Der Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, Kurt Masur, nimmt am 10.10.2001 mit seinem Musikern nach einem Konzert im Leipziger Gewandhaus den Beifall des Publikums entgegen.
Kurt Masur gibt am 10.10.2001 mit "seinem" London Philharmonic Orchestra ein Konzert im Gewandhaus Leipzig Bildrechte: dpa

Dirigent und Orchesterchef Kurt Masur

18.07.1927 - 19.12.2015

Der Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, Kurt Masur, nimmt am 10.10.2001 mit seinem Musikern nach einem Konzert im Leipziger Gewandhaus den Beifall des Publikums entgegen.
Kurt Masur gibt am 10.10.2001 mit "seinem" London Philharmonic Orchestra ein Konzert im Gewandhaus Leipzig Bildrechte: dpa

Kurt Masur kam am 18. Juli 1927 im schlesischen Brieg zur Welt. Nachdem er zunächst eine Lehre als Elektriker absolviert hatte, zog es ihn im Alter von 15 Jahren an die Landesmusikschule in Breslau. Nach dem Krieg begann Masur 19-jährig in Leipzig Klavier, Komposition und Dirigieren zu studieren. Bereits zwei Jahre später – 1948 - beendete er sein Studium.

Sein berufliches Schaffen begann er als Solorepetitor und Kapellmeister in Halle; bis 1951 war er in der Saalestadt tätig. Danach folgten Engagements als 1. Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Erfurt und am Opernhaus Leipzig. Die erste hauptamtliche Stelle als Dirigent hatte Masur zwischen 1955 und 1958 bei der Dresdener Philharmonie inne. In den folgenden zwei Jahren wirkte er als Generalmusikdirektor am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin.

Kurt Masur - sein Leben in Bildern

1960 wurde Kurt Masur zum Ersten Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin berufen. An dem traditionsreichen Haus avancierte er zu einem der wichtigsten Dirigenten - zunächst in der DDR, später weltweit.

Porträt Kurt Masur (ca. 1978)
Kurt Masur war einer der bekanntesten deutschen Dirigenten. Der am 18. Juli 1927 im Brzeg (heutiges Polen) geborene Künstler kam 1946 nach Leipzig, um dort sein Musikstudium fortzusetzen. Bildrechte: dpa
Der Dirigent des Leipziger Gewandhausorchesters Kurt Masur in Familie bei der Hausmusik - Masur begleitet den Gesang seiner Ehefrau Tomoko mit dem Spiel auf dem Cembalo, ihr gemeinsamer Sohn Ken-David hört interessiert zu.
Seit 1976 war Masur in dritter Ehe mit der japanischen Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet. Aus der Ehe ging ein gemeinsamer Sohn hervor. Bildrechte: dpa
Der Chefdirigent des London Philharmonic Orchestra, Kurt Masur, nimmt am 10.10.2001 mit seinem Musikern nach einem Konzert im Leipziger Gewandhaus den Beifall des Publikums entgegen.
In seiner Doppelrolle als Chefdirigent in New York und Leipzig avancierte Masur zum philharmonischen Superstar. 1997 hörte er am Gewandhaus in Leipzig auf, in den Jahren danach pendelte er zwischen New York und London. Mit dem London Philharmonic Orchestra, wo Masur Musikdirektor war, gastierte er 2001 in Leipzig. Bildrechte: dpa
Der Dirigent Kurt Masur begibt sich am Nachmittag des 30.08.1999 zwischen leeren Stuhlreihen entlang zur Bühne, um mit der Violinsolistin Anne-Sophie Mutter und dem Weltjugendorchester für ein am gleichen Abend stattfindendes Konzert zu proben.
Bis zu Jahr 2008 pendelte Masur als Dirigent zwischen London und Paris. Bildrechte: dpa
Porträt Kurt Masur (ca. 1978)
Kurt Masur war einer der bekanntesten deutschen Dirigenten. Der am 18. Juli 1927 im Brzeg (heutiges Polen) geborene Künstler kam 1946 nach Leipzig, um dort sein Musikstudium fortzusetzen. Bildrechte: dpa
In Anwesenheit des Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (r) übergibt Obermeister Manfred Friedrich (M) am 8. Oktober 1981 unter dem Beifall von zehntausenden von Bürgern der Messestadt symbolisch den Schlüssel an Gewandhauskapellmeister Professor Kurt Masur (l).
In seiner Leipziger Zeit setzte sich Masur (links) für den Neubau eines Konzerthauses ein. Mit seinem Orchester musste er zu diesem Zeitpunkt in der Leipziger "Kongresshalle am Zoo" konzertieren. Am 8. Oktober 1981 wurde das neue Haus feierlich eingeweiht – mit dabei natürlich der damalige DDR-Staatsratschef Erich Honecker (rechts). Bildrechte: dpa
Zu Zehntausenden drängen sich am 8. Oktober 1981 Zuschauer zur offiziellen Eröffnung des Neuen Gewandhauses auf dem Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz).
Zehntausende Menschen drängten sich am 8. Oktober 1981 in Leipzig zur offiziellen Eröffnung des Gewandhauses. Das Haus war übrigens der einzige Neubau in der DDR, der als reine Konzerthalle diente. Bildrechte: dpa
Der Leipziger Gewandhauskapellmeister Kurt Masur (l) begrüßt freudig den österreichischen Dirigenten Herbert von Karajan (r) vor dem Neuen Gewandhaus in Leipzig, aufgenommen im November 1981.
Kurt Masur begrüßt den österreichischen Dirigenten Herbert von Karajan. Der kam 1981 wenige Wochen nach der Einweihung des Gewandhauses, um in Leipzig ein Gastspiel mit den Berliner Philharmonikern zu geben. Bildrechte: dpa
Der sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (l, CDU) im Gespräch mit dem Gewandhauskapellmeister Kurt Masur am 2. Dezember 1990. Masur erlang nicht nur Popularität durch seine künstlerischen Leistungen als Dirigent, sondern tat sich auch während des Zusammenbruchs der DDR als Oppositionssprecher hervor.
Durch sein vermittelndes Wirken im Herbst 1989 war der Gewandhauskapellmeister zu einer Art moralischer Instanz geworden. Hier mit dem einstigen sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf im Dezember 1990. Bildrechte: dpa
Star-Dirigent Kurt Masur steht am 29.03.2012 im Leipziger Gewandhaus anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Kulturpreis der Deutschen Freimaurer neben seiner Frau Tomoko.
2012 gab Masur bekannt, dass er an der Parkinson-Krankheit leidet. Es habe zuvor viel Gemunkel gegeben, was denn "mit dem Mann bloß los sei". Deshalb sei er damit an die Öffentlichkeit gegangen, argumentierte er. Die Krankheit kann zu Muskelstarre und Muskelzittern führen. Seine Frau Tomoko Sakurai sei seine größte Stütze, hatte Masur in letzter Zeit immer wieder gesagt. Bildrechte: dpa
Kurt Masur
Masur, der zuletzt zwei Wohnsitze hatte - in New York und in Leipzig - starb am 19. Dezember 2015 in einem Krankenhaus in den USA - im Alter von 88 Jahren. Beerdigt wurde er in Leipzig. Bildrechte: IMAGO
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Leipziger Gewandhauskapellmeister von 1967 bis 1972

Aufmerksamkeit erregte Masur, als er 1960 vom Intendanten der Komischen Oper Berlin, Walter Felsenstein, als Chefdirigent verpflichtet wurde. Masur hatte diese Position über vier Jahre inne; nach einer kurzen Phase freischaffender Tätigkeit leitete er von 1967 bis 1972 als Chefdirigent die Dresdener Philharmonie. Kurt Masurs bedeutendste Schaffensphase stellt sein 26jähriges Wirken als Gewandhauskapellmeister in Leipzig von 1970 bis 1996 dar.

In dieser Position trat Masur die Nachfolge solch berühmter Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy, Arthur Nikisch, Wilhelm Furtwängler und Hermann Abendroth an. Er selbst vermochte es, dem Gewandhausorchester einen eigenen Charakter zu geben und schuf einen Klang, der von Musikern und Orchestern in der ganzen Welt als "Gewandhausklang" bezeichnet und häufig zu kopieren versucht wurde. Mit dem Orchester gab er über 900 Tournee-Konzerte.

Streitbarer Geist

Zu Zehntausenden drängen sich am 8. Oktober 1981 Zuschauer zur offiziellen Eröffnung des Neuen Gewandhauses auf dem Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz).
Das Neue Gewandhaus zu Leipzig: Offizielle Eröffnung am 8. Oktober 1981 Bildrechte: dpa

Neben seinen herausragenden musikalischen Qualitäten zeichnete sich Masur auch durch politisches Fingerspitzengefühl und Durchsetzungsfähigkeit gegenüber Widerständen aus; während die Staatsführung der DDR das Gewandhausorchester als Prestigeobjekt und Devisenbringer durch die Welt reisen ließ, stand für Masur im Ausland die Vermittlung künstlerischer Leistung im Mittelpunkt. In Leipzig scheute er die Auseinandersetzung mit dem Staatsapparat nicht: So setzte er z.B. 1980/81 gegen zahlreiche Widerstände der Staatsführung den Neubau des Gewandhauses an seinem jetzigen Platz durch, der von der Parteispitze für den Neubau des universitären Auditorium Maximum vorgesehen war.

Der Name Masurs ist schließlich untrennbar mit den Ereignissen der friedlichen Revolution in Leipzig im Herbst 1989 verbunden: in Zeiten großer Unsicherheit, als fraglich war, mit welchen Mitteln die Staatsführung der DDR auf die zunehmenden Unruhen reagieren würde, gehörte Masur zu den Unterzeichnern eines Aufrufes, in dem zu beiderseitigem Gewaltverzicht zugunsten eines konstruktiven Dialoges aufgefordert wurde. Damit hatte sich der Gewandhausdirigent mit Bedacht kraft seines Amtes und seiner herausragenden Persönlichkeit eindeutig auf die Seite der Bevölkerung gestellt und gleichzeitig auf alle Seiten deeskalierend eingewirkt. Schnell von einer Art Mythos als "Retter von Leipzig" umgeben, war Masur kurz als potentielles Staatsoberhaupt der DDR im Gespräch, er lehnte jedoch die Übernahme eines solchen Amtes ab.

Von Leipzig nach New York

Dass er 1993 auch als möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten gehandelt wurde, mag deutlich machen, welch hohes Ansehen Masur genoss und heute noch genießt. Für seine Verdienste um die Demokratie und das kulturelle Leben in Deutschland erhielt Masur zahlreiche Ehrungen, so zum Beispiel die Ehrenbürgerwürde der Stadt Leipzig, den Titel "Europäer des Jahres 1990" und 1995 das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

1990 nahm Kurt Masur die Position des Musikdirektors des New York Philharmonic Orchestra an. Zum Jahreswechsel 1996/97 wurde er als Gewandhauskapellmeister in Leipzig verabschiedet und zum ersten "Ehrendirigenten" in der über 250jährigen Geschichte des Orchesters ernannt.

In New York, wo Kurt Masur von 1991 bis 2002 als Chefdirigent des Philharmonic Orchestra wirkte, erreichte er nach kurzer Zeit eine maßgebliche Steigerung der Individualität und Qualität des Orchesters und machte es wieder zu einem der "Big Five" in den Vereinigten Staaten. Im Jahr 2000 wurde er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. 2002 übernahm Kurt Masur außerdem die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris.

In vielen Städten geehrt und ausgezeichnet

1991 gründete er in Leipzig die Internationale Mendelssohn-Stiftung, welche die letzte Wohn- und Wirkungsstätte Felix Mendelssohn Bartholdys in Leipzig vor dem Verfall rettete. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Nationalstiftung. Masur war Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Akademie der Künste Berlin-Brandenburg. Er erhielt eine Vielzahl von Auszeichnungen - in der DDR, der Bundesrepublik, in Frankreich, Israel, Polen und den USA. Ende 1989 wurde Masur als erster nach der Wende Ehrenbürger der Stadt Leipzig. Auch Masurs Geburtstadt Brzeg (Brieg) im polnischen Śląsk (Schlesien) verlieh ihm die Ehrenbürgerwürde.

2007 wurde er zum 80. Geburtstag mit dem erstmals verliehenen Leipziger Mendelssohn-Preis geehrt - für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für den Bau des neuen Gewandhauses in Leipzig im Jahr 1981 sowie sein Engagement bei den Montagsdemonstrationen im Jahr des Mauerfalls 1989. Am 19. Dezember 2015 starb Masur in den USA.

Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Zum Tod von Kurt Masur - Ein Leben für die Musik | 19:12.2015 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2017, 21:23 Uhr