Geschichte

Rumänien Diktator Nicolae Ceausescu: "Titan der Titanen"

Nikolae Ceausesco und Zhou Enlai
Infiziert hatte sich Ceausescu vermutlich bei Staatsbesuchen 1971 in China und Nordkorea, wo er in Berührung mit den dort praktizierten Personenkulten um Mao und Kim Il Sung gekommen war. Ceausescu muss ungeheuer fasziniert gewesen sein. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Zhou Enlai in Peking) Bildrechte: IMAGO
Nikolae Ceausesco und Zhou Enlai
Infiziert hatte sich Ceausescu vermutlich bei Staatsbesuchen 1971 in China und Nordkorea, wo er in Berührung mit den dort praktizierten Personenkulten um Mao und Kim Il Sung gekommen war. Ceausescu muss ungeheuer fasziniert gewesen sein. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Zhou Enlai in Peking) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu, 1965
Angefangen hatte der "Titan der Titanen" einmal ganz unauffällig. Der am 26. Januar 1918 geborene Nicolae Ceausescu wurde 1965, nachdem er diverse Positionen in Partei und Regierung inne gehabt hatte, zum Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Rumäniens gewählt. Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu
Zwei Jahre später übernahm der durchaus populäre Parteichef auch noch das Amt des Staatsratsvorsitzenden und wurde zudem zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte ernannt. Bildrechte: imago/United Archives International
Nicolae Ceaușescu und Leonid Breschnew, 1976
Ceausescu distanzierte sich vom Führungsanspruch der UdSSR und beanspruchte für sein Land eine gewisse Unabhängigkeit innerhalb der sozialistischen Staaten. "Niemand kann ein Monopol auf die absolute Wahrheit beanspruchen", postulierte Ceausescu im März 1968 und jeder wusste, an wen sich dieser Satz richtete - an die UdSSR. (Im Bild: Nicolae Ceausescu und Leonid Breshnew 1976) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu und Alexander Dubček, 1968
Im Sommer 1968 kam es zum offenen Konflikt mit der UdSSR. Nikolai Ceausescu begrüßte den "Prager Frühling" in der CSSR und unterstützte den Reformkommunisten Alexander Dubček. Als der "Prager Frühling" im August niedergeschlagen wurde, weigerte sich Ceausescu, rumänische Truppen nach Prag zu schicken. Ganz im Gegenteil: Er verurteilte auf einer Massendemonstration in Bukarest den Einmarsch in der CSSR. (Im Bild: Nicolae Ceaușescu und Alexander Dubček in Prag, Frühjahr 1968) Bildrechte: IMAGO
Richard Nixon und Nicolae Ceaușescu, 1969
Im Westen galt Ceausescu als Hoffnungsträger. Er wurde hofiert und zu Staatsbesuchen eingeladen. 1969 der Höhepunkt: US-Präsident Richard Nixon besuchte Ceausescu in Bukarest; ein Jahr später flog der rumänische Alleinherrscher zum Gegenbesuch in die USA. Bei der Gelegenheit wurde Rumänien in den "Internationalen Währungsfond" und die "Weltbank" aufgenommen. (Im Bild: Richard Nixon und Nicolae Ceausescu 1971 in Bukarest.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceaușescu neben Sonnenblume, 1976
Ceausescu unterzog Rumänien in den 1970er-Jahren einer gewaltigen Industrialisierung - sehr zu Lasten der Landwirtschaft. In den 1980er-Jahren fasste der Conducator dann gar den Plan, bis zum Jahr 2000 mehr als die Hälfte aller rumänischen Dörfer niederwalzen und durch "agroindustrielle Zentren" ersetzen zu lassen, um "den Unterschied zwischen Stadt und Land auszumerzen". (Im Bild: Nicolae Ceausescu 1975.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceausescu bei einer Jagd in den 70er Jahren
Entspannung fand Ceausescu bei der Jagd, zu der er sich im Rolls-Royce chauffieren ließ. Dutzende Helfer trieben ihm Wildschweine, Damwild und Bären vor die Flinte, so dass der Conducator auch zum "größten Jäger aller Zeiten" aufsteigen konnte. Bildrechte: IMAGO
Wohnhaus von Nicolae Ceausescu
Das Wohnhaus der Familie Ceausescu am Rand der Hauptstadt Bukarest. In den Karpaten und am Schwarzen Meer besaß Ceausescu weitere Paläste und Villen. Bildrechte: IMAGO
Tagungszimmer, 1992
Ceausescus Arbeitszimmer in seinem Wohnhaus. Bildrechte: IMAGO
Elena and Nicolae Ceausescu, 1984.
Um Ceausescus Ehefrau Elena wurde ebenfalls ein absurder Personenkult betrieben. Obwohl sie die Schule mit 14 Jahren verlassen und nie studiert hatte, trug sie einen Doktortitel, war Präsidentin der Rumänischen Akademie der Wissenschaften und wurde als "Gelehrte von Weltruhm" gefeiert. (Im Bild: Nicolae und Elena Ceausescu in den 1980er-Jahren.) Bildrechte: dpa
Nicolae Ceaușescu und Erich Honecker winken 1980 aus einem Zug
Das Verhältnis der DDR zu Rumänien war kompliziert. Das lag vor allem an der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rumänien und der BRD 1967; große Diskrepanzen gab es auch in der Bewertung des "Prager Frühlings". Erst ab Mitte der 1970er-Jahre normalisierten sich die offiziell stets als "brüderlich" bezeichneten Beziehungen zwischen den beiden sozialistischen Ländern tatsächlich. (Im Bild: Erich Honecker und Nicolae Ceausescu 1980.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceausescu und Helmut Kohl
Ein Geheimnis aus den Zeiten des Kalten Krieges wurde erst nach dem Sturz Ceausescus bekannt: Ein schmutziger Menschenhandel, der in Bonn den Codenamen "Geheimsache Kanal" trug. Zwischen 1968 und 1989 hatte der Conducator etwa 250.000 Deutschstämmige, Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben an die Bundesrepublik verkauft. Eine riesige Summe wurde dafür von Bonn an Ceausescu überwiesen - etwa drei Milliarden D-Mark. Das Regime beglich mit den Geldern einen Teil seiner Schulden im Westen, wahrscheinlich steckte sich Ceausescu auch etliche Millionen in die eigene Tasche. "Deutsche und Juden sind Rumäniens lohnendste Exportartikel", soll Ceausescu gewitzelt haben. (Im Bild: Helmut Kohl, Nicolae Ceaucescu und Frau Elena in Bonn 1984.) Bildrechte: IMAGO
Nicolae Ceausescu
Erst Mitte der achtziger Jahre hatte sich im Westen allmählich die Erkenntnis durchgesetzt, dass Ceausescu nicht der Rebell war, als den man ihn anfänglich gesehen hatte, sondern ein übler Diktator. Zu seinem 70. Geburtstag 1988 musste sich der Conducator die Glückwunschkarten von gekrönten Häuptern und Staatspräsidenten aus der westlichen Welt, mit denen er vor seinem Volk prahlen wollte, immerhin schon selber schreiben. Kaum noch jemand wollte mit ihm in Verbindung gebracht werden. Bildrechte: IMAGO
Ein Soldat und ein bewaffneter Zivilist zielen am 24. Dezember 1989 in Rumänien aus einem Hauseingang heraus auf Heckenschützen.
Während 1989 überall in Osteuropa atemberaubende Revolutionen stattfanden, herrschte in Rumänien Totenstille. Am 17. 12.1989 aber demonstrierten Tausende Bürger in den Straßen von Timisoara. Sie rissen Ceausescu-Bilder von den Wänden und verbrannten Bücher des Diktators. Armee und Geheimdienst versuchten, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Doch vergebens: Die Demonstranten leisteten erbitterten Widerstand. Und auch in anderen Städten erhoben sich die Menschen: in Sibiu, Arad und in der Hauptstadt Bukarest. Die Lage in Rumänien war derart angespannt, dass ein Funke genügte, um das gesamte Land in Windeseile in Aufruhr zu versetzen. (Im Bild: Straßenkämpfe in Bukarest am 24. Dezember 1989.) Bildrechte: dpa
Nicolae Ceausescu mit Ehefrau Elena
70 Kilometer hinter Bukarest endete ihre Flucht. Nachdem der Pilot das Ehepaar abgesetzt hatte, wurde es von der Securitate festgenommen. Am ersten Weihnachtsfeiertag verurteilte ein Militärtribunal Elena und Nicolae Ceausescu in einem Schnellverfahren zum Tode. Das Urteil wurde noch am selben Tag vollstreckt.
(Über dieses Thema berichtete MDR im TV auch in "MDR Zeitreise", 18.04.2017, 21.15 Uhr)
Bildrechte: IMAGO/Sommer
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