schildert, versprochen: "Damit du eine Chance hast, andere vorsichtiger und klüger zu behandeln." Tatsächlich übergab Krug seinem Duzfreund Lamberz vor der Ausreise das Tagebuch. Womöglich, so mutmaßen Kritiker Krugs, um eine Ausreise "1. Klasse" durchzudrücken. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eberhard Heinrich
Krug hatte gegenüber Freunden angekündigt, ihre Namen zu schwärzen, um sie nicht in Gefahr zu bringen, bevor er das Tagebuch Werner Lamberz übergeben wird. Das jedoch scheint nicht geschehen zu sein. Eberhard Heinrich, Mitglied der Agitationskommission beim Politbüro der SED und enger Mitarbeiter von Werner Lamberz, kann sich jedenfalls nicht an geschwärzte Stellen erinnern. "Das wäre mir sicher aufgefallen", sagte er 1998 im MDR-Kulturmagazin "artour". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hans-Joachim Hoffmann
Am 4. Mai 1977 hatte Manfred Krug einen Termin beim Kulturminister Hans-Joachim Hoffmann (im Bild rechts, links der Maler Johannes Heisig). Ein paar Tage vorher hatte der ihn angerufen und gesagt: "Wir müssen mal über alles sprechen." Fast drei Stunden dauerte die Unterredung. Hoffmann drohte Krug nicht, versuchte ihn auch nicht zu erpressen, sondern mühte sich, ihn mit allerlei Versprechungen zum Bleiben zu bewegen: "Wir machen mit dir eine Tournee durch die ČSSR, durch die DDR, durch die Sowjetunion. Sagen Sie mir, wo Sie privat hinwollen, in jedes Land der Erde, Sie werden reisen." (Quelle: Manfred Krug, Abgehauen, Econ 1996) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eberhard Heinrich
In seinem Buch "Abgehauen" schildert Manfred Krug ausführlich seine damalige Furcht, in Bautzen oder Rummelsburg inhaftiert zu werden. Eberhard Heinrich hält Krugs Befürchtungen für albern: "Einen so beliebten Star wie Manfred Krug konnte man doch überhaupt nicht wegsperren!" Und das wusste Krug, so Heinrich, auch ganz genau. Es ging in allen Gesprächen lediglich um die Frage, "was darf der Krug in den Westen mitnehmen und was nicht". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Armin Mueller-Stahl als Wolfgang Schmidt und Eva-Maria Hagen als Helene
Armin Mueller-Stahl (hier als Wolfgang Schmidt im Film "Nelken mit Aspik") und Manfred Krug waren bis 1977 enge Freunde gewesen. Auch Mueller-Stahl hatte die Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns unterzeichnet. Als Krug mit allem Nachdruck und "ohne Rücksicht auf Verluste" seine Ausreise gefordert, Mueller-Stahl aber beschlossen hatte, vorerst in der DDR zu bleiben, zerbrach ihre Freundschaft. Was Mueller-Stahl seinem einstigen Freund vorwirft, will er nicht öffentlich sagen. Gesehen haben sich die beiden seit damals aber nicht wieder. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Hilmar Thate und Rainer Werner Fassbinder 1982
"Krug stilisiert sich selbst", zürnte der Schauspieler Hilmar Thate, (im Bild links, rechts der Regisseur Rainer Fassbinder) der die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung auch unterschrieben hatte, über die Schilderungen Krugs im Zusammenhang mit seiner Übersiedlung in die BRD. Krug, so Thate, "ignoriert Details, die ihn in ein unschönes Licht stellen würden". (Quelle: Super Illu, 1998) Bildrechte: dpa
Roger Krug
Manfred Krugs Tagebuch "Abgehauen" über seine Ausreise aus der DDR sei ein "Gemisch aus Wahrheit und Fiktion", sagte Krugs Bruder Roger 1998 dem "Focus". Roger Krug, Antiquitätenhändler im Westen, schmuggelte im Frühjahr 1977 insgesamt etwa 20 Gepäckstücke mit Antiquitäten seines Bruders über Berliner Grenzübergänge. Aktionen, die den Verdacht nähren, die üblicherweise gut informierte Staatssicherheit hätte den beliebten Schauspieler mit großer Nachsicht behandelt. "Die besten Stücke gingen mit nach drüben" resümierte Roger Krug. "Sogar einige seiner Oldtimer durfte Manfred mitnehmen." Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Angelika Domröse 1974
Die Schauspielerin Angelica Domröse, die 1979 die DDR verließ und 1977 die Petition gegen die Biermann-Ausbürgerung unterschrieben hatte, wirft Manfred Krug vor, mit dem Politbüro einen "großen Deal" gemacht zu haben. Er habe Werner Lamberz das Tagebuch übergeben, um seine Oldtimer und Antiquitäten in den Westen mitnehmen zu dürfen. Bildrechte: MDR/ Klaus Winkler
Alle (10) Bilder anzeigen

Audios und Videos

Manfred Krug - Interviews und in Aktion

Elf 99 von 31.10.1990 mit Manfred Krug
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Elf 99 von 31.10.1990 mit Manfred Krug
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv
Manfred Krug
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Alle anzeigen (19)

Über dieses Thema berichtete der MDR im TV in "Ein Abend für Manfred Krug" | 05.02. 2017 | 20:15 Uhr