Zeitgenössische Darstellung von Kaiser Maximilian I. (1459-1519)
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20. Juli 1497 Messeprivileg für Leipzig

Kaiser Maximilian I. verleiht der Stadt Leipzig das Messeprivileg. So dürfen in den fünf Bistümern um Leipzig (Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Merseburg, Naumburg) keine neuen Jahrmärkte mehr eingerichtet werden. Am 25. Juli 1507 dehnt er den Messebann um Leipzig auf 15 deutsche Meilen aus (ca. 125 Kilometer). Damit erreicht der Messebann die Stadt Erfurt, die keine neuen Jahrmärkte mehr einrichten darf. Leipzig überflügelt Erfurt bald als bedeutendste Handelsmetropole im mitteldeutschen Raum.

Zeitgenössische Darstellung von Kaiser Maximilian I. (1459-1519)
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Am 20. Juli 1497 hatten nach zähem Ringen die Stadtoberen Leipzigs eine wichtige Schlacht im Kampf um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Region gewonnen. Die Urkunde, die an diesem Tag im Namen des deutschen Königs Maximilian I. von Habsburg unterzeichnet wurde, sprach der Pleißemetropole das Messeprivileg zu.

In dem entsprechenden Schriftstück, das nicht in Latein, sondern in Frühneuhochdeutsch verfasst war, begann mit den Worten: "Wir Maximilian von gottes gnaden...". Im weiteren Text wurde Leipzig das Recht zugesichert, jährlich drei jeweils achttägige Messen abzuhalten, die damals noch Jahrmarkt genannt wurden. In Leipzig fanden zwar bereits seit einiger Zeit solche Märkte zu Neujahr sowie im Frühling und im Herbst statt, durch die königliche Urkunde aber war die Stadt ganz offiziell dazu berechtigt.

Geschichte der Leipziger Messe Vom Marktplatz zur Messestadt

Leipzig und seine Messe - das ist eine interessante Geschichte, die im 12. Jahrhundert ihren Anfang nahm. Seither zieht die Stadt jedes Jahr zehntausende Besucher an.

Exponate in der Schau "Leipzig von Anfang an" MDR / Katrin Schlenstedt
Die Leipziger geben sich Brief und Siegel Anders als die Ersterwähnung der Stadt 1015 war es kein Zufall, dass Handel und Wandel in Leipzig in Schwung kamen. Die Lage an der Kreuzung der Fernhandelsstraßen via imperii und via regia spielte eine Rolle, förderlich war es, dass Markgraf Otto der Reiche von Meißen den Bewohnern Leipzigs vermutlich zwischen 1156 und 1170 überhaupt Stadt-, Markt und auch das Pfandrecht verlieh. Auch weitgehende Abgabenfreiheit wurde den Bürgern zugesichert, ausnahmsweise der Markgraf müsse "im Dienste des Kaisers über die Alpen ziehen". All das und noch viel mehr überliefert der Stadtbrief, der als bedeutendes Zeugnis für die Stadtgründung gilt, auch wenn es sich nicht um eine von der Kanzlei des Markgrafen ausgestellte Urkunde handelt. Die Leipziger Bürger waren möglicherweise so frei, sich Brief und Siegel selbst zu geben, damit der Akt nicht in Vergessenheit gerät. Zu sehen ist die "feststellende" Fälschung" derzeit in der Schau "Leipzig von Anfang an" im Stadtgeschichtlichen Museum. Bildrechte: MDR / Katrin Schlenstedt
Das erste großformatige Plakat der Leipziger Messe von 1908
Sprung ins 20. Jahrhundert Zahllose Musiker und Schausteller sorgten seit jeher abseits der Verhandlungen für Staunen und Entzücken. Im 20. Jahrhundert löste sich dann die Kleinmesse mit ihrem bunten Unterhaltungsprogramm vom übrigen Messegeschehen als eigenständige Veranstaltung ab, da zunehmend Fahrgeschäfte und technische Attraktionen zum Einsatz kamen. Aufgrund des stetigen Wachstums der Leipziger Messe wird am Ende des 19. Jahrhunderts begonnen, sogenannte Messepaläste wie das Städtische Kaufhaus zu bauen, die mehr Platz und moderne Ausstellungsräume boten. 1908 wurde das erste großformatige Werbeplakat für die Leipziger Messe von dem gebürtigen Leipziger Maler Walter Illner gestaltet. Bildrechte: Leipziger Messe GmbH
Exponate in der Schau "Leipzig von Anfang an" MDR / Katrin Schlenstedt
Die Leipziger geben sich Brief und Siegel Anders als die Ersterwähnung der Stadt 1015 war es kein Zufall, dass Handel und Wandel in Leipzig in Schwung kamen. Die Lage an der Kreuzung der Fernhandelsstraßen via imperii und via regia spielte eine Rolle, förderlich war es, dass Markgraf Otto der Reiche von Meißen den Bewohnern Leipzigs vermutlich zwischen 1156 und 1170 überhaupt Stadt-, Markt und auch das Pfandrecht verlieh. Auch weitgehende Abgabenfreiheit wurde den Bürgern zugesichert, ausnahmsweise der Markgraf müsse "im Dienste des Kaisers über die Alpen ziehen". All das und noch viel mehr überliefert der Stadtbrief, der als bedeutendes Zeugnis für die Stadtgründung gilt, auch wenn es sich nicht um eine von der Kanzlei des Markgrafen ausgestellte Urkunde handelt. Die Leipziger Bürger waren möglicherweise so frei, sich Brief und Siegel selbst zu geben, damit der Akt nicht in Vergessenheit gerät. Zu sehen ist die "feststellende" Fälschung" derzeit in der Schau "Leipzig von Anfang an" im Stadtgeschichtlichen Museum. Bildrechte: MDR / Katrin Schlenstedt
"Wir Maximilian von gottes gnaden..."  Zeitgenössische Darstellung von Kaiser Maximilian I. (1459-1519)
"Wir Maximilian von gottes gnaden..." - Der Kaiser verleiht zwei Privilegien 1497/1507 Im Abstand von zehn Jahren erließ der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Maximilian I. zwei Marktprivilegien, die die Vormachtstellung Leipzigs und seiner Märkte untermauerte. So durften unter anderem in einem Umkreis von 15 Meilen (112 Kilometer) um Leipzig herum keine konkurrierenden Jahrmärkte abgehalten werden. Bildrechte: dpa
Das erste großformatige Plakat der Leipziger Messe von 1908
Das berühmte Doppel-M Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Technische Messe in der DDR weitergeführt. Gebäude 12, das Achilleion, wurde zum markanten sowjetischen Pavillion umgebaut, den eine 36 Meter lange vergoldete Spitze ziert. Bildrechte: dpa
Das Gelände der Leipziger Messe von oben
Das Messegelände an der Messeallee umfasst neben fünf Hallen mit jeweils 20.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche auch die Glashalle deren Dach 28 Meter hoch ist. Neben dem Congress Center Leipzig, einem renommierten Tagungsort, umfasst das Gelände außerdem auch 70.000 Quadratmeter Freifläche. Bildrechte: Leipziger Messe
Blick über den Messesee mit Durchgang auf das Congress Center Leipzig und die Glashalle
Heute ist das neue Messegelände ein vielseitiger Veranstaltungsort, der zahlreichen Fachmessen, aber auch Kongressen und anderen Veranstaltungen genügend Raum bietet. Bildrechte: Leipziger Messe/Grubitzsch
Ein Foto von der Leipziger Buchmesse am 16.03.2018 in der neuen Messe Leipzig.
Jedes Jahr im Frühling lockt die Leipziger Buchmesse als zweitgrößte deutsche Buchmesse zehntausende literaturbegeisterte Besucher an. Bildrechte: MDR/Andreas Lander
Auf der LBM/Manga-Comic-Con 2018
Vergleichsweise jung ist die Manga-Comic-Convention, eine eigene Messe für Comics und Manga, sowie japanische Fankulturen. Bildrechte: MDR/Jeannine Völkel
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Leipzig auf dem Weg zur Universitäts- und Messestadt

Das Messeprivileg Leipzigs bedeutete für die benachbarten aufstrebenden Bistümer Einschränkungen ihrer wirtschaftlichen Freiheit. Maximilian verbot Magdeburg, Halberstadt, Meißen, Merseburg und Naumburg nämlich, neue Jahrmärkte einzureichten. Das Privileg vom 20. Juli 1497 war im übrigen nicht das erste, das Leipzig anderen Städten gegenüber bevorteilte.

Etwa 30 Jahre zuvor war die Stadt Halle dem Leipziger Rat ein Dorn im Auge gewesen. Damals war um das Recht der Neujahrsmesse gestritten worden. Zwar besaß die Saalestadt die älteren Rechte, nach einigem Zögern entschied sich der damalige Kaiser Friedrich III., der Vater Maximilians, für den wirtschaftlich stärkeren Standort - Leipzig.

Die Stadt an der Pleiße lag verkehrsgünstig an der Via Regia, der West-Ost-Achse Mitteleuropas. Zudem sorgte die 1409 gegründete Universität für gute Kontakte zu Kaufleuten, die ihre Söhne zum Studium nach Leipzig schickten. Nicht zuletzt stand der sächsische Kurfürst hinter seiner "Messestadt". Diese Vorteile und das kaiserliche Wohlwollen ließen den Hallensern keine Chance im Rennen um die Gunst der Kaufleute.

Leipzig war zweifellos "im Kommen". Da konnte das Jahrmarkttreiben in anderen Städten nicht widerstandslos hingenommen werden. Der Unterstützung Maximilians, der 1493 zum deutschen König gekürt worden war, konnten sich die Stadtoberen sicher sein. Mit der Urkunde vom 20. Juli wurden die Leipziger Jahrmärkte in den Stand von Reichsmessen gehoben und waren damit denen in Frankfurt am Main gleichgestellt.

Erweiterung des Messebanns

1507 sollte Maximilian, nunmehr Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, das Messeprivileg durch die Erweiterung des Messebanns sogar noch erweitern. Am 25. Juli 1507 verfügte er, dass im Umkreis von 15 deutschen Meilen, also ungefähr 125 Kilometern um Leipzig keine neuen konkurrierenden Jahrmärkte errichtet werden durften. Erfurt war eine weitere Stadt, die sich zehn Jahre nach dem ersten Messeprivileg ebenfalls den kaiserlichen Wünschen und denen der Leipziger beugen musste. Die Privilegien des Kaisers waren zwar nicht der Grund für die wachsende Bedeutung Leipzigs im Ost-West-Handel. Sie beschleunigten aber die Messeentwicklung.

Zuletzt aktualisiert: 05. September 2007, 15:56 Uhr